Eigentlich wollte ich den Podcast zu Ende schneiden und noch ein paar Reviews drüben für einige BDs (BRS traf z.B. ein) schreiben, aber irgendwie war mir eher nach einem Review zu einer Serie, die ich zufälligerweise gerade beendet habe. Vor allem da ich eh schon ahne, dass man meine Bewertung auseinander nehmen wird, aber egal was man zu Ore no Imouto ga Konnani Kawaii Wake ga Nai / My Little Sister Can’t Be This Cute schreibt, irgendjemand wird eh meckern^^.

Die Serie stand bei mir gleich auf dem Plan als Werk, dem ich wöchentlich rund 23 Minuten meiner Zeit widmen möchte, denn alleine der Titel klang irgendwie…interessant. Wie schon bei B Gata H Kei, ging man mal wieder vom moralischen Weltuntergang aus und das Ergebnis ist eher wieder mal harmlos und hat mehr Herz als der meiste Kram, der einem diese Season mal wieder geboten wird. Ob man die Serie nun mag, hat weniger mit der eigenen Meinung zu Inzest zu zu tun (was ja einige vorher schon befürchtet hatten), sondern nur ob man einer TsunTsunTsunDereDere als weibliche Hauptfigur leben kann.

Wenn man den Charaktertyp nicht mag, dann wird man es schwer mit dieser Serie haben. Falls jemand noch nix von der Serie gehört hat, fasse ich noch mal kurz etwas die Handlung zusammen. Kyōsuke und Kirino sind Geschwister, die sich aus dem Weg gehen, bis plötzlich Kyōsuke herausfindet, dass seine Schwester ein richtiger Otaku ist und insbesondere auf Eroges steht, wo kleine Schwestern ihre eigenen Routen haben. Als großer Bruder kommt wohl sein Beschützerinstikt durch und verspricht, ihr Geheimnis zu bewahren. Kirino ist übrigens auch noch Model, schreibt in späteren Folgen plötzlich ne Light Novel, ist gut in der Schule und auch noch sportlich. Und ziemlich niedlich ist sie auch noch, der Titel der Serie kommt ja nicht von ungefähr, allerdings zeigt sie ihrem Bruder gegenüber eher ihre extrem aggressive Seite. Man könnte sie auch ohne Probleme als ziemlich arrogant und oberflächlich bezeichnen, wobei sie sich sichtlich im Laufe der Serie bessert, meiner Meinung nach. Kyōsuke dagegen kann dagegen scheinbar nix besonders gut, man könnte ihn als total durchschnittlich bezeichnen, oder einfach als Random-Male-Lead B. Er hat ja sogar eine Sandkastenfreundin, die natürlich schon seit langer Zeit ein Auge auf ihn geworfen hat, die jungen Dinger gehören einfach zur Grundausstattung im Genre…

Ich kann gleich schon mal sagen, dass die Serie arg konstruiert ist und zu Übertreibungen neigt. Kirino ist ein extremer Otaku, aber auch Model, schlägt an Niedlichkeit ohne weiteres die Protagonistinnen ihrer heißgeliebten Spiele, möchte, dass ihr Bruder am besten Eroge mit ihr spielt, die Inzest enthalten und behandelt ihn trotzdem wie oft wie Dreck, wird aber schnell eifersüchtig. Im Prinzip wäre der Anime ohne die Verwandtschaftskomponente ganz klar darauf aus, dass die beiden am Ende ein Pärchen werden, nun ist er aber dahingehend moralisch, dass das eigentlich nahezu ausgeschlossen erscheint. Das vorläufige Ende kann deswegen sogar noch als halbwegs abgeschlossen erscheinen, da aus den beiden ja eigentlich nix werden kann, aber ihre Beziehung sich im familiären Sinne definitiv entwickelt hat.

Es gibt ja noch sogar noch (sogar moralisch vertretbare) Möglichkeiten, dass das True End wirklich ins Romantische abdriftet, und die Anzeichen stehen mit den Ankündigungen der anderen „Abzweigung“ in der 12. Folge gar nicht mal schlecht, die Serie spielt ja nicht ohne Grund darauf ständig an. Ich glaube nicht, dass die anderen Charaktere, so sehr ich Ruri, Manami und Ayase auch auf ihre Weisen interessant finde, plötzlich in den Vordergrund rücken, aber vielleicht befinde ich mich da auch auf dem Holzweg. Nun, das waren meine Spekulationen zum weiteren Verlauf, aber natürlich habe ich auch noch so ein paar Eindrücke zu der Serie gesammelt.

Auch wenn alles sehr konstruiert erscheint und die Komposition der Serie manchmal etwas holprig finde, steckt für mich doch etwas Tiefe, oder besser gesagt so etwas wie eine Aussage hinter dem Werk. Bis auf Kyōsuke und Manami haben eigentlich alle Charaktere so etwas wie eine Seite, mit der man auf dem ersten Blick nicht rechnet.

Kirino: sehr hübsch, immer modisch gekleidet, achtet stark auf ihr Äußeres, ist aber ein Otaku in einer sehr extremen Form
Ruri: Gothic Lolita, die immer so böse tut, aber eigentlich sehr nett ist, fürsorglich mit ihren Geschwistern umgeht und mehr in der Realität verwurzelt ist, als viele andere
Saori: sieht aus wie Hardcore-Otaku, scheint aber sonst ganz anders rumzulaufen
Ayase: sieht aus wie das nette Mädchen, ist aber sehr oberflächlich und zeigt deutliche Charakterschwächen
Kanako Kurusu: Idol, das sich aber nur idol-haft verhält, wenn es nötig ist

Klar, besonders kreativ ist das alles nicht, aber man sollte nicht vergessen, dass die Serie für die Otaku-Fanbase gemacht ist, aber doch auch recht kritisch mit dem ganzen Drumherum umgeht, bzw. das ganze auch sehr gut durch den Kakao zieht. Die Serie regt zwar nicht unbedingt groß zum Nachdenken an, aber geht mit der Branche etwas ironisch um, was auch nicht gerade alltäglich ist. Mir gefielen vor allem die Streitgespräche zwischen Kirino und Ruri, die wunderbar auf darauf hinweisen, dass was für den einen genial ist, ist für den anderen Schwachsinn, was vor allem bei Meinungen zu Anime auch in diversen Blogs ständig beobachtet werden kann.

Wie man schon merkt, stehe ich der Serie ziemlich positiv gegenüber, was auch daran liegen wird, dass ich nix gegen Tsundere habe und Kyōsuke’s Verhalten noch halbwegs nachvollziehbar finde. Man darf ja nicht vergessen, dass er die „dere“-Seite seiner Schwester ja auch früh genug bemerkt hat, und auch ohne jedes romantische Gefühl vielleicht einfach gerne ihr helfen möchte. Und wenn einiges nicht so übertrieben wäre, würde das ganze auch einfach (mir) nicht so viel Spass machen. Überhaupt muss man die Erfolge von Kinino auch einfach etwas symbolisch sehen, denn er entwickelt da natürlich einen Minderwertigkeitskomplex, der sich vielleicht auch einfach so ausdrückt, dass es ihm viel bedeutet, wenn seine Schwester doch nicht alles alleine hinkriegt. Zudem lassen sich Menschen in der Realität noch ganz andere Sachen gefallen, ohne den Mund aufzumachen, da sollte man einem Anime das nicht zu sehr vorwerfen. Sehr schade finde ich, dass man der Serie nicht einfach von Anfang an ~24 Folgen gegeben hat, dann hätte man nämlich einigen der Nebencharaktere mehr Zeit geben können und die Handlung hätte sich teilweise nicht einfach so überschlagen (z.B. die Light Novel->Anime-Sache kam einfach zu schnell, da hätte ein Filler zwischendurch mal geholfen). Vor allem Ruri fand ich sehr unterhaltsam und sie ist definitiv einer meiner Lieblingscharaktere dieses Jahres.

Optisch gefallen mir vor allem die Charakterdesigns und das man sich bemüht hat, die Kleidung und das Girlie-hafte im Kontrast zu der Otakuwelt darzustellen. Auch die Animationen überzeugten mich und bei den Hintergründen hat man sich sichtlich Mühe gegeben (man muss sich im Vergleich nur mal MM! anschauen…). Überhaupt gefällt mir die gesamte Farbgebung sehr gut, alles wirkt immer recht warm und hell, was gut zur Stimmung passt. In visuellen Bereich schlägt sich die Serie wirklich sehr gut im Vergleich zur Konkurrenz in dieser Season.

Toll fand ich die Wahl der Seiyuus, denn Ayana Taketatsu zeigt, dass sie nicht nur Azu-nyan sehr gut spielen konnte, sondern auch lautere Charaktere wie hier Kirino (oder auch Mio in MM!, eine neue Tsundere-Queen im Anmarsch?). Yuuichi Nakamura (Tomoya aus Clannad) sollte wie hier öfter männliche Hauptrollen spielen, irgendwie mag ich seine Stimme einfach. Und Fumihiko Tachiki als Vater brachte mich doch öfters zum Schmunzeln wegen seiner wohl bekanntesten Rolle als Gendo Ikari in Evangelion…

Bemerkenswert finde ich, dass der Vorspann jedes Mal modifiziert wurde und der Abspann sogar komplett immer ausgetauscht wurde, wenn ich mich recht erinnere. Man merkt schon, dass Aniplex hier einen Hit produzieren wollte, um dann noch einmal ordentlich bei den Blu-rays/DVDs und dem anderen Merchandise abzuräumen, was ihnen wohl auch gelingen wird.

Für mich ist die Serie wieder eine typische Hype-Serie, die recht dominant in den letzten Monaten war, und wohl auch noch einige Monate nicht von der Bildfläche verschwinden wird – viele Kritiker werden wohl auch ziemlich gespannt auf das True End sein, in der Hoffnung noch mal ordentlich bashen zu können^^. Aber dies ist auch wieder eine Hype-Serie, die meinen Nerv trifft. Zwar nix, was ich mir aus Japan auf BD importieren werde (8 Volumes sind mir einfach zu viel), aber ich denke, früher oder später wird jemand eh die Serie in den USA lizenzieren. Ich mag halt Tsundere-„Romantic“-Comedies mit Selbstironie und zumindest ein wenig versuchen, so etwas wie eine Aussage zu transportieren. Wenn eine Serie trotz ein paar Mängel mich immer dazu verleitet, sie recht zügig nach dem Erscheinen zu konsumieren und ich am Ende einer Folge, am liebsten sofort die nächste gucken will, dann haben die Macher etwas richtig gemacht. Ich bin bestimmt kein AIC-Fan, aber sie haben diesmal etwas produziert, dass ich gerne noch mehrmals gucken möchte. Mal sehen, wie das True End werden wird *_*.