Und wie versprochen geht es nun weiter mit Teil 2 meines Free!-Artikels, dieses Mal „schaue“ ich mir zum Vergleich aber noch andere Serien von Kyoto Animation an. Achtung! Einige Screenshots sind NSFW!

Die Art, wie Free! angekündigt wurde, hat natürlich den Fangirls recht viel Futter gegeben, und damit mehr polarisiert als man das sonst bei KyoAni-Serien macht, die nicht dafür bekannt sind, ihren verhältnismäßig leichten Fanservice groß zu bewerben. Deswegen wurde die männliche Zielgruppe gleich etwas verschreckt, die weibliche sprang in die Bresche und sagte gleich: Endlich bekommen wir Fanservice! Deswegen wurden die skeptischen männlichen Fans noch verstärkt in dem Glauben, dass die Serie nicht für sie produziert wird. Und jeder weiß ja wie übertrieben die Reaktionen von Fans sein können, wenn sie sich irgendwie betrogen fühlen: Sie treiben es auf die Spitze und reagieren eingeschnappt. Im Prinzip ist das immer nur ein kleiner Teil der Fans, die übertreiben, aber auf beiden Seiten wurde ordentlich angestachelt und es eskalierte etwas. Vieles zeugte von klarem Nichtwissen über die Gründe, warum Animes gemacht werden. Es war eher kein Sexismus, dass meistens eher Fanservice für das männliche Publikum gemacht wird, sondern es hatte oft einfach finanzielle Gründe. Die paar BL/Yaoi-Umsetzungen, die es so gibt, wurden ja nicht so gut verkauft wie Animes für das männliche Publikum , also warum soll man davon viel produzieren? Die internationalen Fans haben wenig Einfluss darauf, was animiert wird und auch wenn hierzulande Black Butler sich toll verkauft, gibt es in Japan vieles, was besser läuft. Diese Tatsachen werden öfters verdrängt, und wie im vorherigen Artikel erwähnt hat sich der Markt etwas geändert. Oder besser gesagt: vielleicht hat man mittlerweile besser raus wie man den Mädels das Geld aus der Tasche zieht. Persönlich störte es mich etwas, dass gerade in Bezug auf einen KyoAni-Anime so etwas gesagt wird, denn eigentlich haben sie nie eine Serie produziert, in der der Fanservice als Selbstzweck inszeniert wurde und auch so beworben wurde. Die Argumentation „endlich Fanservice für uns“ ist bei dem Studio meiner Meinung nach etwas unangebracht. Geht damit mit z.B. zu ARMS (Ikki Tousen, Queen’s Blade, Samurai Girls)…

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Zum Thema Fanservice war ich ja u.a. auf Twitter in eine kleine Diskussion verwickelt, wie viel Fanservice allgemein in Serien aus dem Hause Kyoto Animation ist. Bei der ersten Folge von Free! fand ich die Inszenierung wirklich zu übertrieben und ich würde einige Ausziehszenen wirklich als solchen für die Zuschauer in seiner reinsten Form bezeichnen. Das ging etwas in die Richtung der CM und es ist wirtschaftlich natürlich verständlich, dass man an der Stelle klotzt, damit die „Fangirls“ Futter bekommen. Meistens sind erste Folgen aufwendiger inszeniert, damit die Leute hängen bleiben. Hier wurde etwas auf „Fanservice“ gesetzt, und das ist ein kleiner Kontrast zu anderen Werken von dem Studio. Natürlich kann man Fanservice so und so definieren, aber ich würde es hier mal bei der einfacheren Definition belassen: Darstellung der Charaktere auf aufreizende Art für den Zuschauer. Und die plakativste Form davon ist nun mal das Zeigen nackter Haut und wie diese „präsentiert“ wird.

Allgemein wirft man KyoAni vieles vor, aber selten, dass sie zu viel Fanservice in ihren Serien habe, aber ich habe mir ein paar ältere Serien in Teilen angeschaut, um mal zu vergleichen, wie diese Szenen inszeniert waren:

Full Metal Panic – The Second Raid

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Die Serie stammt offensichtlich aus den Anfangszeiten von Kyoto Animation und fällt in mehrfacher Hinsicht komplett raus aus dem restlichen Programm: Sie beinhaltet sehr viel Action, ist sehr dramatisch, spart nicht mit Blut und zeigt sogar komplett nackte Charaktere:

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Diese Szene würde ich wirklich als Fanservice bezeichnen. In der Light Novel sind die beiden sogar männlich (da gibt es keine vergleichbare Szene, wenn ich mich recht erinnere) und ich kann auch verstehen, dass der Autor Shoji Gatoh da gerne zugestimmt hat (vielleicht war es sogar seine Idee), denn es passt doch noch gut zur Story und liefert einfach mehr Eye-Candy (die Serie ist nun mal eher für’s männliche Publikum gemacht). Klar für mich: Fanservice!

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Dann gibt es natürlich Szenen, die Sousuke darauf aufmerksam machen sollen, dass Kaname ein hübsches attraktives Mädchen ist. Hier sieht man einfach das, was er sieht. Das ist für mich kein richtiger Fanservice, sondern ist wichtig für die Charakterentwicklung und für die Beziehung zwischen den beiden.

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Später in einer der für mich spannendesten Szenen der 3 „Staffeln“ spart man auch nicht mit nackter Haut, aber der Kontext ist doch etwas komplizierter. Kaname kämpft fast nackt und die Blickwinkel zeigen recht viel…aber im Rahmen der Handlung ist das ganze passabel erklärbar. Sie entledigt sich einem Großteil ihrer Kleidung, da sie zu Recht Angst vor Wanzen hat, und flüchtet im Bademantel, um ihren „Verfolger“ zu finden. Dann verwendet Sie ihr letztes großes Kleidungsstück als Ablenkung und steht nun fast nackt da. Die Szene ist sehr dramatisch und ihre knappe Kleidung zeigt sie sehr verletzlich, aber andererseits auch sehr stark, da sie sich wehrt, klug handelt und man sehr viel Respekt vor ihr bekommt. Sie ist kein Mädchen, das gerettet werden muss, sie kann sich selbst verteidigen. Für mich wirkt dies Szene trotz viel nackter Haut deswegen nicht als simpler Fanservice, sondern die Wirkung wird durch dieses Element eher noch verstärkt. Ob man das nun als super umgesetzt sehen muss und ob da auch Sexismus drinsteckt, kann man diskutieren, aber ich würde es einfach nicht als normalen Fanservice bezeichnen.

Hyouka

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Ich bin mal etwas durch die Folge 11,5 gegangen, die in einem Freibad spielt und die Charaktere auch dementsprechend leichtbekleidet gezeigt. Zum einen würde ich sagen, man hat sich ziemlich zurückgehalten und auch wenn Eru Chitanda recht offenherzig unterwegs ist, sah man davon ab, ihre Brüste z.B. wackeln zu lassen oder irgendwie sonderlich stark ins Rampenlicht zu rücken. Zwar gibt es wieder Szenen, in denen man Houtarou’s Reaktion auf sie sieht und seine „Sicht“, aber ich fand das wirklich eher zahm für Animeverhältnisse (ich habe allerdings nur Stichproben gemacht). Auch Mayaka wird eher harmlos dargestellt.

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Zum Vergleich habe ich hier auch mal 2 Screenshots, an denen man sieht, wie in dieser Serie der Körperbau von Highschool-Schülern dargestellt wird. ^^;

The Melancholy of Haruhi Suzumiya 2006

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Auch in der „1. Staffel“ ging es bei Haruhi mal an den Strand und Mikuru durfte für die ein andere „Fanservice-Szene“ herhalten.

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Im Opening könnte man schon sagen, dass die wippenden Brüste schon als Fanservice für den Zuschauer verstanden werden können.

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Bei anderen Stellen aus der Serie kann man aber auch gut argumentieren, dass man die Handlung aus der Sicht von Kyon sieht.

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Er verknallt sich etwas in Mikuru und vor allem wenn man die Light Novel kennt, ergeben diese Szenen doch durchaus viel Sinn, und sind nicht nur eine Darstellung von nackter Haut oder wippenden Brüsten für den Zuschauer. Da diese Szenen auch gar nicht so oft vorkommen und später sogar eher abnehmen, wenn ich mich recht erinnere, finde ich sie nicht unnötig fanservicemässig. Man spielt ja vor allem in der letzten Folge „Someday in the Rain“ auch sehr gekonnt mit den Erwartungen der Zuschauer auf Fanservice. Auch sind z.B. die Strandszenen sehr kurz und wer auf der Suche nach sowas ist, bekommt in Haruhi nicht viel davon geboten. Für Mikuru als Charakter sind diese Szenen, finde ich, gar nicht mal so unwichtig, da dann etwas verständlicher wird, warum Kyon sie so mag und so einen starken Beschützerinstinkt bei ihr entwickelt hat. Immerhin schwärmt er ständig von ihr in den Light Novels…wenn das Haruhi wüsste.^^;

The Melancholy of Haruhi Suzumiya 2009

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Endless Eight besteht im Prinzip aus 8 Folgen mit Schwimmbadszenen und man mag denken, KyoAni baut nun allerlei Einstellungen ein, um die weiblichen Charaktere sehr in Szene zu setzen…? Nein, irgendwie nicht. Ich bin die ersten 5-6 Folgen durchgegangen und habe eine kleine Sammlung an Screenshots zusammengestellt. Wieder kann man übrigens sehen, wie unterschiedlich der Körperbau vor allem bei Kyon und Itsuki gezeichnet wird. Wippende Brüste und ähnliches sieht man sehr selten und es werden höchstens mal Nahaufnahmen geboten, wenn z.B. Haruhi aus dem Wasser kommt oder durch das Bild läuft. Auch hier kann man klar sagen, man sieht alles eher aus den Augen von Kyon, dem natürlich auffällt, dass er mit hübschen Mädchen in einem Schwimmbad ist. Und er kann sich der guten Figur von Haruhi natürlich auch nicht verschließen. Und es ist durchaus wichtig für die Story, dass er Haruhi als Mädchen wahrnimmt, obwohl er dies auch gerne leugnet in manch einer Folge. Das ist für mich einfach eine eher „realistische Form“ der Darstellung der Charaktere.

Ich habe einfach schon zu viele Badefolgen dieser Art in Animes gesehen und ich muss wirklich sagen: KyoAni hielt sich hier sehr zurück.

Der Rest

In K-ON! z.B. habe ich nur kurz noch mal reingeschaut, aber generell fand ich die Inszenierung sehr harmlos in der Serie und traditionellen Fanservice muss man dort wirklich mit der Lupe suchen. Chu-2 hat eine Strandfolge, die aber auch eher normale Einstellungen benutzt.

Bei Clannad kann ich mich auch an wenige Stellen erinnern, wo die weiblichen Charaktere besonders sexy dargestellt wurden, vielleicht hier:

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Hier steht das auch eher im Dienste der Handlung, wobei man schon etwas dicker aufträgt. ^^;

Und eine Badewannenszene gab es ja noch:

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Müssen sie sich unbedingt in der Badewanne unterhalten…aber die Menge an solchen Shots über 2 Staffeln ist wirklich sehr gering.

Free!

Jetzt mag man mir vorwerfen, ich rechtfertige hier manch Szene, hacke dann aber auf der Inszenierung von Free! herum, aber man lese bitte weiter.^^

In der ersten Folge fand ich einiges wirklich arg übertrieben und für KyoAni bzw. Animation Do Verhältnisse etwas plump. Kein anderer Charakter musste durch sexy Ausziehszenen irgendwie beeindruckt werden und es sah für mich aus wie traditioneller Fanservice für den Zuschauer, der sehr plakativ auf mich wirkte. Das fand ich einfach etwas enttäuschend.

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(etwas Screenshot-Recycling aus Artikel 1)

In der 2. Folge dann gab es auch Szenen, die die Körper der Schwimmer in Pose setzten, aber ich empfand es nicht mehr als plumpen Fanservice, denn der „Quoten-weibliche Charakter“ reagierte darauf. Dadurch wurden die Szenen durch ihre Aussagen auch plötzlich lustig und ich empfand es nicht als plakativ. Klingt vielleicht komisch, aber dann passte es plötzlich besser in die Handlung, da man herausfindet, dass Gou/Kou solche muskulösen Oberkörper mag. Wenn die Serie nun in jeder Folge immer wieder das gleiche machen würde, wäre es dann auch wieder etwas plump, aber in Folge 2 fand ich die Portionierung sehr gelungen.

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In der 3. Folge gab es wieder jede Menge nackte Haut, aber immer im Kontext des Schwimmens, ohne dass man hier viel über-inszeniert hat. Die männlichen Charaktere werden hier sehr detailliert gezeichnet und vor allem die Animationen wirken ungemein realistisch, so weit ich das beurteilen kann. Es wirkt hier wirklich wie ein Sport-Anime und nicht wie eine Inszenierung männlicher Körper. Ich halte den Körperbau immer noch für etwas übertrieben, aber man könnte es als das Gegenstück dazu sehen, dass ~98% der weiblichen Animefiguren sehr schlank sind. Wenn man die Darstellung von weiblichen Charakteren in Anime/Manga als sexistisch ansieht, dann wäre Free! genauso sexistisch, denn alleine Kou/Gou’s Aussagen beschränken die Charaktere auf ihre Muskeln. Persönlich finde ich das witzig, aber ich finde, man sollte nicht vergessen, dass Sexismus in beiden Richtungen existiert. Wer sich sonst also über manch plumpe Inszenierung aufgeregt hat, sollte sich vielleicht dann bei Free! an die eigene Nase fassen, wenn man dort die nackten Tatsachen feiern würde…

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Und wo wir gerade bei Gou/Kou sind, ich fordere aus Fairnessgründen zumindest z.B. eine Strandfolge, in der sie auch mal in was anderem als der Schuluniform zu sehen ist, bei Miho Amakata (der Lehrerin) wird ja schon auf einen Auftritt in der Art angespielt. 😉

Man konnte mir vielleicht bei meinen Erklärungen, wie ich sinnvollen Fanservice definiere nicht ganz folgen, bzw. jede Szene ganz anders definieren, aber das waren nun meine Ergebnisse, warum mich der KyoAni-„Fanservice“ bislang nicht „störte“, aber ich bei Free! plötzlich ins Grübeln kam. Ich muss allerdings sagen, dass ich mich frage, was passiert wäre, wenn man einen Anime in diesem Stil mit weiblichen Charakteren gemacht hätte. Einen Aufschrei wegen Sukumizu-Fanservice hätte es garantiert auch gegeben, nur vermutlich von ganz anderen als bei Free!.^^

Wenn’s zeitlich passt, werde ich mich am Ende der Serie wohl auch mal in einem Artikel mehr um den Inhalt kümmern, aber nach 3 Folgen kann man da noch nicht viel zu sagen.

Und wieder interessiere ich mich für Eure Meinung, vor allem wie Ihr die Inszenierung in Free! aufgenommen habt.