Vor einer Woche beschloss ich, etwas umzustruktieren und ganz sicher bin ich mir nicht, wie das Endergebnis aussehen wird, aber klar ist, dass zumindest die deutschen Reviews zu Anime-Blu-rays einfach hier erscheinen werden. Hier finden sie eh mehr Leser und im Moment macht es mir auch mehr Spass Reviews im Blog-Modus zu schreiben, was sie auch etwas besser lesbar machen könnte….hoffe ich. Zudem erscheinen dann hier auch mal wieder mehr Artikel^^. Und mit was kann man solch eine „Idee“ besser feiern, als mit einem feinen Film?

Fangen wir doch erstmal mit den äußeren Eindrücken an. Wie bei den anderen Blu-rays von Kazé wird nur eine Standardhülle geboten, aber immerhin ist das Cover-Design sehr gelungen:

Die Rückseite ist auch passend gestaltet für den Film und die technischen Infos sind korrekt und vollständig, d.h. meine US-PS3 verweigert ordnungsgemäß den Dienst, wenn sie mit der Code-B-Scheibe gefüttert wird.

Etwas überflüssig ist nur die Info, dass es sich um ein „Code 2 – PAL“ handeln soll, denn das würde ja nur auf DVD zutreffen und eine solche befindet sich ja nicht in der Hülle…wobei manch Trailer in 25p auf der Scheibe sich befindet, was zumindest in Richtung PAL geht.

Ein Booklet oder Werbung befand sich nicht in der Hülle, aber auch gegen das Design auf der Blu-ray selbst kann man wohl nix einwenden.

Wie schon auf der Vorderseite angekündigt, gibt es ein Alternativ-Cover, damit Verächter des FSK-Zeichens auch so eine Variante schmückend in ihrem Regal präsentieren können. Manch einer stört sich dann vielleicht daran, dass genau sein Lieblingscover nicht „flatschenlos“ vorliegt, aber ich begrüße die Abwechslung.^^

Der Inhalt

Ich sah den Film im Sommer 2010 schon einmal mit Kollegen beim Fantasy Filmfest in Hannover und wir kamen sehr begeistert aus dem Kino, wobei man bemerken muss, dass die anderen normalerweise nur selten Anime gucken. Es war damals schon recht ungewöhnlich, dass der Film auf diversen Filmfesten, vor allem in Europa gezeigt wurde, bevor man ihn überhaupt auf den Leinwänden Japans bestaunen konnte. Das Animationsstudio Madhouse hatte wohl schon geahnt, dass ihr Werk eher außerhalb Ihres Heimatlandes Begeisterung finden könnte, denn die Optik sieht schon etwas amerikanischer aus als bei dem typischen Anime und während im Ausland sich einiger Hype entwickeln konnte (die Filmfestzuschauer verbreiteten doch vor allem im englischsprachigen Ausland allerlei Lob über den Film), floppte der Film doch ziemlich an den Kinokassen und auch die Blu-ray verkaufte sich schlechter als viele TV-Serien, wobei man interessanterweise für das Ausland sogar englischsprachige Untertitel auf die Scheibe gepackt hatte. Nun stellt sich natürlich die Frage, ist der Hype im Westen gerecht, und ich würde sagen: größtenteils schon.

Die Handlung ist allerdings eher zweckmässig: Der viel spielt in einem Sci-Fi-Universum, welches mich durch seine skurrilen Außerirdischen und die Rennen mich sehr an Star Wars und sein Podrace erinnerte (für mich die beste Szene in der neueren Trilogie), wobei hier alles noch durch einen Animefilter gezogen wurde und die Rennen doch etwas mehr Waffen enthalten. Der Rennfahrer JP  gehört nicht gerade zu den ehrlichsten Vertretern seiner Zunft, was aber eher mit dem schlechten Umgang seines Freundes und Mechanikers Frisbee zu tun hat. Zwar schrottet er im „Yellowline“-Rennen sein Gefährt, durch die „Feigheit“ der anderen Fahrer rutscht er doch in das „Redline“-Rennen, was auf dem Planeten Roboworld stattfinden soll. Dessen Bewohner sind aber so gar nicht damit einverstanden, dass zwischen ihren streng geheimen Waffenentwicklungen ein intergalaktisch ausgestrahltes Rennen veranstaltet wird und kündigen schon vor dem Rennen an, mit Waffengewalt ihr Möglichestes zu tun, das Rennen verhindern. Natürlich darf auch das obligarische „Romantic Interest“ nicht fehlen, welches in Form der Rennfahrerin Sonoshee doch einiges für’s Auge bieten darf^^.

Der Film besteht im Prinzip aus den 2 Rennen, die am Anfang und Ende platziert wurden und dazwischen werden die Vorbereitungen auf das Redline-Rennen und das bessere Kennenlernen von JP und Sonoshee gezeigt und genau hier befindet sich auch die einzige Schwäche für mich des Films: Hier passiert etwas wenig und die einzige kleine Actionszene zwischendrin ist zu kurz, um die Spannungskurve besonders nach oben zu bewegen. Während die beiden Rennen sehr spannend und abgefahren inszeniert sind, geht dem Film so in der Mitte etwas die Puste aus, wobei er nicht langweilig wird (witzige Ideen und kreative Charaktere gibt es auch dort), aber es zieht sich etwas, was mir vor allem beim nun 2. Mal Anschauen aufgefallen ist. Wenn dann allerdings das Redline-Rennen beginnt, wird man gleich wieder blendend unterhalten und der Film schafft es immer wieder abgefahrenere Ideen zu präsentieren. Hierbei zeigt der Zeichenstil dann auch seine Stärken, denn wenn die Fahrzeuge samt Ihrer Insassen wegen der großen Beschleunigung sich verformen und man als Zuschauer wegen der tollen Umsetzung das ganze zu spüren scheint, dann hat der Film einiges richtig gemacht. Die totale Vernachlässigung von Physik und teilweise auch Logik wirkt einfach nur cool und da die Story sich nie wirklich ernst nimmt, stört man sich nie an der flachen Handlung. Der Film will Spass machen, und das gelingt dem Regisseur Takeshi Koike, der zuvor hauptsächlich als Key Animator gearbeitet hat während der Rennen blendend.

Vor allem die Optik ist einfach spektakulär, denn während andere Anime bei solchen Rennen den Computer einiges an Arbeit überlassen hätten, scheinen hier die Fahrzeuge handgezeichnet zu sein, was dem ganzen eine unglaubliche Dynamik verleiht, die den Gesetzen der Physik komplett strotzt. Die Kamera zoomt wild herum, dreht sich und das Auge hat Probleme, die ganze Bewegung zu verarbeiten, aber das Geschwindigkeitsgefühl ist einfach unglaublich. Klar, man hat  bei den Effekten (Staub, Rauch, etc.) wohl den Computer aushelfen lassen, aber alles fügt sich zu einem gelungenen Ganzen zusammen. Auch der Zeichenstil wirkt sehr erfrischend und man kann deutlich westliche Einflüsse sehen, aber außerhalb Japans würde wohl niemand einen Film in einer solchen Optik finanzieren, der so „handgemacht“ aussieht. Man kann einfach nur sagen: Der Film sieht unglaublich gut aus und optisch Vergleichbares in Filmlänge fällt mir im Moment nicht ein. Der Soundtrack steht dem Ganzen in nix nach, und auch wenn ich auf solchen „elektronischen“ Kram nicht unbedingt normalerweise mag, passt es perfekt zum Film und ich habe doch schon öfters mit dem Gedanken gespielt, mir die passende CD zu kaufen.

Ich hatte den Film letztes Jahr auf japanisch mit englischen Untertiteln gesehen und schaute ihn nun wegen des Besuches auf deutsch und ich doch fand die deutsche Synchronisation äußerst gelungen. Die Charaktere kommen sehr lebendig rüber und man hat auch hörbar versucht, die „Over-the-Top“-Szenen passend umzusetzen. Man war allerdings teilweise beim Übersetzen doch etwas freier, so dass, wenn mich alles täuscht, sogar Namen von Nebencharakteren geändert wurden, was aber gut passte, und bei einem solchen Film für mich kein Problem darstellt. Wir meinen übrigens den Sprecher von Sponge Bob gehört zu haben, sind uns da aber nicht ganz sicher^^

Die Technik

Das Bild ist bunt und scharf und die Optik profitiert sehr von HD, wobei der Detailgrad doch noch etwas Ghibli entfernt ist und einige Konturen nicht ganz sauber sind, so dass ich vermute, dass die Animationen nicht in Full HD gemacht wurden, was man aber bei der vielen Bewegung gar nicht so schnell wahrnehmen kann. Die Bitrate hätte ruhig etwas höher sein können, denn auf der BD50 wäre doch trotz der vielen Tonspuren mehr Platz gewesen, so dass man wieder ein paar weniger schöne Verläufe finden kann, die bei der japanischen Blu-ray doch weicher aussehen, siehe Vergleich-Screenshots. Wenn sehr viel Bewegung auf dem Schirm ist, tauchen auch mal Artefakte auf, wobei man die richtig gut eh nur auf Screenshots sehen kann – und in diesen Szenen ist so viel Bewegung, dass MPEG2 auf einer DVD gar keine Chance mehr hätte. Das Bild der japanischen Blu-ray ist doch etwas besser (bessere Verläufe, weniger Artefakte in den „komplizierten“ Szenen), aber beim normalen Anschauen sieht man die kleinen Macken eh nicht. Rund um das bild befindet sich ein schmaler Rahmen, der auch auf der japanischen Blu-ray zu finden ist.

Hier nun ein paar Vergleichsscreenshots zu der japanischen Blu-ray. Links befindet sich die jap. Blu-ray (muhootsaver hat diese zur Verfügung gestellt) und rechts die deutsche Ausgabe:

Die Tonspuren liegen in 5.1 vor und die hinteren Boxen werden auch ausgenutzt, wobei ich schon besseren Raumklang bei Anime gehört habe. Ich konnte keine Qualitätsprobleme feststellen, wundere mich nur etwas, dass die japanische Tonspur mit einer niedrigeren Rate auskommt, habe da aber bei Stichproben keinen großen Unterschied in der Dynamik gehört. Die Tonspur lässt sich nur über das Pop-Up-Menü während des Films wechseln und die „kompletten“ Untertitel werden bei der jap. Spur erzwungen, es gibt aber auch eine Spur für Schilder etc. für die dt. Fassung (kann mich da aber gar nicht an so viele erinnern).

Es handelt sich übrigens wohl nicht um Dubtitles, denn sie unterscheiden sich deutlich von Satzbau her von der dt. Tonspur. Gegen die gelbe Farbe habe ich nichts einzuwenden, denn wenn man bei Fantasy Filmfest gab es weiße Untertitel ohne Umrandung…da hat man oft gar nix lesen können^^;

Da es keinerlei Extras gibt, ist das Menü sehr simpel strukturiert und man erreicht (fast) alles direkt. Im Hintergrund gibt es Szenen aus dem Film und das wohl einprägsamste Lied aus dem Film läuft im Hintergrund. Immerhin ist das Design doch ganz ansprechend und ist doch gelungener als bei den meisten anderen Kazé-Blu-rays.

Und wo ich das Thema „Extras“ eben schon mal kurz erwähnt habe: Leider hat Kazé Deutschand im Gegensatz zu ihren französischen Kollegen oder Manga UK in Großbritannien davon abgesehen, eine Blu-ray mit Bonus-DVD anzubieten. Wirklich schade!

Fazit

Bis auf die fehlenden Extras bin ich sehr zufrieden mit dieser Veröffentlichung und ich finde es nur schade, dass hierzulande sehr wenig Wind um diesen Film gemacht wird. Während in den USA und Großbritannien ein kleiner Hype entstanden ist, da dort dieser Film mal genau den Geschmack von den Leuten traf, die lange auf einen unterhaltsamen Anime-Action-Film gewartet haben, der so wie Akira oder Ghost in the Shell das Potential hätte, auch außerhalb der typischen Anime-Zielgruppe positiv aufzufallen. gibt es hierzulande noch nicht mal einen offiziellen Trailer…

Perfekt finde ich den Film nicht, da ich die Mitte wirklich etwas langatmig finde, aber die Renn-Action ist genial umgesetzt und hat jede Menge „WOW“-Momente, und zeigt mehr Kreativität als man in einem Jahr an Hollywood-Sommer-Blockbustern zu bieten kriegt. Vor allem für Leute, die sich immer beschweren, dass heutige Anime irgendwas falsch machen, und früher alles besser war: Kauft den Film, gebt ihm eine Chance, denn Madhouse hat die Produktion scheinbar fast finanziell nicht überlebt und es wäre schade, wenn ein für das internationale Publikum produzierter Film dann seine verdienten Erfolge nicht feiern kann, weil die Zielgruppe nichts über seine Existenz weiß…

Spezifikationen:

MPEG-4 AVC Video        20948 kbps          1080p / 23,976 fps / 16:9 / High Profile 4.1
DTS-HD Master Audio             French          4405 kbps       5.1 / 48 kHz / 4405 kbps / 24-bit (DTS Core: 5.1 / 48 kHz / 1509 kbps / 24-bit)
DTS-HD Master Audio             German          4119 kbps       5.1 / 48 kHz / 4119 kbps / 24-bit (DTS Core: 5.1 / 48 kHz / 1509 kbps / 24-bit)
DTS-HD Master Audio             Italian         2485 kbps       5.1 / 48 kHz / 2485 kbps / 16-bit (DTS Core: 5.1 / 48 kHz / 1509 kbps / 16-bit)
DTS-HD Master Audio             Japanese        2893 kbps       5.1 / 48 kHz / 2893 kbps / 24-bit (DTS Core: 5.1 / 48 kHz / 1509 kbps / 24-bit)

BDInfo
BD50

Vielen Dank an Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!