Ich gebe zu, dieser Beitrag schmort schon lange in meinem Kopf, denn folgenden 2 weiteren Serien dieser Saison stehen ja noch meinem (mehr oder weniger) wöchentlichen Speiseplan, aber der liebe Zeitmangel hat das ganze nun schon so weit nach hinten geschoben, dass die nächste Jahreszeit schon fast da ist. Wenn ich mir das Wetter da draußen so angucke, kann’s auch nicht mehr lange dauern, bis die neuen Serien schlüpfen und sofort auf die Schlachtbank der Anime-Blogger gescheucht werden. Naja, ich versuche ja nett zu Frischlingen zu sein, und dieses Mal geht’s ja mal um 2 Serien komplett ohne Moé und Fanservice, die sich auch schon eher im Erwachsenenalter befinden oder es zumindest versuchen. Also genießt Noizi Ito’s Artwork noch nen Moment, bevor der Ernst des Lebens beginnt…oder so.

Tatami Galaxy (1-7)

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Die Serie gehört wie House of Five Leaves zum Noitamina-Block und soll wieder etwas anspruchsvollere Unterhaltung bieten. Im Gegensatz zum anderen Werk herrscht hier ein sehr zynischer Humor, ein noch ungewöhnlicherer Zeichenstil und eine Handlung, die alles andere als chronologisch ist und mich irgendwie an Endless Eight erinnern ließ….

Der Erzähler ist ein College-Student, der sich auch selbst als Spätzünder bezeichnet und endlich hofft, dass sein Leben nun samt Wein, Weib und Gesang beginnt, und man darf ihn bei seinen Versuchen oder besser gesagt Niederlagen beobachten. Man darf also erleben, wie er einem Tennisclub, einem Filmclub oder einem Fahrradclub beitritt und irgendwann alles schief geht. Der Witz an der Sache ist, dass die Serie das ganze ziemlich schnell abhandelt und Jahre in Minuten vergehen und man immer nur einen seiner Versuche betrachten kann, denn am Ende der Folge wird die Zeit einfach zurückgespult, und die nächste Folge startet mit dem nä. Durchgang samt neuen Club…

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Die Charaktere bleiben aber meistens die gleichen, sein Kumpel und gleichzeitig größter Feind Ozu ist meistens sehr präsent und alles andere als sympathisch gezeichnet und auch das obligatorische Mädel Akashi taucht jedes Mal auf, so dass man da schon an Schicksal zu glauben beginnt. Auch viele Running Gags wie eine Wahrsagerin, die immer an ähnlichen Punkten der Handlung auftaucht, geben dem ganzen allerlei Déjà-vu’s, wobei ich die ganzen Wiederholungen anstrengender fand als bei Endless Eight…

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Denn man ahnt jedes Mal sehr früh, dass eh alles schief gehen wird, und das Folge für Folge immer wieder miterleben zu müssen, finde ich nerviger als der SOS-Brigade bei ihren Ferienaktivitäten zuzugucken. Zudem komme ich damit gleich zu einem weiteren Kritikpunkt: Die Dialoge sind schnell, sehr schnell um genau zu sein. Die erste Folge ist teilweise so fix, dass die liebe Excel aus ihrer eigenen Saga dagegen wie Yui in K-ON! vorkommt. Zwar lese ich eigentlich sehr schnell Untertitel, aber meistens konnte ich der Handlung schon fast nicht mehr folgen, da Untertitel lesen, Animationen anschauen und das Gesehene verarbeiten einfach zu viel für mich waren. Zum Glück nimmt sich die Serie in den Folgen 6-7 etwas mehr Zeit, so dass man endlich mal alles aufnehmen kann.

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Wie man an den Screenshots sehen kann, ist die Serie nicht gerade im typischen bunten-Bishojo-Stil gezeichnet, sondern eher karikaturhaft mit sehr simplen Hintergründen. Dafür nutzt man Optik sehr erfolgreich für allerlei Verformungen und der simplere Stil erlaubt auch mehr Kamerafahrten oder Massenszenen. Ich würde wirklich sagen, die Optik passt gut zur Handlung und würde sich auf Blu-ray sicherlich gut machen. Das OP und das ED finde ich auch wirklich toll, sowohl optisch als auch musikalisch und man merkt schon, dass Madhouse solch abgefahrene Animes gut produzieren kann.

Ich kann die Serie jedem ans Herz legen, der immer nölt, dass es zu viel Moé gibt und mal eine etwas niveauvollere, satirische Sicht auf das Leben sehen will. Einige Teile der Handlung und auch die Intention des Hauptcharakters konnte ich teilweise ganz gut nachvollziehen und die Umsetzung ist eigentlich sehr gelungen. Meine Bewertung ist allerdings nicht so hoch wie man das aus dem vorherigen Satz hätte interpretieren können. Denn etwas langsamere Dialoge hätten der Serie gut getan und die Handlung ist mir teilweise schon etwas zu böse und zynisch, und wiederholt sich dabei zu sehr. Schade für ZakuAbumi, dass er bei der Serie nicht hinterher kommt, denn eigentlich müsste der böse Zynismus gut passen (wobei die Zielgruppe der Serie definitiv eher dem Studentenalter und höher entsprechen dürfte)^^;.

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Senkō no Night Raid 1-6

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Ich werde mich mal etwas kürzer halten, da der Funke der Serie bei mir einfach nicht überspringt. Das ganze spielt ja im Jahr 1931 in Shanghai und dreht sich um eine japanische Spionagetruppe mit ein paar „Superkräften“, die halt so einen Spionagekram machen und sich auch mal als Nahrungsmittelfotografen betätigen. Bei den Superkräften müssten die X-Men übrigens keine Angst haben, denn etwas Teleportieren oder Telepathie lockt keinen Comicfan hinterm Ofen hervor und Serien/OVAs wie R.O.D. boten da einfach mehr für’s Auge.

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Historische Spionagegeschichten finde ich ja im Prinzip ganz interessant, aber die Superheldenzutat ist meiner Meinung nach einfach unnötig und zudem finde ich das ganze eh etwas unglücklich, denn wenn man sich mal die Geschichte anguckt, haben die Japaner ja ein paar Jahre später, ziemlich viel Leid in der der Gegend verursacht, und nicht ohne Grund käme man hierzulande bestimmt nicht auf die Idee, eine TV-Serie zu machen, die ein paar deutsche Spione mit „Superkräften“ in Paris zeigen. Die chinesische Restaurantbesitzerin mit ihrem Japanisch mit komischen chin. Akzent hört sich auch etwas komisch an…

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Wäre das neuste Werk von A1-Pictures zumindest wirklich gut, könnte ich damit vielleicht noch leben, aber die Charaktere lassen mich total kalt, einige Stereotypen sind fast noch eindimensionaler als Haremmädel Nr. 5 in einer x-beliebigen Visual Novel-„Animesierung“ und richtig Spannung will einfach nicht aufkommen. Die Animationen haben mich aber wirklich nicht begeistert und die computeranimierten Fahrzeuge gefielen mir in A1-Pictures‘ zeitlich ähnlich gesiedelten Valykyria Chronicles weitaus besser. Immerhin sind die Hintergründe teilweise ganz hübsch und man bemüht sich, die Sprachenvielfalt vernünftig darzustellen, dass heißt man darf allerlei Englisch bis Engrish oder sogar mal etwas Deutsch lauschen.

Wer unbedingt mal nen relativ ernsten „historischen“ Spionage-Anime sehen möchte, kann ja mal nen Blick drauf werfen, ich wende mich da lieber ach so verhassten Animes wie Angel Beats! zu, die machen zumindest Spass und berühren einen zumindest teilweise emotional^^. Vielleicht steigert sich die Serie ja noch, aber im Moment gibt’s bei mir Abzüge wegen der historisch gesehen nicht gerade glücklichen Idee und deswegen gehe ich mal relativ hart mit diesem Machwerk um.

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