Universum Anime bzw. deren Agentur war so nett und hat mir eine Screener-DVD mit den ersten 5 Folgen mit deutscher Synchronisation zugeschickt und so konnte ich mir schon mal einen ersten Eindruck von der hiesigen Veröffentlichung von SHAFT’s „Evolution“ des Magical Girl Genres verschaffen. Der Artikel spricht teilweise auch Aspekte der gesamten Serie an, aber Spoiler habe ich vermieden.

Da die japanische Synchronisation, die Untertitel und das Bonusmaterial bei diesem Screener fehlen, kann ich hierzu noch nichts sagen, weswegen ich auch einfach offizielle Screenshots verwende, da die Bildqualität dieser Fassung eh nicht repräsentativ für die finale Fassung ist.

Die Serie beginnt wie viele andere Magical Girl Anime: Ein ganz normales Mädchen trifft ein mysteriöses magisches Wesen, das sehr niedlich aussieht und natürlich die weibliche Hauptfigur in ein Magical Girl verwandeln möchte, damit es gegen das „Böse“ kämpft. Allerdings wundert man sich als Zuschauer schon recht früh, warum ein anderes Magical Girl verhindern möchte, dass Madoka diesen Pakt mit Kyubey eingeht, und das Leben als Magical Girl scheint hier doch etwas anders zu sein, als man das aus manch anderer Serie aus diesem Genre kennt…

Ich könnte hier die Handlung noch etwas mehr ausführen, aber die Serie lebt stark von ihren Überraschungen und ich möchte nur so viel verraten, dass man sich von der streckenweise sehr niedlichen Optik nicht abschrecken lassen soll. Die Handlung bietet tolle Wendungen und einige Überraschungen, die einen sprachlos vor dem Fernseher verharren lassen. Die Charaktere zeigen auch viel Tiefe und entwickeln sich sichtbar weiter, auch wenn man natürlich in den ersten 4 Folgen von Volume 1 nur einen Teil des Werdegangs miterleben darf.

Das Interesse an SHAFT-Werken stieg seit dem immensen Erfolg von Bakemonogatari in 2009 stark und im Vorfeld der Serie nutzte man auch die vielen bekannten Namen der beteiligten Personen um einen kleinen Hype um die Serie zu generieren. Wie an den Rekord-Blu-ray-Verkaufszahlen sieht, ging der Plan wohl auch auf. Wie bei den meisten SHAFT-Serien hat Akiyuki Shinbo hier Regie geführt und man erkennt seine Handschrift recht gut, auch wenn die Kameraperspektiven hier weniger oft wechseln und man optisch eher auf der Designebene etwas besonderes bietet. Wie schon bei Bakemonogatari ist die Architektur der Gebäude sehr ungewöhnlich und einfach nur „stylisch“. Alleine schon die Schule mit den transparenten Wänden verleiht der Serie einen leichten Sci-Fi-Touch, der sich aber ansonsten nicht auf die Handlung auswirkt. Viel mehr kriegt man Abwechslung für die Augen vom Anime-Einerlei geboten, was dann schließlich in den Parallelwelten der Hexen gipfelt, die eher aussehen wie animierte Collagen. Dadurch kriegen die Kämpfe tolle Hintergründe geboten und auch der Stil der „Gegner“ wirkt damit sehr ungewöhnlich.

Als krassen Gegensatz kann man dagegen Ume Aoki’s Charakterdesign sehen, das sehr niedlich und sogar für Animeverhältnisse recht seltsame Proportionen vor allem im Gesicht bietet. Es gelingt der Serie aber wirklich gut die Emotionen der Charaktere zu transportieren. Die Wahl der Mangaka von Hidamari Sketch als Charakterdesignerin für eine solche Serie erschien mir zunächst etwas ungewöhnlich, aber es passt überraschend gut.

Gen Urobuchi von der Visual Novel-Schmiede Nitroplus und Autor von Fate/Zero schrieb die Scripte für die Serie und der Name ließ schon erahnen, dass hier vielleicht etwas dunkleres auf den Zuschauer zukommt, als man zunächst gedacht hätte. Die Dialoge sind gut geschrieben und die Handlung füllt die 12 Folgen passend aus, ohne das man sich denkt, dass hier etwas fehlt, oder das überflüssige Folgen eingebaut wurden, um auf eine Standardlänge einer TV-Serie zu kommen.

Bei der Musik wählte man mit Yuki Kajiura wohl die passendeste Anime-Soundtrack-Komponistin unserer Zeit für solch ein Werk, denn die Stücke verleihen den Kämpfen sehr viel Dynamik und unterstreichen wunderbar die seltsamen Schauplätze. Für mich einer der besten Soundtracks von ihr.

Wie man schon sieht, hat man recht viele bekannte Leute der Branche hier versammelt und auch die japanischen Seiyuus enttäuschen hier nicht, aber darauf werde ich erst im richtigen Review noch etwas eingehen, denn bei dem Screener liegt eh nur der deutsche Ton bei, auf den ich nun mal etwas eingehe.

Ich habe mir die ersten beiden Folgen komplett angeschaut und noch etwas in ein paar Szenen aus Folge 5 rein gehört. Die Sprecher hatte Universum Anime schon vor ein paar Wochen bekannt gegeben:

Madoka Kaname … Lydia Morgenstern
Sayaka Miki … Esra Vural
Homura Akemi … Kaya Möller
Kyubey … Rubina Kuraoka
Mami Tomoe … Julia Meynen
Kyoko Sakura…Ilona Otto

Synchronisationsstudio: EuroSync (Berlin)

Beim normalen Anschauen und ohne die jap. Stimmen noch genau im Kopf zu haben fand ich die Synchronisation stimmig. Madoka kommt sehr lebendig rüber und auch schauspielerisch finde ich sie sehr passend. Allerdings wirkt ihre Stimme etwas älter als in der japanischen Version und weniger „zart“ und „niedlich“, wobei man natürlich auch bemerken muss, dass sie im Original eine typische Anime-Mädchen-Stimme hat, die aber auch sehr gut zu dem Charakter passt. In einer deutschen Synchronisation würde genau so eine Stimme natürlich etwas seltsam wirken, aber im direkten Vergleich fiel mir das schon sehr auf.

Sayaka passt im deutschen gut zum Charakter, wirkt aber auch etwas älter. Homura klingt im japanischen auch wieder etwas „zarter“, wobei ich vor allem ihre „coole“ Seite im Deutschen überzeugend fand. Mami klingt etwas frischer und weniger erhaben in der deutschen Fassung, das verändert den Charakter leicht, meinem Gefühl nach.

Kyubey ist wirklich gut getroffen, meiner Meinung nach, und auch die Stimmlage ist recht ähnlich. Kyoko habe ich nur kurz gehört, da die DVD-R des Screeners bei der 5. Folge bei mir Probleme machte, aber es klang ganz passend.

Die englischen Begriffe aus dem Original wurden wohl beibehalten, das heißt, es gibt „Soul Gem“ und „Grief Seeds“ und aus Mahou Shoujo wurde „Magical Girl“ gemacht. Suffixe wurden beibehalten.

Ohne direkte Untertitel kann nicht genau sagen, wie frei die Übersetzung in der Synchronisation ist, aber in ein paar Szenen fielen mir schon kleine Unterschiede zum Fansub auf, die aber den Sinn nicht verdreht haben. Vom Schauspielerischen her gefiel mir die Synchronisation sehr gut, wobei man im direkten Vergleich schon merkt, dass die ein oder andere Zeile mit anderer Betonung gesprochen wird (z.B. normal <> genervt). Im großen und ganzen wirken die Gespräche aber natürlich und ich stolperte in den ersten beiden folgen über keine Szene, die ich ohne direkten Vergleich irgendwie seltsam fand.

Ich denke, man kann mit der Synchronisation zufrieden sein, wobei ich persönlich die japanischen Stimmen einfach allgemein passender zu einem solch niedlichen Charakterdesign finde. Wer aber gerne Anime mit deutscher Synchronisation schaut, wird aber wohl hier eine zu der Vorlage ganz passende Lokalisierung geboten kriegen.

Hier noch die technischen Spezifikationen der DVDs:

Vol. 1:
Erscheinungsdatum: 30.03.2012
Ton: Deutsch, Japanisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)
Untertitel: Deutsch
Extras: Audiokommentar zur Episode 1 „Als wäre ich ihr im Traum begegnet…“, Textless Opening

Vol. 2:
Erscheinungsdatum: 27.04.2012
Ton: Deutsch, Japanisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)
Untertitel: Deutsch
Extras: Audiokommentar zur Episode 7 „Kannst du dich deinen wahren Gefühlen stellen?“, Textless Opening

Vol. 3:

Erscheinungsdatum: 25.05.2012
Ton: Deutsch, Japanisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)
Untertitel: Deutsch
Extras: Audiokommentar zur Episode 12 “ Meine allerbeste Freundin“, Textless Opening

Im Pressebereich bei UA wird der Ton bei Vol. 3 als „DD 5.1 (Deutsch), DD 2.0 (Japanisch)“ angegeben, aber es würde mich etwas wundern, wenn das nur bei Vol. 3 der Fall wäre.

Wie bei Angel Beats! liegt jedem Volume wieder ein Flyer bei. Wenn man dann die 3 gesammelt hat, kann man diese einschicken und erhält einen Sammelschuber zugeschickt.

Persönlich trauere ich ja der fehlenden Blu-ray hinterher, da die Serie sehr von der hochauflösenden Optik profitiert, aber wie gewohnt gibt sich Universum Anime sehr viel Mühe bei der Ausstattung der DVDs und liefert meiner Meinung nach auch eine ganz gute Synchronisation ab. Wer eine spannende, ungewöhnliche Serie auf DVD schauen möchte, die mal nicht auf einer Light Novel oder Manga basiert, wird hier wohl bedenkenlos zugreifen können. Eine bessere, aktuelle Serie wird man dieses Jahr wohl auf dem deutschen Markt nicht mehr sehen.