Da ich ja Static-Subs untreu geworden bin, da sie sich noch bei Folge 9 rumhängen, habe ich mir gesagt, ich könnte die letzte Folge von Angel Beats! auch gleich mal genießen, sobald sie auf meiner Festplatte landet. Und da Mazui ja wieder ziemlich schnell war, kann ich nun mal meine frischen Eindrücke zu einer wirklich aktuellen Folge schildern. Achtung Spoiler!

Zunächst, eigentlich würde ich die Serie gerne gleich mal gucken, da mir einige Punkte noch nicht ganz klar sind, aber für eine Meinung genügt das schon. Das gleichzeitige Konsumieren von rund 12 Serien überfordert mich wohl langsam etwas^^;. Da aber vorgestern die erste Blu-ray bei mir einschlug, werde ich mich dann immer monatlich mit 2 Folgen begnügen müssen.

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Die Handlung der letzten Folge wiederzugeben überlasse ich anderen, also begnüge ich mich mit meinen Eindrücken. Da ich bei der Serie eigentlich die Handlung als relativ überraschend bezeichnen würde, würde ich zumindest nicht sagen, dass ich so ein Ende geahnt hatte. Der Atmosphäre der letzten Folge konnte man deutlich ansehen, dass den Charakteren eine große Last von den Schultern gefallen ist und vor allem Yuri und Kanade verhielten sich weitaus weniger extrem als zuvor – sie folgen nicht mehr ihrem Stereotyp. Wobei ich bei Kanade über ihr plötzlich sehr aufgewecktes Wesen etwas erstaunt war, und Yuri’s Verhalten besser nachvollziehen konnte.

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Hinata und Ayato verhielten sich eher wie immer und durften für etwas Humor sorgen, der in dieser letzten Folge eher in den Hintergrund rückte und Yuzuru…überraschte gegen Ende dann doch mit einem Vorschlag, den ich von ihm nicht erwartet hatte. Sein Liebesgeständnis Kanade gegenüber und der Wunsch mit ihr in der Welt zu bleiben, war doch mal relativ „egoistisch“ von ihm, zumindest kam es so rüber. Aber im Prinzip auch nachzuvollziehen, denn z.B. bei Yuri fand ich es recht seltsam, dass sie nun gar kein bisschen Eifersucht mehr zeigt in Hinsicht auf Kanade. Mir kam es schon so vor, dass sie doch ein paar Gefühle für Yuzuru zwischendurch gezeigt hatte, und diese kleine Dreiecksbeziehung angedeutet wurde.

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Überhaupt scheint die Serie sehr gerne im Moment noch sehr viele Handlungsstränge offen zu lassen. Das möchte ich dem Anime gar nicht mal so ankreiden, da das Projekt nun mal aus verschiedenen Produkten besteht und man im Ausland nur halt leicht an den Anime rankommt und z.B. die Kurzgeschichten auch Hintergründe liefern. Die Drama-CD, die der 1. BD beiliegt, scheint sich auch etwas mehr den anderen Charakteren zu widmen, also kriegt man als japanischer Zuschauer zumindest wohl mehr Puzzleteile.

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Bei der Serie kann man allerdings kritisieren, dass die Komposition der Handlung etwas hakt. Vor allem in der 6. Episode fand ich den 1. Teil mit Kanade in der Zelle sehr gelungen und er trieb die Charakterentwicklung ordentlich voran. Dann folgte leider der Teil mit Ayato (dem Vize-Schulsprecher) und das funktionierte einfach überhaupt nicht meiner Meinung nach. Zuerst wird der Junge als neuer Bösewicht eingebaut, der dann für ein „Massaker“ sorgt, man erfährt fix seinen Hintergrund und er wird „geheilt“ und die letzten Punkte wurden in 10 Minuten abgehandelt. Das passte alles irgendwie nicht. Auch an anderen Stellen merkt man, dass Jun Maeda noch nicht allzu viel Erfahrung hat bei der Konzeption einer TV-Serie und es wirkt alles nicht so gut ausgearbeitet wie z.B. in der Adaption seines vorherigen Werkes Clannad. Allerdings funktioniert es im großen und ganzen immer noch besser als in Air, wo ich auch die Handlung nicht als sonderlich schlüssig erzählt empfand.

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Vielleicht hätte es geholfen, wenn die Serie 1-2 Folgen mehr erhalten hätte, damit man einfach mehr für eine gemütlichere Erzählweise gehabt hätte. Einige Szenen wären bestimmt emotionaler gewesen, wenn man nicht gerade noch am Verstehen des Gesehenen arbeitet^^;. Auch optisch schwankt die Serie teilweise etwas. Die Charaktere sind teilweise fantastisch detailliert gezeichnet, aber an anderen Stellen sehen sie etwas weniger gut im Hintergrund aus. Immerhin merkt man bei den Action- und Konzertszenen der Serie das wahrscheinlich relativ hohe Budget an und diese gehören dann auch zum besten, was die TV Animation bislang so bieten konnte. Die Hintergründe sind nicht so atmosphärisch wie KyoAni-Serien, aber trotzdem durchgehend überdurchschnittlich. Computeranimation werden ja ganz gerne mal für Spezialeffekte eingesetzt und einige Charaktere aus dem Hintergrund wurden  offensichtlich mit CG erstellt, wobei das fast durchgehend ganz gut gelungen ist. Teilweise sogar besser als in Evangelion 2.22, welcher doch ein höheres Budget haben sollte. Der Soundtrack gefällt mir bis auf wenige Stücke sehr gut und bietet einige  emotional sehr bewegende Kompositionen. Für mich einer der schönsten Animesoundtracks der letzten Zeit.

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Nun habe ich ja auch etwas kritisiert, aber das Positive überwiegt für mich bei weitem, denn ich mag Maeda’s Stil, nicht nur Bishojo-Serien zu schaffen, die einen simplen männlichen Charakter in einen Harem an weiblichen Stereotypen packen. Viel mehr kriegt Yuzuru mit Hinata auch einen Kumpel spendiert und auch viele der Nebencharaktere wie Matsushita, TK, Fujimaki und Ooyama haben jede Menge witzige Szenen erhalten. Beim weiblichen Geschlecht habe ich jede Szene mit Shiina genossen und Yui ist mir mit jeder Folge mehr ans Herz gewachsen. Die Yui-Folge mit ihrer „Erlösung“ fand ich auch sehr bewegend und ich verstand auch ihr Verhalten zuvor besser. Zwar etwas schnulzig, aber das ich auch mal ganz schön *schmacht*.

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Man sollte bei einer Serie wie Angel Beats! nie vergessen, dass es ein „typischer“ Anime ist, d.h. „Over-the-Top“-Charaktere werden in konstruierte Situationen geworfen und Maeda liebt es zudem, den Zuschauer mit seinen Charakteren mitfühlen zu lassen. Er erreicht das dann auch mit etwas übertriebenen Hintergrundgeschichten, auf die man sich etwas einlassen muss, damit sie ihre Wirkung entfalten können, und gezielt eingesetzter Musik. Für eine 13-Folgen-Serie mit einer Fülle an Charakteren, Humor und einer relativ kreativen Grundidee funktioniert das ganze eigentlich noch sehr gut. Ich bin auch mit dem Ende zufrieden, ich würde nur gerne die Gesetze dieser Welt besser verstehen können. Ich muss nicht alles über jeden Charakter erfahren, denn es geht weniger um die Charaktere in der Serie, sondern eher um die Verarbeitung der Vergangenheit im allgemeinen und der Punkt kommt definitiv rüber.

Der Slapstick vergrault sicherlich einige Leute, aber er bietet für mich einen wunderbaren Kontrast zu dem an sich doch sehr deprimierenden Hintergrund der Geschichte.

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Auch wenn alles immer sehr konstruiert erscheint, spürt man aber doch, dass die Serie mit sehr viel Herz erstellt wurde und es mehr ist als simple Geldmacherei – zumindest möchte Maeda seine Zuschauer rühren und emotionale Wärme kommt in den vielen Szenen rüber. Klar, das kommt nicht bei jedem an und sie besitzt genug Angriffspunkte zum Kritisieren, aber mir hat sie nichtsdestotrotz sehr viel Spass gemacht und viele Szenen werde ich nicht so schnell vergessen.

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Hey, und ein Anime, der die Wichtigkeit von Organspenden deutlich zeigt, ist schon mal deutlich wertvoller von der Aussage her als House of Five Leaves und Tatami Galaxy zusammen^^;.

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