Ja, ich geb’s zu. 2 Webseiten zu pflegen überfordert mich immer noch ein bisschen, aber immerhin sind meine geistigen Schöpfungen und Fähigkeiten als Blu-ray-Paparazzi ja nicht allzuweit weg von hier zu bestaunen oder auch mit Kopfschütteln zu werten. Ich bin aber in dieser Season sehr fleißig und neben dem diesmaligen Kandidaten, welcher wieder eher der leichteren Unterhaltung angehört, werde ich auch noch mehr oder weniger fundierte Meinungen zu 3 anderen Serien dieser Season von mir geben, die zumindest versuchen sich etwas mehr von den bisher behandelten Serien abzuheben. Aber nun kommt erstmal meine Meinung zum Hype-Anime der Season, wobei sich diese definitiv an Kenner der Serie richtet, da ich keinerlei Rücksicht auf Spoiler nehme:

Angel Beats! 1-5

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Wie ich schon einige Male in verschiedenen Kommentaren bemerkt habe, sehe ich ich Angel Beats! etwas anders als einige andere Blogs, denn mir gefällt’s einfach!

Aber fange ich mal von vorne an: Da setzen sich ein paar Japaner hin und wollen einen Anime schaffen mit dem man ordentlich Kohle scheffeln kann, ok, das passiert wohl öfters, aber hier überlegt man sich nun, den Schöpfer (Jun Maeda) der Light Novels Clannad, Air und Little Busters! das Drehbuch verfassen zu lassen, und als Charakterdesigner noch Na-Ga zu engagieren, der auch von Key stammt. Als Animationsstudio wurde P.A.Works gewählt, die bei True Tears gezeigt haben, dass sie einen technisch sehr gelungenen Anime produzieren können, obwohl sie noch nicht viel Erfahrung haben. Um ganze interessanter zu machen und auch Maeda’s Fähigkeiten als Komponisten zu nutzen, wurde wohl auch früh entschieden, Musikeinlagen mit einer High-School-Band einzuführen. Ich vermute mal, da spielte eine Rolle, dass das Konzert aus Haruhi und letztes Jahr K-ON! gezeigt haben, das so etwas ziemlich erfolgreich sein kann. Da die Story wohl etwas zu „komplex“ war für eine 13 Folgen Serie, wurden auch noch Kurzgeschichten verfasst und ein Manga gepinselt, der natürlich die Erwartungshaltung nach oben treiben soll.

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Was natürlich auch funktionierte, denn jeder erwartete nun ein Meisterwerk sondergleichen oder verteufelte das Werk zuvor schon, ohne überhaupt eine Folge gesehen zu haben. Wie immer kann kein gehypter Anime dem ganzen gerecht werden, denn wir reden hier immer noch von einer TV Serie, die von einem normalen Animationsstudio animiert wird und vielleicht ein relativ hohes Budget besitzt, aber trotzdem keine Wunder vollbringen kann. Wenn ich mir die Erfolge der letzten Jahre anschaue, waren die meisten erfolgreichen Serien Überraschungshits, man hat nicht viel erwartet und wurde positiv überrascht, denn jeder mag es lieber, wenn der das unbekannte erfolgreich wird. Um Haruhi z.B. wurde 2006 gar nicht mal viel Terz gemacht und das Interesse stieg erst nach der Folge 00 sehr stark und plötzlich war die Internetgemeinde begeistert. Bei der „2. Staffel“ dagegen erwartete man nun die gleiche Überraschung und stellt fest, das ist ja gar nicht so überraschend wie damals, und Enttäuschung machte sich breit (gleich nach BLR). Das lag wohl auch an der Vorlage, da man sich für 2006er-Folgen wohl die besten Geschichten rausgesucht hat und erst bei Disappearance sind die Leute wieder begeistert, da die Erwartungen wieder vorsichtiger waren.

Bakemonogatari ist ein anderes Beispiel, die Serie erschien letztes Jahr auf der Bildfläche und SHAFT hat zwar eine Fanbase, aber für Hype hat das nie gereicht, was auch daran liegt, dass sie viele eher durchschnittliche Serien produziert haben. Bakemonogatari ist nun anders, sieht etwas künstlerisch aus und bedient sich perfekt den Klischees der Branche und schlägt ein, womit aber niemand rechnen konnte, und wir haben einen sehr erfolgreichen Anime, der aber auch jede Menge Macken hat. Da er aber eine Überraschung war, ist man etwas netter.

Ein weiteres Beispiel ist für mich Gurren Lagann: Dort waren die Erwartungen groß, die meisten aber nach der ersten Folge enttäuscht, dass es kein Evangelion war. Die Serie musste hart kämpfen, damit ihre eigenen Qualitäten erkannt werden, was am Ende ja auch gelang, aber viel Kritik war damals auch einfach unangebracht.

Ich ging an Angel Beats! wie folgt dran: Maeda hat Clannad „erschaffen“ und dort mochte ich vor allem die Charaktere, die emotionale Tiefe und den abgedrehten Humor. Und genau das gelingt Angel Beats! ganz gut umzusetzen, denn trotz der nicht allzu langen Laufzeit von 13 Folgen, bewegt sich die Story sehr gut strukturiert von Folge zu Folge.

Die erste Folge soll den Grundstein für die Welt legen und möglichst viele Eindrücke zu den verschiedenen Charakteren und Fraktionen bilden. Die Welt ist dabei relativ fremd und die Regeln sind ungewohnt, aber trotzdem ist man nach der ersten Folge eigentlich nicht verwirrt. Man kriegt auch schon das Gefühl, dass die Geschichte düsterer sein könnte, als der Humor es erscheinen lässt und dass das Verhalten der Widerstandsgruppe vielleicht gar nicht mal so durchdacht sein könnte. Da man die Zuschauer aber auch „überwältigen“ muss, wurden „Money Shots“ in Form des Konzertes eingebaut, das visuell atemberaubend aussieht und die Messlatte animationstechnisch relativ hoch legt. Die Musik gefiel mir auch sehr gut und alles machte auf mich einen sehr professionellen Eindruck. Auch der Humor ist ähnlich überdreht wie in den anderen Werken von Maeda und soll auch einfach für etwas Abwechslung sorgen, zu der doch sehr düsteren Grundidee der Handlung. Der Humor ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber er passt sehr gut zu der Atmosphäre, die aufgebaut wird.

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Während man die erste Folge den Zuschauer alles aus der Sicht von Otonashi sehen lässt und es eine typische Einführungsfolge ist, wird uns in der zweiten Folge die Protagonistin, nämlich Haruhi-Look-A-Like Yurippe näher gebracht und man darf ihre Führungsqualitäten kennenlernen. Dabei wird das Team sehr stark dezimiert, wobei man zum einen etwas mehr über die einzelnen Charaktere lernt als auch der Unterhaltungsfaktor nicht zu kurz kommt. Auch die Gesetze der Welt mit der Reproduktion von Gegenständen werden näher beleuchtet. Vor allem erfährt man hier aber etwas über die Vergangenheit von Yurippe und hier kommen wieder die düsteren Seiten hervor, die zwar wie immer arg konstruiert sind, aber das ist für den Genre ja nichts besonderes. Auch wird der Zuschauer noch einmal darauf aufmerksam gemacht, dass Yurippe wohl in Otonashi etwas mehr sieht als einen weiteren Untergebenen.

Folge 3 geht dagegen eher auf das System ein, wie man dieses „Jenseits“ verlässt und man lässt einen der weiblichen Charaktere verschwinden, um auf den „Ernst“ der Lage hinzuweisen. Auch erfährt man mehr über „Tenshi’s“ Charakter und es wird immer deutlicher, dass die Schwarz-Weiß-Malerei der Rebellen nicht unbedingt durchdacht sein könnte.

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Folge 4 fand ich am Anfang schon mal ganz kreativ, da mal als Gesangsprobe erstmal das OP verwendet hat und so die Sängerin und die Animationen ausgetauscht hat. Zudem bietet die Folge sehr viel Slapstick, aber man erfährt auch etwas über die Vergangenheit von Hitagi und die Kumpelfreundschaft zwischen Otonashi und Hitagi wird diesmal eher betont (erinnert mich sehr Tomoya und Sunohara aus Clannad).

Folge 5 kriegt dann endlich seine Überraschung, denn „Tenshi“ kam einen zuvor schon nicht als Antagonistin vor, und die ganze Handlung erschien dadurch sehr spielerisch und wenig ernst, aber nun wird sie demontiert und zwar so, dass man als Zuschauer Mitleid hat. Und plötzlich wird die Bedrohung wirklich ernst.

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Das waren jetzt meine Kurzzusammenfassungen der Folgen mit meiner Sichtweise, was die Folgen wohl u.a. erreichen wollten. Klar man kann der Serie den Slapstick vorwerfen, aber er passt bislang perfekt in diese Welt. Wir haben hier einen Haufen Schüler, die auf tragische Art und Weise scheinbar gestorben sind und alle haben whol noch etwas zu verarbeiten. Das Jenseits ist eine Schule und der Feind ist die Schulsprecherin und die Lehrer. Bekämpft werden diese mit Waffen und Ablenkungsmanävern. Die komplette Weltansicht kriegt man nur aus den Augen von den Rebellen präsentiert, die auch oft überhaupt nicht erwachsen reagieren und sich wohl auch oft einfach irren könnten. Es sind immerhin alles Charaktere im Schüleralter, die mehr oder weniger auf sich alleine in dieser Welt gestellt sind. Die Rebellion an sich wirkt auch wirklich nicht ernst und sehr verspielt. Die ganze Geschichte mit dem Nicht-Sterben-Können verstärkt das alles noch und ich denke, der Slapstick soll das ganze noch verstärken. Es war übrigens bei Clannad nicht anders, denn auch dort gab es viele sehr alberne Szenen, aber ein paar Minuten später konnte es sehr emotional werden. Es ist also ein typisches Stilmittel von Jun Maeda, auch wenn halt nicht jeder sowas mag.

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Die Handlung an sich finde ich auch ziemlich kreativ und ich weiß im Moment nicht, wie das ganze weiter gehen soll. Und das ist ist schon mal eine Leistung der Serie, denn sie folgt zwar einigen bekannten Pfaden, aber es lässt sich nicht alles voraussagen. Wenn ich das mit 90% der anderen Serien, die gerade so laufen, vergleiche, kriegt man hier doch mal ein paar neue Ideen geliefert.

Vor allem in Folge 5 kann man sehr viel rein interpretieren, denn was die SSS da macht ist definitiv Mobbing und nur weil die Mehrheit das Verhalten rechtfertigt, ist es noch lange nicht richtig. Der ganze Humor und das alberne Drumherum verschleiert das ganze nur recht geschickt.

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Technisch gesehen ist die Serie überdurchschittlich gut animiert mit ein paar Aussetzern, die es aber in jeder Serie gibt. Die Konzertsequenzen sehen sogar wirklich toll aus und hören sich auch gut bis genial an. Das Charakterdesign mag bestimmt nicht jeder, ich finde es hebt sich aber teilweise durch den Zeichenstil angenehm vom Einerlei ab und die Charaktere bleiben hängen – auch der männliche Cast hat einen hohen Wiedererkennungswert. Musikalisch bin ich eigentlich ganz angetan, auch wenn ich die Wahl der Hintergrundmusik teilweise etwas ungeschickt fand. Das OP gefällt mir sehr gut und das ED (das sich immer leicht ändert) hat auch etwas.

Das ganze hörte sich jetzt eher wie eine Verteidigung an, aber ich finde, die Serie wird teilweise wirklich zu schlecht behandelt. Im Gegensatz zu einer normalen Serie, muss ein Hype-Anime von der ersten Folge an die Leute begeistern und das tun die wenigsten Animes erfolgreich. Ich finde vor allem, dass man erkennt, dass sich die Macher sehr viel Mühe gegeben haben und das es keine seelenlose Gelddruckserie sein soll. Viele der Charaktere lassen sich nicht in Schubladen stecken, sondern haben schon Tiefe zeigen können, und dabei ist der Cast ziemlich groß.

Die Serie ist für mich ein typischer Fall von Geschmackssache, aber das ist bei vielen Animes der letzten Jahre so. Ich denke, die einzige Serie, die uneingeschränkt jedem empfehlen würde, ist Full Metal Alchemist: Brotherhood, das nur mal am Rande. Allerdings wäre es ja auch komisch gewesen, wenn Angel Beats! plötzlich allen gefällt, da Maedas andere Werke in Animeform auch keine typischen Mainstreamserien waren (Air, Clannad) und hierzulande noch nicht mal erschienen sind.

Ich denke allerdings, und man mag mich nun als Fanboy beschimpfen, dass KyoAni vielleicht bei der Umsetzung der Animationen ein besseres Händchen gehabt hätte…

rin45

Tja, was soll man tun, wenn man sich jede Woche auf eine neue Folge freut und sich gut unterhalten fühlt? Dann bin ich mal gespannt, ob jemand Lust auf’s Diskutieren hat oder es gar noch andere Leute gibt, die die Serie recht gerne mögen^^.