Ihr kennt es doch bestimmt auch, du und deine Otakukolleg_Innen haben diese eine Serie geschaut und ihr denkt euch:“Eigentlich hätte ich ganz gerne eine Version davon im Regal stehen.“ Naja, wie der deutsche Animemarkt es dann so will wird daraus dann……nichts! Also bleiben euch dann nur noch zwei Wege offen, importieren oder DVDRs ins Regal stellen. Aber wer macht schon letzteres?
In dieser neu erschaffenen Kategorie geht es TMSIDR und mir nicht darum rational darüber zu diskutieren warum Publisher X oder Y einen gewissen Anime nicht lizensiert hat, sondern einfach nur darum, euch kleine Animeschätze zu präsentieren, die leicht in Vergessenheit geraten könnten. Den Anfang möchte ich hier mit Kannagi – Crazy Shrine Maidens ( Org. かんなぎ ) machen. Einer doch zuerst eher unscheinbaren Perle aus dem Jahre 2008.

Ich muss zugeben, dass ich mich mit diesem Anime erst vor kurzem befasst habe. Zu der Zeit, als er wirklich im japanischen TV lief, fiel er mir leider auch nicht auf. Deswegen mache ich hier mir nun umso mehr daran, dass dies euch nicht geschieht.
Als ich mich mit TMSIDR, im Zusammenhang mit Boku Wa Tomodachi Ga Sukunai, über ungewöhnliche Harem Serien unterhielt, verwies er mich auf Kannagi. Nachdem wir kurz in die erste Folge schauten, entschied ich mich gleich die Serie aus den USA als Komplettbox zu importieren.
Doch lange Rede kurzer Sinn: Was bietet die Serie nun?
Kannagi wurde in Japan vom 4. Oktober 2008 bis zum 27. Dezember 2008 zum ersten Mal ausgestrahlt und umfasst 13 Episoden + 1 OVA, welche unabhängig zur Story steht und auch erst im Jahre 2009 erschien. Er basiert auf den ersten 18 Kapiteln des gleichnamigen Mangas Eri Takenashi‘s. Seit Beginn der Serie im Januar 2006 sind dort nun sechs Bände erhältlich. Nebenbei hat Eri Takenashi auch Take Moon gezeichnet, welches als Vorlage für Carnival Phantasm dient.
(Es sind bisher nur sechs Bände, da die Mangaka eine krankheitsbedingte Unterbrechung einlegen musste.)

Für die Produktion zuständig war das Studio A – 1 Pictures (u.a. Ano Hana) und Ordet half aus (sie haben hier das erste Mal richtig bei einer vollen Animation mitgeholfen). Regie führte Yamamoto Yutaka. (u.a. verschiedene Positionen in der Haruhi Serie) und um die Musik kümmerte sich Satoru Kōsaki.

Hier eine kurze Zusammenfassung der Story:
„Der doch eher vom Pech verfolgte Schüler Jin schnitzt aus einem Stück Holz eines heiligen Baumes eine Figur für ein schulisches Kunstprojekt. Die Figur basiert auf dem Abbild einer Göttin, die er als kleines Kind am KannagiSchrein getroffen hat. Als er sich nach der Fertigstellung der Statue völlig übermüdet auf den Weg zur Schule macht, kann er seinen Augen kaum glauben, denn direkt vor ihm verwandelt sich die Statue in die Göttin. Diese nennt sich selbst Nagi, erinnert sich jedoch nicht daran Jin irgendwann schon einmal begegnet zu sein. Als sie erfährt, dass der heilige Baum gefällt und der Schrein abgerissen wurden, macht sie sich Sorgen um die spirituelle Lage der Stadt. Nagi entscheidet sich für die Zeit bei Jin einzuziehen und sich zusammen mit ihm in den Kampf gegen die „Unreinheiten“ zu ziehen. Dies ruft natürlich Missverständnisse mit Jin‘s Kindheitsfreundin und seinen anderen Freunden hervor. Als wäre das nicht schon genug, taucht dann auf einmal Nagi‘s Schwester namens Zange auf, die den Körper einer Mitschülerin Jin‘s als Gefäß benutzt und sich mehr um ihre Popularität kümmert als das „Unreinheiten“ -problem. Wo soll das alles nur hinführen?“

Wie der aufmerksame Leser jetzt schon bemerkt haben wird, klingt das hier alles erstmal nach einer ziemlich durchschnittlichen Haremserie.
Unbekanntes Mädchen taucht auf und zieht beim Hauptcharakter ein (Check), Kindheitsfreundin die eifersüchtig darauf ist (Check), tollpatschiger Hauptcharakter (Check), Nebenbuhlerin (Check) und so weiter und so fort.


Doch was macht diese Serie jetzt anders?
Der erste grundlegende Unterschied ist eigentlich sehr marginal. Der Manga, welcher als Grundlage dieser Serie dient, wird von einer Frau geschrieben.
Eri Takenashi geht mit der von ihr geschaffenen Thematik ganz anders um, als man es von anderen 0815 Haremserien gewohnt ist.
Sie legt den Schwerpunkt der Mädchen der Serie nicht auf das sexuelle Potenzial das ihnen innewohnt, sondern viel mehr in deren Charme. Die Serie besitzt so gut wie keine Fanserviceinhalte und konzentriert sich mehr auf eine detaillierte Darstellung der Charaktere und ihrer Interaktionen, in denen alle ihre Besonderheiten wirklich gut ans Licht kommen. Die männlichen Freunde Jin‘s und vor allem Jin besitzen demnach endlich mal etwas, was „Random Harem Boy A + B + C“ im Normalfall nicht besitzen, nämlich Charakter. Des Weiteren zeigen Themen die eigentlich großes Fanservicepotenzial besitzen, wie etwa das überall schon aufgetauchte Oberweitenthema, dass sie eher mit witzigem Charme anstatt lästigen „Rumgefummel“ angegangen werden.
Die zweite Stärke Kannagi’s, ist das es ein, ich zitiere TMSIDR,  „Anime 2.0“ ist. Viele der eben schon genannten Unterschiede werden dem gewillten Animegenießer erst ins Auge schießen, wenn er schon „Random Harem Serie A + B + C“ geschaut hat. So sind viele Anspielungen und Witze einfach zu herrlich, wenn man einfach man die typischen Referenzbeispiele vor Augen hat. Beispielweise ist es doch sehr witzig anzusehen, dass Nagi‘s „Waffe“ gegen die „Unreinheiten“ ein Mahou Shoujo Zauberstaab aus Plastik ist und ihr Reinigungsritual eher einer Verwandlungsszene aus Sailor Moon erinnert als einem heiligen Ritual.


Hiermit sind wir auch beim letzten Punkt angelangt, den ich ansprechen möchte. Kannagi unterscheidet sich neben allem anderen vor allem auch durch eine witzige Eigenstory. Spielen die Beziehungen zwischen den weiblichen Charakteren und Jin doch eine große Rolle, geht es doch vorallem auch um die Bezwingung der „Unreinheiten“. Die Verbindung dieser zwei Plots verhindert somit, dass der Anime zu einem doch sonst ach so typischen „Stillstand“ kommt.
Das Charakterdesign ist einfach nur gut und mir gefielen die Charaktere sehr. Besonders schön anzuschauen ist das performance Intro mit Nagi. Den Song bekommt man nicht mehr so leicht aus dem Kopf. Die restliche musikalische Untermalung des Animes ist passend und gefiel dementsprechend auch sehr gut. Die Hintergründe sind sehr dettailiert und waren damals doch einigen Animes ihrer Zeit voraus. Auch die Seiyus waren mir schon vorher bekannt und gefielen mir in der Besetzung gut, so wird Nagi gesprochen von Haruka Tomatsu (u.a. Yuina aus Hanasuka Iroha), Zange von Kana Hanazawa (u.a. Tenshi aus Angel Beats), Aoba von Miyuki Sawashiro (u.a. Yano aus Kimi Ni Todoke) und Jin von Hiro Shimono (u.a. Yoshii aus Baka To Test To).  Zu meckern hab ich also nichts.

Wer sich nun an Kannagi macht sollte kein Meisterwerk erwarten, denn dafür fehlt es dem Anime definitiv an Tiefgang und dann doch das gewisse etwas an der Aufmachung. Was Kannagi euch allerdings bieten kann, ist leichtes und vor allem süßes Entertainment für einige Stunden, das mich mit seinen Otakunuancen begeistert hat. Definitiv was für den Feierabend, wenn einem Fate / Zero gerade mal als zu schwere Kost erscheint.

Zum Abschluss möchte ich nun kurz noch auf die Box eingehen. Hierbei handelt es sich eigentlich nur um die beiden Einzelvolumes, welche von einem Pappschuber umhüllt bzw. zusammengehalten werden. Sie sind SUB – Only, aber mich stört das nicht sonderlich, da ich mir Serien generell nur mit der japanischen Audiospur anschaue. Wer sich diese Box nun zulegen möchte sollte sich diese einfach auf Axelmusic für ein bisschen mehr als 25 Euro hier zulegen. Die DVDs sind allerdings Region R1. Aber das ist ja nicht so kompliziert zu umzugehen. Zusätzlich zu den 13 Folgen ist die OVA auf den DVDs enthalten. Als Bonusmaterial ist der Trailer und die typischen textless Openings und Endings enthalten. Bild und Ton sind qualitativ völlig in Ordnung, kann Mensch nicht meckern. Eine DVD bleibt jedoch nur eine DVD.