Eigentlich hatte ich die Serie nicht auf dem Schirm, aber Johannes zeigte mir die Episode 0 und mein Interesse stieg plötzlich sehr…(kleine Spoiler sind drin)

Wir die meisten Anime heutzutage basiert Haganai (der kurze Titel ist doch weitaus leichter zu schreiben) auf einer noch laufenden Light Novel-Reihe, also gibt’s natürlich noch kein richtiges Ende im Anime, aber sowas ist man ja heutzutage gewohnt. Animiert wurde die Serie von AIC Build, weswegen die Optik doch stark an OreImo erinnert, wobei das Charakterdesign der Light Novel von Buriki beigesteuert wurde, der diesen Job auch bei Denpa Onna to Seishun Otoko übernommen hatte.

Handlungstechnisch gewinnt die Serie keinen Blumentopf: Ein Junge (Kodaka), der von einer anderen Schule kommt und gefährlicher aussieht, als er es tatsächlich ist, trifft ein ungewöhnliches Mädchen und beide gründen einen Club, um Freunde zu finden. Besagtes Mädel namens Yozora ist recht aggressiv und hat ein fieses Mundwerk (wunderbar gesprochen von Marina Inoue [Yoko aus Gurren Lagann, Chiri aus Sayonara Zetsubou Sensei]). Lange dunkle Haare, Thigh Highs (die oft gezeigt werden), schlank und durchschnittlich für Animeverhältnisse gebaut und starke Tsundere-Tendenzen, kreativ ist das nicht, aber immerhin liefern die Schleifen in den Haaren und die stark ausgeprägten „Wangen“ des Charakterdesign doch einigen Wiedererkennungswert. Das nächste Mitglied des Clubs ist dann natürlich das beliebteste Mädchen der Schule (keine Ahnung, ob das je so gesagt wurde, aber den Eindruck hatte ich) und mit einer rekordverdächtigen Oberweite (im Vergleich zur restlichen Damenwelt in der Serie, gegen Sekirei und Random-ARMS-Anime B mag die Sache da vielleicht anders aussehen) und blonden langen Haaren samt einer gewissen Arroganz erinnert Sena etwas an ein oberflächliches Blondchen, welches auch bei jeder Gelegenheit dann von Yozora beleidigt und durch den Kakao gezogen wird. Eigentlich müsste Sena kein Problem haben, Anschluss irgendwo zu finden, aber in so einer Animewelt wird halt vorgeschoben, dass sie mit der oberflächlichen Bewunderung der Allgemeinheit nichts anfangen kann und lieber richtige Freunde finden möchte. Wenig später verwandelt sie sich dann auch gleich in einen Game-Otaku und versucht mittels Visual Novels bzw. Dating-Sims menschliche Beziehungen besser zu verstehen, mit sehr witzigen Ergebnissen, wie ich fand. 2 Mädels sind noch kein Harem, also kommt noch ein „Trap“-Charakter dazu (Yukimura ), eine Loli-Nonne/Lehrerin (Maria) und ein weibliches Genie (Rika), dass in allem BL entdecken kann und die sehr eindeutige sexuelle Avancen macht. Ein Element fehlt natürlich noch: die kleine Schwester. Kobato ist total versessen auf ihren Bruder und hat sich zu sehr mit einem Anime-Charakter identifiziert…

Sobald der Cast versammelt ist, gibt’s nun die klassischen Strand-,Karaoke- und Schwimmbadbesuche, wobei die Serie diese Parade der Klischees selbst gut erklärt, denn sie wollen ja alle normale „Dinge“ tun, um besser in der „Gesellschaft“ zurecht zu kommen.

Klingt abgedreht? Ist es auch…wobei man sagen muss, dass der Serie das zu 100% der Zeit bewusst ist – sonst wären die vielen Klischees auch nicht aushalten. Als männlicher Protagonist spielt Kodaka auch eher den „Straight Man“, der sich durch die vielen Verrückten um ihn herum eher selten aus der Ruhe bringen lässt. Es ist auch nicht so, dass er die Zuneigung der Mädels nicht wahr nimmt, er geht nur einfach z.B. bei Rika gar nicht darauf ein und Maria und seine kleine Schwester behandelt er klar als kleine „Geschwister“ bzw. ihrem Alter entsprechend. Recht klar ist bis zur letzten Folge, dass nur Sena und Yozora von ihm überhaupt in romantischer Sicht in Frage kommen würden, so dass der Haremaspekt für mich eher zur zur Belustigung gedacht ist, bei mir eigentlich kein Augenrollen hervorrief, wie sonst so oft in diesem Genre.

Das Highlight der Serie sind dann für mich auch die Auseinandersetzungen zwischen Sena und Yozora, denn letztere mobbt Sena wirklich ohne Ende und macht sich extrem über die Oberweite lustig (die der Anime auch recht fanservicelastig ins Bild rückt). Das klingt ziemlich fies, aber da Sena recht arrogant ist, scheint es mir so, als kommen sich die beiden Mädels freundschaftlich gesehen über den Verlauf der Serie tatsächlich näher, auch wenn sie das nicht unbedingt dem Gegenüber zugeben würden. Natürlich spielt bei Yozora’s Verhalten klar Eifersucht eine Rolle, da Sena (welche auch leichte Tsundere-Qualitäten hat) einfach besser mit Kodoka zurecht kommt.Besonders gut gefielen mir die Visual Novel Szenen (Sena’s und Yozora’s Reaktion auf die nette Mädchen in dem Spiel waren einfach genial!) und der Austausch der Handynummern. Hier konnte man auch richtig kreative Szenen erleben, die ich in dieser Form noch nicht woanders gesehen habe. In der zweiten Hälfte der Serie gehen etwas die Ideen aus, aber gegen Ende hin steigerte es sich wieder und die letzte Folge fand ich sehr gut – offen, aber man kann eine klare Entwicklung ausmachen. Vor allem sind die Seiyuus wieder sehr motiviert bei der Sache und vor allem Kana Hanazawa als Kobato zeigt, dass sie eine der besten Sprecherinnen im Moment ist.

Optisch bin ich ganz zufrieden, es erinnert stark an OreImo, aber da mir die Serie auch gut gefiel, ist das ja nix schlechtes. OP und ED sind typischer JPOP/Animekram, aber irgendwie gefielen mir so gut, dass ich sie mir sogar gekauft habe.

Mit den gepfefferten Dialogen steigt oder fällt das Interesse dann wohl auch bei den meisten Zuschauern, denn Yozora’s sadistische Tendenzen haben teilweise schon fast Senjougahara-Qualitäten (aus Bakemonogatari). Wer auf gute Dialoge mit jeder Menge Boshaftigkeit steht, dem sollte das hier gefallen. Einige Szenen sind verbal gesehen auch wirklich extrem weit unter der Gürtellinie und ziehen dann vor allem Yaoi-Fangirls gehörig durch den Kakao. Teilweise war ich aber auch überrascht, dass die Serie die Grundidee eines Clubs aus Außenseitern, die lernen wollen, wie man Anschluss findet, nicht zu vergessen scheint. Teilweise kommen dann Komplexe zur Sprache, die gar nicht mal so weit entfernt von der Realität sind. Wenn man nun bedenkt, dass die Otaku-Zielgruppe vielleicht einiges sogar selbst so persönlich nachempfinden kann, ist diese Serie eigentlich sehr interessant von ihrer Idee her.

Vielen wird die Serie aber wohl wegen der Dialoge teilweise zu krass sein, denn in wie vielen anderen Bishoujo-Serien kotzen die Mädels oder man sieht sie mit starken Augenringen? Für mich ist Haganai ein klarer Vertreter eines „Anime 2.0“, der am meisten Spass macht, wenn man die gängigen Klischees kennt und sie einem schon fast zum Hals raus hängen. Ohne wirklich zu einer reinen Parodie zu werden, bietet die Handlung und die Charaktere aber noch genug Futter, um wohl noch mal 12 Folgen an Unterhaltung zu bieten, denn etwas Charakterentwicklung lässt sich doch beobachten. Sena und Yozora und auf jeden Fall auch wieder mal weibliche Charaktere, die man nicht so schnell vergisst und da der männliche Hauptcharakter auch sympathisch ist, kann ich nur hoffen, dass noch mehr von der Light Novel animiert wird.

Seltsamerweise fand ich hier den Fanservice noch nicht mal so nervig wie in anderen Serien, was vielleicht auch daran lag, dass sie sich ja selbst darüber lustig gemacht haben. Zudem wurde mir Sena als Oppai-Charakter sogar von Folge zu Folge immer sympathischer, was mich sogar selbst sehr überrascht hat. Richtig explizit werden aber wohl auch die Blu-rays nicht werden (ein paar Szenen sahen leicht zensiert aus, vielleicht soll es aber auch so sein), aber da ich diese ja sogar bestellt habe, werde ich das ja sogar mit eigenen Augen sehen (EDIT: Doch einiges wurde dann doch etwas expliziter, aber nicht in jeder Folge ^^;). Mir hat die Serie einfach jede Menge Spaß gemacht, weswegen meine Bewertung doch ziemlich positiv ist. Ist es ein Meisterwerk? Bestimmt nicht, aber wenn ich mich jede Woche auf die neue Folge freue, dann ist das für mich ein gutes Zeichen. Und die Serie brachte mich auch oft zum Lachen, was auch bei Anime-Comedies nicht gerade regelmäßig bei mir passiert^^.