Ein bisschen stolz bin ich auf dieses Timing schon, denn die „2.Staffel“ startet in wenigen Stunden und endlich gönne ich der kompletten Serie mal einen Artikel, nachdem ich mitten in der Serie schon mal vor langer Zeit eine Lobpreisung geschrieben habe.

Die Handlung klingt eigentlich recht bekannt, denn wenn man kurz zusammenfasst, erinnert es an eine Visual Novel Umsetzung B: Junge trifft diverse Mädchen, denen er in diversen Arcs hilft und denen er so näher kommt.

Klingt wirklich altbekannt, aber wenn man zumindest hinzufügt, dass der Schüler Koyomi Araragi ein ehemaliger Vampir ist, der zumindest seine Selbstheilungskräfte behalten hat und alle Mädchen mehr oder weniger von übernatürlichen Wesen (in Tierform) besessen sind, dann wird es schon etwas abgefahrener.

Wenn man nun noch etwas genauer hinschaut, stellt man fest, der übernatürliche Teil ist größtenteils nur das Ergebnis irgendeines realen Problems der Person, so dass die Problemlösungen doch jeweils komplett anders sind, als man das nun in einer Random-Visual-Novel-Umsetzung C sehen könnte. Zudem sind die Probleme doch eine Spur realer und besser nachzuvollziehen. Wenn man sich z.B. den ersten Arc mit der quasi weiblichen Hauptperson der Serie Hitagi Senjougahara anschaut, zeigt schon mal die Tendenz der Serie: Ihre Mutter wurde Opfer des Einflusses einer Sekte und wollte es zulassen, dass der Sektenführer Senjougahara vergewaltigt. Im letzten Moment kann sich die Mittelschülerin wehren, doch die Familie zerbricht an der Sache und sie verdrängt diese Erinnerungen. Dadurch wird sie von einer „Krabbe“ befallen, die sie tatsächlich von dieser Last befreit, aber dadurch ihr auch den Großteil ihres Körpergewichts nimmt. Zudem ist sie auch anderen Menschen gegenüber sehr misstrauisch und lässt niemanden mehr an sich heran. Araragi stellt durch Zufall fest, dass Senjougahara viel zu leicht ist, lässt sich durch aggressive Bedrohungen auch nicht abschrecken und kann ihr schließlich mit Hilfe von Meme Oshino (eine Art Priester, der ihm vorher bei seinem Vampirproblem half) helfen, die „Krabbe“ loszuwerden.

Die anderen „Probleme“ der Mädchen sind im weitesten Sinne ähnlich, d.h. alles könnte in dieser Form auch in der Realität vorkommen, wobei die Auswirkungen natürlich anders dort wären. Während die Handlung doch klar Anime-Klischees bedient, wirkt einiges überraschend „realistisch“ und vor allem durch die fantastischen Dialoge wirken die Charaktere sehr lebendig. Man merkt klar, dass hier wieder eine Light Novel als Vorlage dient, da es zwar einige Actionsequenzen gibt, aber die Dialogszenen sehr viel Raum in den Folgen einnehmen und diese stellen klar ein Highlight der Serie dar. Wenn man ihnen folgen kann…denn Wortspiele, die nur im japanischen funktionieren, stellen an den westlichen Zuschauer doch recht große Anforderungen und zudem reden die Charaktere schnell und neben den ausgesprochenen Dingen, bleibt noch sehr viel Raum für Interpretationen. Hier kommt nun auch SHAFT’s Animationsstil zur Hilfe, denn jeder weiß, dass lange Dialoge oftmals etwas langweilig wirken können, wenn sie nicht interessant präsentiert werden und Bakemonogatari scheint die Serie zu sein, für die SHAFT die ganzen Jahre geübt hatte.

Ich kenne keine andere Serie, die so viele Schnitte bietet, damit auch wirklich von möglichst vielen visuellen Stilen Gebrauch gemacht werden kann: von Nahaufnahmen bis ans Auge, von oben, von der Seite, stilisiert, in einem speziellen Comic-Stil, Röntgenstil, Fotocollagen, jede Menge Texteinblendungen, die berühmten schwarzen und roten Flächen. SHAFT setzt hier alles ein und manch einer mag sagen, das ist pseudo-künstlerisch und da denke ich, das wurde gar nicht versucht. Die abgedrehte Optik soll helfen, die Dialoge zu visualisieren und wie gut das bei jedem funktioniert, hängt wohl einfach stark von jedem selbst ab. Es ist zumindest kein verzweifelter Versuch gewesen, möglichst viel Geld zu sparen, denn auch wenn bei der TV-Fassung einiges hinter „leeren“ Bildern verborgen bleibt, zeigen die Blu-rays sehr deutlich, dass das Konzept in vollständiger Form sehr durchdacht ist. Wenn man z.B. die Texteinblendungen (die direkt aus der Light Novel zu stammen scheinen) nicht mitliest, verpasst man eigentlich auch nichts, was man nicht auch durch die Bilder oder die Dialoge verstehen könnte. Man hat zwar manchmal etwas das Gefühl, dass man etwas verpasst, aber beim Re-Watch hatte ich eigentlich keinerlei Verständnisprobleme, ohne das ich die Pause-Taste jemals betätigt zu habe.

Die Hintergründe sehen zwar eher aus wie technische Zeichnungen und bis auf die wichtigeren Charaktere werden in Prinzip überhaupt keine Menschen gezeigt, aber man merkt, dass mehr bei der Handlung überhaupt nicht nötig ist. Es geht um die Beziehungen zwischen den Charakteren und da kann man sich einfach auf das Wesentliche beschränken. Das ist nun mal der Vorteil bei einem Anime und ich finde die Lösung hier durchaus gelungen. Ich habe allerdings schon das Gefühl, dass das Budget der Serie nicht sonderlich hoch war und SHAFT ja generell immer unter Zeitnot leidet und dieser Aspekt spielt hier auch rein, aber ich finde die Nutzung des Budget ist ausgesprochen gut, denn die Animationen und das Chakterdesign sind streckenweise einfach nur genial. Man spürt regelrecht, dass die Zeichner vor allem die weiblichen Charaktere sehr mochten, welche oftmals wunderschön gezeichnet wurden. Sie wirken unglaublich lebendig und ich finde sogar, dass Bakemonogatari „Fanservice“ auf eine ganz neue Stufe stellt. Wenn Senjougahara in der zweiten Folge duscht und dann in Unterwäsche sich mit Araragi unterhält, dann wirkt das nicht wie simpler Fanservice, sondern eher so wie sie es in der Szene meint: Sie will Araragi mit ihrem Sex Appeal verführen (bzw. ärgern) und so kommt es auch eher beim Zuschauer an. Es wirkte auf mich eher erwachsen als das, was normalerweise Nackheit in einem Anime versucht wird zu erreichen. Die Szenen mit Nadeko wirken auch weniger als simples Zeigen von Haut, sondern man soll wie Araragi auf diese Szene reagieren. Es ist vielleicht etwas schwer zu erklären, aber die Serie versucht einem wirklich eher das Gefühl zu geben, als stecke man in der Haut von Araragi, der mit den vielen hübschen Mädels in seiner Umgebung auch irgendwie anders umgeht als andere männliche Charaktere in einer ähnlichen Position. Auch die weibliche Welt wird hier meistens nicht einfach rot an den Wangen bei Szenen, die in anderen Serien eine Tracht Prügel produzieren würden, sondern reagiert auch mal mit Zynismus.

Bei einigen Szenen kann man sich natürlich darüber streiten, ob es wirklich die beste Idee ist, dass sogar eine Grundschülerin „begrapscht“ wird und die Serie daraus etwas Humor zieht, aber irgendwie wird das alles durch die Reaktionen von Araragi gleich wieder relativiert, wobei die Serie eigentlich nie wirklich explizit wird. Wobei einige Nadeko-Szenen schon grenzwertig sind, aber im Dienste der Handlung gesehen werden können – und alleine Kanbaru’s und Araragi’s Reaktion auf die eine Badeanzug-Szene sind einfach nur genial umgesetzt.

Ich war damals ziemlich überrascht, als ich erfuhr, dass Satoru Kousaki hier auch den Soundtrack beigesteuert hat, den er war auch der Komponist beim Haruhi-Anime. Eine große Ähnlichkeit, die ich festgestellt habe, ist, dass die Stücke auch hier recht unterschiedlich von den Musikstilen sind, aber wieder tolle Melodien dabei sind, die man auch auf CD noch gut hören kann. Damals waren die meisten Stücke bei den Blu-rays als Audio-CD dabei, aber für den Rest werde ich mir wohl auch noch mal den Soundtrack gönnen, der vor kurzem erschienen ist. Bei den Blu-rays waren dann übrigens auch die 5 Openings dabei, die jeweils von den Seiyuus des jeweiligen Hauptcharakters des Arcs eingesungen wurden. Hier überrascht auch einmal wieder, wie konstant hoch die Qualität der Titel ist, auch wenn der Stil sehr unterschiedlich ist. Die Texte passen sogar gut zur Handlung und besonders toll sind Senjougahara’s „staple stable“ und Hanekawa’s „sugar sweet nightmare“. Vor allem ersteres ist eins meiner liebsten Anime OPs, Das großartige Ending „Kimi no Shiranai Monogatari“ war wohl das Stück, das supercell zum Durchbruch als Anime OP/ED-Lieferanten verhalf – auch eins der besten Endings, die ich kenne. Wie bei SHAFT üblich, hat man sich auch wieder viel Mühe gegeben, jeder Opening-Animation einen eigenen Stil zugeben und beim letzten Arc gibt es sogar eine Variante mit realen Sequenzen.

Die Seiyuus können bei den vielen und toll geschriebenen Dialogen natürlich auch glänzen und man hat wirklich einen tollen Cast zusammengestellt. Hiroshi Kamiya darf als erfahrener „Male-Lead“ von SHAFT (Itoshiki Nozomu in Sayonara Zetsubō Sensei) hier als Araragi die Hauptrolle tragen und macht einen hervorragenden Job. Chiwa Saito (Carol in Baccano!, Anya in Negima) als Senjougahara darf sogar einen tollen Seiyuu-witz im letzten Arc machen und verleiht Senjougahara wirklich das gewisse Etwas, dass sie sogar bei den fiesesten Sprüchen immer noch irgendwie charmant rüber kommt^^. Für mich ihre beste Rolle bislang! Emiri Katou (Kyubey in Puella Magi Madoka Magica, Kagami in Lucky Star) schafft es Hachikuji auch viel Leben einzuhauchen und liefert auch eine tolle Leistung ab – ihr Opening ist irgendwie nervig, aber trotzdem ein Ohrwurm. Kana Hanazawa (Kuroneko aus OreImo, Nessa aus Fractale) war zu dem Zeitpunkt noch nicht so bekannt und oft vertreten in Anime-Serien wie heutzutage, zeigt aber mit ihrer schönen, zarten Stimme schon ihr Können und haucht Nadeko eine gewisse leicht traurige Niedlichkeit ein. Miyuki Sawashiro (Canaan aus CANAAN, Shinku aus Rozen Maiden) passt mit Ihrer Stimme auch perfekt zur recht „männlichen“ Kanbaru. Als letzter Charakter mit eigenem Arc darf die Veteranin Yui Hori (Eri aus School Rumble, Minori aus Toradora!, Narusegawa aus Love Hina) Hanekawa ihre Stimme leihen und klingt vor allem als Black Hanekawa angenehm anders als sonst und liefert auch eine einprägsame Leistung ab. Vor allem der Zungenbrecher voller ~nyan~ ist so niedlich! Als eine der Schwestern von Araragi hat es mich auch gefreut, Eri Kitamura (Ami aus Toradora!, Yui aus Angel Beats!) zu hören.

Und weiterer Aspekt, der einige verschreckt hat, ist natürlich die weibliche Hauptfigur Senjougahara, die eine unglaubliche Sadistin (hauptsächlich) in verbaler Form ist. Sie beschreibt sich selbst als Tsundere und wirft Araragi extrem fiese Sachen an den Kopf und macht sich gekonnt über ihn lustig. Der romantische Aspekt der Serie wird dadurch für einige schwer nachvollziehbar, aber genau hier zeigt sie dann auch richtige Tsundere-Qualitäten, denn wenn sie was nettes sagt, kommt es extrem ehrlich und einfach nur bewegend rüber. Alleine die Szene in Folge 12 ist einfach wunderschön und einfach nur romantisch (find ich zumindest!)! Zudem zeichnet sie aus, dass zumindest bislang sehr viel Verständnis für Araragi’s Hang hat, allen zu helfen, manch andere Person könnte da auch sehr eifersüchtig werden – aber irgendwie kommt ein überzeugendes Vertrauen rüber. Hier kommen wir dann auch zu einer weiteren Stärke der Serie, denn zwar sie stark arc-basierend, aber die anderen Charaktere werden hervorragend wieder eingebaut und man kann einen generellen Handlungsbogen erkennen. Man merkt nun mal, dass es sich um eine Light Novel als Vorlage handelt und nicht um eine Visual Novel.^^

Auch Bakemonogatari gehört zu den Serien, die die Fans spalten, aber war in Japan doch ein Überraschungshit sondergleichen. Wenn ich mich recht erinnere, war es die meistverkaufte Serie des Jahres und immer noch eine der erfolgreichsten Serien aller Zeiten. Vielleicht half es einfach mal, dass hier etwas anderes versucht wurde und wie niveauvoll das ganze nun tatsächlich geworden ist, dass muss jeder selbst für sich entscheiden. Für mich persönlich zumindest steckt in den Dialogen viel Wahrheit und eine interessante Sicht auf zwischenmenschliche Beziehungen. Wie sehr einen das natürlich selbst anspricht, hängt von jedem selbst ab. Ich denke aber richtig gute Anime-Serien können nicht jedem gefallen, denn um heutzutage aufzufallen, muss man etwas anders machen und dann kann man nicht mehr jedem gefallen. Wenn man sich z.B. K-ON! anschaut, was zur selben Zeit auch Erfolge feiert, dann findet man auch viele Hasser und viele Fans, aber wohl aus ganz anderen Gründen. Wenn man SHAFT nicht mag, wird man diese Serie auch nicht mögen, da sie alle Extreme von SHAFT enthält. Wenn man aber den Stil des Studios mag, kriegt man dank der passenden Vorlage hier etwas ganz besonders geboten.

Ich würde nicht davon ausgehen, dass die Serie jemals in Deutschland erscheinen wird. Der Erfolg hat wohl sogar die Lizenzierung in den USA verhindert, da das Interesse von manch einem Publisher bestimmt da war, aber die Serie immer noch zu bizarr ist, um die vermutlich hohen Lizenzgebühren zu riskieren. Ich glaube auch nicht, dass die Serie außerhalb Japans so erfolgreich werden könnte, da sie doch recht genau auf den fortgeschrittenen Otaku-Geschmack zugeschnitten ist und einfach zu viele Dialoge und zu wenig wirklichen Fanservice oder Gewalt bietet. Zwar kann man ähnliches auch über Garden of Sinners sagen, aber irgendwie ist die Inszenierung eines Bakemonogatari einfach viel ungewöhnlicher. Ich denke aber, dass zumindest die USA in den Genuss der Serie kommen wird, da Crunchyroll den Nachfolger Nisemonogatari von Aniplex of America für Simulcasts lizenziert hat. Spätestens wenn der Simulcast erfolgreich sein sollte, wird wohl Aniplex notfalls selbst Bakemonogatari irgendwie vertreiben. Irgendwas wird man bestimmt in den nächsten Monaten darüber hören.

Wer übrigens mehr vom Autoren der Light Novels, NisiOisin, gucken oder lesen möchte, dem kann ich Katanagatari ans Herz legen (die Anime-Adaption geht mit der Dialogmenge anders um, aber ich fand die Umsetzung auch sehr gelungen). Zudem erscheint im April mit Medaka Box ein GAINAX-Anime zu einem Manga, zu dem er die Handlung geliefert hat. Die ersten beiden Bände seiner ersten Light Novel Reihe Zerogoto liegen sogar auf Englisch vor und ich kann jedem Fan von seinen Werken den Kauf nur empfehlen, da die Dialoge dort auch super sind und es schön wäre, wenn der Rest der Reihe auch mal erscheinen könnte… (Band 1, 2)

Ich könnte noch lange über die Serie schwärmen und auch unzählige meiner Lieblingsszenen aufzählen, aber ich glaube, man merkt, dass ich die Serie sehr mag, und für mich war es eine der besten Serien der letzten 5 Jahre. Mal sehen, wie sich Nisemonogatari schlagen wird *_*.

Fanartquelle