Zwar bin ich immer noch noch recht enttäuscht, dass Universum Anime keine Blu-rays zu Angel Beats! veröffentlicht, aber da es eine KEY-Serie ist und ich mir ja sogar die japanischen Blu-rays + allerlei Merchandise, CDs und Bücher zu dem Franchise importiert habe, möchte ich mich natürlich auch der deutschen Veröffentlichung widmen.

Netterweise stellte Universum Anime mir die DVD als Screener zur Verfügung, allerdings ohne Hülle, so dass ich mich nur um den „Inhalt“ kümmern kann, aber ein offiziellen „Packshot“ kann ich ja mal liefern:

Übrigens bietet ja Universum Anime eine Artbox an, die einem zugeschickt wird, wenn man beiliegende Zettel aus Vol. 1-3 hinschickt. Sehr nette Idee, finde ich.

Der Inhalt

Der Schüler Otonashi wacht mich verlorenem Gedächtnis vor einer Schule auf und trifft dort das Mädchen Yurippe, das gerade mit einem Scharfschützengewehr auf ein anderes Mädchen zielt, welches ihm als der „Engel“ bzw. die Schulsprecherin vorgestellt wird. Zudem erfährt er, dass er tot ist und Yuri und andere Schüler eine Rebellengruppe (die SSS) gegen Gott und den Engel gegründet haben. Die ganzen Erklärungen überfordern Otonashi natürlich und deswegen spricht er selbst die Schulsprecherin an, welche ihm dann auch gleich mit einem Stich ins Herz beweist, dass er tatsächlich tot ist, denn trotz dieser starken Verletzung wacht er unbeschadet im Krankenzimmer auf. Yuri ist natürlich immer noch daran interessiert, dass er beim Widerstand mitmacht und so lernt er nach und nach die anderen Mitglieder kennen. Bei der ersten großen Aktion stellt er aber fest, dass die Durchführung der Pläne und auch die gewünschten Ergebnisse doch etwas seltsam sind, denn um an die Essensmarken der normalen Schüler (NSCs…) zu kommen, wird ein Auftritt einer Schülerband veranstaltet, der für die nötige Ablenkung sorgen soll. Während einige der Aktionen etwas „militärischer“ sind (an Fallen vorbei Waffen für den Kampf besorgen), sind andere Aktionen wieder etwas ungewöhnlicher, wie z.B. bei einem Baseballspiel gut abzuschneiden oder in das Zimmer der Schülersprecherin zu gelangen. Nach und nach stellt Otonashi fest, dass die „Bewohner“ dieser Welt alle ein mehr oder weniger tragisches Leben hatten und die Verarbeitung davon wohl etwas mit dem Verweilen in dieser „Zwischenwelt“ zu tun haben könnte…

Puh, wie man merkt, ist es ganz schön schwierig, die Handlung von Angel Beats! zusammenzufassen, denn sie ist schon ganz schön ungewöhnlich. Zudem wird man schon in der ersten Folge mit rund 10 unterschiedlichen Charakteren konfrontiert, die aber glücklicherweise alle unterschiedlich aussehen und, welch Überraschung für einen Anime dieser Art, sehr viele männliche Vertreter bietet. Trotzdem hat man eigentlich keine Verständnisprobleme, denn es wird in der ersten Folge recht viel Zeit für Erklärungen der Welt verbracht, die aber so unterhaltsam inszeniert sind, dass man das gar nicht so bemerkt. Und natürlich war es auch eine gute Idee, die Folge mit dem Raub der Essensmarken zu beenden, welcher mit dem verbundenen Konzert eine sehr spektakuläre Sequenz bietet, die klar zu den spektakulärsten ersten Folgen der letzten Jahre gehört.

Das Rezept aus Actionszenen, Humor (inklusive Slapstick) und Konzertszenen wird in den nächsten Folgen noch um Drama ergänzt, denn die Hintergründe der Charaktere sind teilweise grausam oder einfach nur bewegend. Diese Rückblenden sind für Anime-Verhältnisse größtenteils auch eher realistisch, wenn auch teilweise etwas konstruiert – aber das meiste ist emotional gut umgesetzt worden. Überhaupt merkt man beim Drama und dem Humor klar die Handschrift von Jun Maeda, der zuvor u.a. die Visual Novels Air und Clannad geschrieben hatte, die zu den bekanntesten Vertretern dieses Genres gehören und auch als Anime sehr erfolgreich umgesetzt wurden (auch wenn davon leider nichts bislang in Deutschland verfügbar ist). Schon dort zeigte er sein Können, bewegende, tragische Geschichten von vornehmlich weiblichen Charakteren zu erzählen und das ganze mit viel Niedlichkeit und Humor aufzulockern, und zudem auch noch sinnvolle romantische Geschichten drumherum zu erzählen. Angel Beats! ist nun sein erstes Werk, was gleich als Anime realisiert wurde und er war sowohl für die Drehbücher als auch für die Lieder der fiktiven Band Girls Dead Monster zuständig, die dann auch oft zu sehen und zu hören ist.

Das Charakterdesign wurde von Na-Ga beigesteuert, der z.B. auch der Visual Novel Little Busters die Aufgabe übernommen hatte. Ihm gelang es den vielen Charakteren so viel Abwechslung zu spendieren, dass man eigentlich keine großen Probleme hat, sie auseinander zu halten. Das Animationsstudio P.A. Works von AB! produzierte davor u.a. True Tears und Canaan und liefert hier eine überzeugende Arbeit ab. Vor allem die Konzertszenen (auch wenn teilweise wohl etwas recycled wurde) sehen toll aus und mit Hilfe des Computers wurden auch die Hintergründe sehr gut mit Leben gefüllt – hier kann sich manch anderes Studio mal eine Scheibe abschneiden. Die Hintergründe sind an sich nicht immer extrem detailliert, wobei das bei dem Haupthandlungsort einer Schule im „Leben nach dem Tod“ auch ganz gut passt. Trotzdem sind sie aber klar überdurchschnittlich. Auch sind die Animationen sehr flüssig, vor allem wenn man bedenkt, wie viele Charaktere oft gleichzeitig zu sehen sind und wie viele sich davon auch aktiv an der Handlung beteiligen. Man nutzt auch gerne mal den Computer um Kamerafahrten umzusetzen und das ganze wurde angenehm unauffällig umgesetzt.

Vor allem die Musikszenen sind für mich ein Highlight der Serie, denn sie Lieder passen gut zu einer Highschool-Band und es sind richtige Ohrwürmer dabei. Hier werden übrigens die Sprecherinnen beim Gesang durch „richtige“ Sängerinnen ersetzt, was der Qualität wohl sehr gut tat, denn Marina und LiSA schaffen es dann später auch bei Live-Konzerten in der „Realität“ zu überzeugen. Zu dem Thema werde ich wohl auch noch eigene Artikel erstellen. Zumindest kann ich klar sagen, dass mir die Musik von Girls Dead Monster z.B. besser gefällt aus die von K-ON!, welche ich natürlich auch gelungen finde, aber bei AB! klingt es etwas „rockiger“.

Das Opening „My Soul, Your Beats!“ wird wie bei anderen KEY-Werken von Lia gesungen, wobei LiSA als Yui diese Aufgabe einmalig in Folge 4 übernehmen darf – und das wurde sogar kreativ direkt in die Handlung integriert. Dem Ending leiht Aoi Tada ihre Stimme (die Sprecherin von „Edward“ aus Cowboy Bebop). Beide Lieder gefallen mir sehr gut und passen auch textlich schön zur Serie (sie wurden ja auch von Jun Maeda geschrieben).

Die ersten 5 Folgen von Angel Beats! gefallen mir sehr gut und sie zeigen schon einmal etwas in welche Richtung die Serie gehen wird, wobei noch die ein oder andere Überraschung auf die Zuschauer wartet. Meine Kritikpunkte kommen dann auch erst bei den nächsten DVDs, aber ich habe ich im Moment (bis Folge 5) tatsächlich nahezu nichts zu meckern.

Da es vor allem beim Humor in den letzten Jahren in Deutschland nicht sonderlich viele Vertreter in Regalen der Händler gab und auch das typische Animedrama hier hier Seltenheitswert besitzt, ist Angel Beats! definitiv eine große Bereicherung für den deutschen Markt. Zwar wird der Slapstick nicht jedem gefallen, aber ich fand’s sehr charmant und die Taktik mit liebenswerten Charakteren einem zum Mitfühlen zu bewegen, nur um dann richtigen Moment mit Drama die Tränendrüsen anzuregen, klappt hier schon recht gut, wobei die späteren Folgen zumindest bei mir da noch erfolgreicher waren. Vor allem gefällt mir an Angel Beats!, dass man auch beim mehrmaligen Anschauen noch sehr viel Spass hat, da es einfach keine Längen gibt und ständig etwas passiert – auch wenn nur mal etwas Slapstick eingestreut wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Serien bleibt einem die Serie aber auch gut im Gedächtnis, da die Charaktere alle interessant sind und man einfach mehr über sie wissen möchte.

Die DVD

Das Menü ist zwar etwas simpel, aber übersichtlich und bietet auch Musik und Animationen. Das japanische Gegenstück auf der Blu-ray war zwar definitiv stylischer, aber das ist ja oft so.

Ich habe mir die 5 Folgen sogar mit deutscher Synchronisation gegönnt und bin mit dem Ergebnis eigentlich größtenteils zufrieden. Otonashi kommt allerdings etwas alberner rüber als in der Originalfassung und da bin ich mal gespannt, wie gut die richtig ernsten Szenen dann wirken, die in den weiteren DVDs dann öfter in den Vordergrund treten werden. Bei Hinata bin ich etwas zwiegespalten, denn in der deutschen Fassung kommt er doch so rüber, als möchte er den Yaio-Fangirls noch mehr Futter bieten. In der japanischen Fassung klingt er etwas „männlicher“. Yurippe gefiel mir und der Charakter ist ganz gut getroffen, wobei die japanische Fassung die Extreme ihres Charakters noch deutlicher zeigt, aber das ist ja meistens so. Bei Tenshi/Engel bin ich noch etwas unentschlossen, denn irgendwie kommt die Niedlichkeit bei Kana Hanazawa doch etwas besser rüber und auch hier bin ich gespannt, wie die deutsche Sprecherin die nächsten Folgen meistert, wo man sie ja deutlich öfter zu hören werden kriegt. Überraschend gut gefallen hat mir die deutsche Stimme von Yui, die gut zum Charakter passt und ähnlich lebhaft rüber kommt wie Eri Kitamura im Original (für einige wohl auch ähnlich nervig^^;). Übrigens wurde TK neu eingesprochen, aber die englischen Zeilen sind geblieben. Durch die ungewöhnliche Stimme in der japanischen Synchronisation, finde ich diese aber in der Hinsicht irgendwie witziger. Die restlichen Sprecher machen ihren Job auch ganz gut, wobei mir einige besser als andere gefallen haben, aber groß gestört hat mich niemand.

Der Lieder wurden natürlich nicht synchronisiert, aber so weit ich das hören konnte, wurden alle Suffixe beibehalten, sogar Yui-nyan ist noch zu hören! Die Übersetzung ist deutlich freier als bei den Untertiteln, aber der Sinn wurde nicht verändert, so weit ich mich an das Original erinnern kann. Die Songs werden übrigens bei der dt. Tonspur nicht als Untertitel eingeblendet und auch wenn viele Ortsangaben (die immer kurz eingeblendet werden) übersetzt wurden, fehlen doch einige. Ob da ein System hintersteckt, kann ich nicht sagen. Die Untertitelspur für die japanische Synchronisation lässt meinem Gefühl nach noch ein paar mehr Schilder weg, übersetzt aber die Lieder (nun auch im OP/ED). Ich habe mir allerdings nur die 4. Folge noch einmal in der Fassung angeschaut und da fiel mir z.B. auch auf, dass aus „Yui-nyan“ mindestens einmal „Yui-san“ wurde, während es der dt. Dub richtig gemacht hatte. Zudem scheinen die Untertitel bei den Previews au die nächste Folge zu fehlen, synchronisiert wurden sie aber korrekt.

Die beiden Stereospuren sind halt Stereo, aber da boten die japanischen Scheiben gerade mal verlustfreie Spuren, während wir uns halt (sagt ffdshow) mit 224 kbps Dolby Digital „begnügen“ müssen (was ja normal bei Anime auf DVD ausserhalb Japans ist).

Das Bild ist natürlich sichtbar weicher als die Blu-rays und als Beispiel poste ich hier mal zumindest einen Vergleichs-Screenshot (links dt. DVD, rechts jap. BD):

Ich vermute aber mal, dass HD-Master verwendet wurden, da das Bild wohl immerhin die Schärfe von PAL ausnutzen kann. Mein Blu-ray-Player konnte auch ganz gut hochskalieren, wobei wie gesagt, die Blu-ray auch aus Entfernung einfach ein klareres Bild bot. Man darf halt nicht vergessen, die Serie wurde mit einer Schärfe für HD-Geräte produziert und einiges geht dann halt in SD verloren. Artefakte sind mir höchstens in ein paar richtig extremen Szenen aufgefallen, wo jeder Codec Probleme kriegt. Übrigens wurde wohl die Abspielgeschwindigkeit erhöht, um keine Zwischenbilder berechnen zu müssen, die japanische Tonspur klingt aber von der Tonhöhe normal. Zudem fiel mir auf, dass nach Folge 2 und 4 ein Copyright-Hinweis angezeigt wurde, den ich genau in dieser Form an der gleichen Stelle auch bei der jap. Blu-rays gesehen habe (wobei dort natürlich immer nur 2 Folgen pro Blu-ray vorlagen).

Wie man sieht, hat es auch etwas Bonusmaterial auf die DVD geschafft. Besonders toll fand ich den (in-Character-)Audiokommentar, der sogar wegen der schnellen Sprechweise von Fansubbern gemieden wurde. Das besondere ist, dass er von Jun Maeda geschreiben wurde und von Yuri, Hinata und Ōyama gesprochen wird. Vor allem Yuri spricht so schnell, dass man gar nicht zum Lachen kommt…aber es ist wirklich sehr witzig gemacht. Neben sehr viel Schwachsinn wird z.B. verraten, wie die SSS an das Büro des Direktors gekommen ist oder Yuri’s Wünsche. Hier zeigen die Seiyuus dann auch hier gesamtes Können und ich kann jedem nur empfehlen, da mal reinzuhören. Diese Charakterkommentare gelangen leider selten auf die lokalisierten Scheiben, haben sich aber zu einem Trend in Japan entwickelt (z.B. Bakemonogatari oder HanaIro bieten auch so etwas). Zwar kriegen wir in Deutschland nur einen Kommentar pro Scheibe, während die jap. Veröffentlichung einen Kommentar pro Folge bot, aber ich finde es trotzdem toll, das Universum Anime zumindest einen Teil bietet.

Die Previews wurden auf der jap. Website damals gezeigt und zeigen statt den fliegenden Texten bei der Folge die animierten Szenen aus der Folge. Seltsamerweise wird hier nur ein dt. Dub angeboten.

Das Textless Opening und Ending erklärt sich wohl vom selbst, wobei ich noch bemerken kann, dass die jap. Fassung auch die verschiedenen Varianten des Endings anbot.

Fazit

Zwar bietet diese DVD auch trotz der fehlenden Blu-ray ein paar kleine Macken, die aber das Sehvergnügen nur leicht schmälern. Vor allem die deutsche Synchronisation hat mich positiv überrascht und die Extras haben es ja z.B. auch nicht auf die US-Blu-ray geschafft, also hier gibt’s zwei definitive Pluspunkte von mir. Ich hoffe, dass die Serie sich gut verkaufen wird, denn vielleicht kriegen wir dann mehr Serien dieser Art und die Publisher bereuen dann vielleicht damals Clannad und Co ignoriert zu haben 😉 . Und wenn die Verkäufe gut sind, steigen natürlich auch die Chancen auf Blu-rays zu dieser Serie oder ähnlichen…

Vielen Dank an Universum Anime für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!