Ein Review zu den DVDs sieht man bei mir eher selten und da muss mir die Serie schon etwas mehr am Herzen liegen und da ich ja schon vor längerer Zeit einen Artikel zu Tokyo Magnitude 8.0 geschrieben hatte, kommt nun noch einer zur überraschenden deutschen Veröffentlichung. Es ist ganz schön schwierig zwei unterschiedliche Artikel zu einem Werk zu schreiben, aber zum Glück gibt es natürlich bei den deutschen DVDs weitere Aspekte, auf die ich eingehen kann. Und ein Rewatch zeigt ja meistens erst, wie gut eine Serie wirklich ist.

Die Serie wurde praktischerweise als Komplettbox veröffentlicht, die mich an die DVD-Box von Eden of the East erinnert.

Das FSK-Zeichen ist nicht abziehbar.

Die Box ist gut verarbeitet und hübsch gestaltet.

Ich finde die Verpackung gelungen. Ein Booklet oder ähnliches wäre vielleicht schön gewesen, aber wegen dem traurigen, aktuellen Bezug auf die Realität ist es vielleicht besser, wenn man die Serie einfach für sich stehen lässt.

Der Inhalt

Die Mittelschülerin Mirai ist etwas unzufrieden mit ihrem Leben, ärgert sich über ihre Familie und badet sich gerne etwas in Selbstmitleid, da sie sich vom Pech verfolgt fühlt. Da ihre Eltern auch in den Ferien nichts mit ihr unternehmen wollen, lässt sie sich überreden mit ihrem kleinen Bruder Yuki eine Roboter-Ausstellung auf der künstlichen Insel Odaiba zu besuchen. Während sie sichtlich genervt von diesem Ausflug ist, freut sich ihr Bruder dagegen sehr, dass er Zeit mit seiner großen Schwester verbringen kann und lässt sich auch durch ihr Genöle nicht die gute Laune verderben. Als sie sich schließlich auf den Heimweg machen wollen, verschwindet Yuki kurz Richtung Toilette und Mirai bleibt alleine zurück. Genau zu diesem Zeitpunkt fängt die Erde an zu beben und da das Epikzentrum direkt unter Tokio liegt, sind die Schäden immens.

Natürlich macht sie sich sofort auf die Suche nach Yuki, der sich noch im Gebäude befinden müsste und trifft dabei die alleinerziehende Mutter Mari, deren Tochter gerade bei der Großmutter untergebracht ist. Zwar finden sie Yuki, aber nun liegt der beschwerliche Weg nach Hause noch vor ihnen, denn die Brücken sind nicht passierbar und durch die großen Schäden sind die öffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr im Einsatz. Da Mari Mitleid mit den beiden hat, beschließt sie diese möglichst lange auf den Weg nach Hause zu begleiten.

Anders als in anderen Katastrophenfilmen, merkt man aber, dass das japanische Volk hier recht gut auf solche Katastrophen vorbereitet zu sein scheint (so weit dies möglich ist), denn die Hilfsmaßnahmen laufen schnell an und zumindest für das Nötigste ist gesorgt. Wenn man TM8.0 mit dem Manga „Tokyo Inferno“ vergleicht, ist die Darstellung hier auch weitaus weniger reißerisch und „dunkel“. Die Dramatik entsteht zunächst eher dadurch, dass die Menschen einfach wegen den zusammengebrochenen Kommunikationsnetze nicht mehr mit Ihren Angehörigen Kontakt aufnehmen können und man nur spärliche Informationen erhält, wie schwer ist die verschiedenen Teile der Stadt getroffen hat. Erst nach und nach wird sich auch mit den menschlichen Verlusten auseinander gesetzt und wie die Hinterbliebenen damit umgehen. Da man als Zuschauer die komplette Handlung fast nur aus der Sicht von Mirai sieht, kann man sich aber auch schon sehr gut in die Ungewissheit rein versetzen. Natürlich wirken einige Szenen etwas inszeniert, denn die Charaktere sind teilweise einfach zur falschen Zeit am falschen Ort und geraten so in bedrohliche Situationen, aber es wirkt nie wirklich übertrieben.

Auch merkt man deutlich, dass sich die Macher viel Mühe gegeben haben, alles möglichst realistisch darzustellen, wobei man z.B. auf die Darstellung von nicht geborgenen Todesopfern fast komplett verzichtet hat – wenn man die hohen Opferzahlen hört, wundert einen das dann schon etwas, aber ich denke, man wollte die Betonung eher auf andere Aspekte legen. Deswegen ist die Serie bis zu einem gewissen Punkt fast noch kinderfreundlich, da vor allem auch die Dialoge recht familienfilmähnlich sind (wobei FSK12 gerechtfertigt ist). Das ist vielleicht auch eine kleine Schwäche der Serie, denn bis auf den teilweisen Zynismus von Mirai erscheint einem einiges etwas weichgespült. So etwas kennt man aber natürlich auch von Hollywood-Katastrophenfilmen und ich würde sagen, die Handlung von TM8.0 macht dann doch einiges besser und überraschender als die Konkurrenz aus Hollywood, da man ein „Happy End“ nicht für selbstverständlich hält.

Toll finde ich vor allem die Interaktion zwischen Yuki und Mirai, die viele Momente enthält, die einfach menschlich wirken. Vor allem die Charakterentwicklung von Mirai ist toll umgesetzt und sehr gut nachvollziehbar. Leider sollte ich jetzt hier nicht zu sehr ins Detail gehen, um nicht zu spoilern, aber für mich ist TM8.0 wohl die einzige Drama-TV-Serie, die ich auch uneingeschränkt Leuten empfehlen kann, die sonst wenig mit Anime zu tun haben, denn die Handlung und die Darstellung ist größtenteils realistisch und frei von künstlich produzierter Dramatik ala Kanon oder Clannad (welche ich aber trotzdem sehr mag), sondern es wirkt alles natürlicher. Die Serie lief übrigens wie Eden of the East im noitaminA-Block und man sieht deutlich, dass auch hier das Budget deutlich höher zu sein scheint. Die Hintergründe sehen sehr realistisch aus und wenn man erkennt leicht viele Schauplätze aus Tokio wieder. Zwar ist das Charakterdesign recht einfach, aber es schafft sehr gut die Emotionen der Charaktere zu transportieren. Zudem fand ich sehr gelungen, wie man in Rückblicken und Fotos das unterschiedliche Alter der Charaktere dargestellt hat, denn hier wird nicht nur an der Körpergröße und der Größe der Augen das Alter definiert, sondern auch die Frisuren und Kleidung wechseln deutlich. Das gibt dem ganzen einen deutlich realistischeren Anstrich als man das, was man aus vielen anderen Serien kennt.

Zwar bin ich kein Freund von computeranimierten Figuren im Hintergrund und auch hier bewegen sich die Menschen aus dem Computer recht hölzern, aber ohne CGI hätte man nie diese großen Menschenmassen darstellen können und ich fand die Umsetzung doch noch überzeugend genug. Die Fahrzeuge und Gebäude wurden teilweise auch so erstellt und ich fand ich das Ergebnis sogar ganz gelungen für TV-Serien-Verhältnisse. Die Erdbebensequenzen wurden auch spannend mittels verschiedener Techniken umgesetzt und haben Filmqualität, wobei es natürlich nicht sonderlich viele davon gibt, sonst wäre es auch einfach unrealistisch – und hier steht immer noch klar die Geschichte im Vordergrund. Sehr gelungen fand ich das Spiel mit Schatten in einigen Szenen, was dem ganzen eine schöne Plastizität gegeben hat. Man kann klar sagen, die Serie gehört zeichnerisch zu den Aufwendigeren des Jahres 2009 und hält auch heutzutage noch sehr gut mit. Musikalisch erinnerten mich die Musik in den „Actionsequenzen“ stark an Hollywood-Katastrophenfilme, aber diese Musik hinterließ bei mir keinen großen Eindruck. In den emotionalen Szenen dagegen fand ich die Untermalung allerdings sehr gelungen. Der Soundtrack wurde übrigens von Kô Ôtani komponiert, dessen Stücke ich zu Shana sehr gelungen fand und den OST zur ersten Staffel sogar sehr oft höre.^^

Man kann wohl gut erkennen, dass ich die Serie sehr gut finde, wobei insbesondere das letzte Drittel der Serie wohl nicht jedem gefallen könnte, es aber immerhin sogar verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zulässt. Besonders hervorheben möchte ich, dass es weniger um die Katastrophe selbst geht, sondern eher um die Menschen und wie sie damit umgehen und ich finde die Umsetzung für Animeverhältnisse sehr menschlich und realistisch. Hier hat BONES (Full Metal Alchemist, Eureka 7) zusammen Kinema Citrus wirklich eine gelungene Serie produziert, die deutlich aus dem Anime-Einerlei hervorsticht.

Die Technik

Ich gehöre ja eher ins Blu-ray-Lager, aber da ich Tokyo Magnitude vermutlich eh nur in 960×540 produziert wurde, wenn man dieser Seite glauben kann, eignet sie sich weniger gut, Leuten die Vorteile von Anime-TV-Serien in HD schmackhaft zu machen, deswegen halte ich die Entscheidung, sie nur auf DVD zu veröffentlichen für richtig. Ich bin ja kein Experte, was Anime auf PAL-DVD angeht, fand das Bild aber überraschend scharf. Ich vemute, dass vielleicht „HD“-Master verwendet wurden, so dass man zumindest die 720×576 komplett ausnutzen konnte, oder mein Sony-BD-Player konnte die Scheiben einfach nur gut hochskalieren. Es gab bei mir im Vorspann recht viel Zeilenflimmern, was aber an den vielen Linien in den Hintergründen lag. In den Folgen an sich fielen mir keine Probleme auf und Artefakte fielen mir beim normalen Schauen nicht sonderlich auf. Zwar wird die Serie auf 3 DVDs ausgeliefert, aber es werden jeweils immer nur rund 4,3 GB der DVDs ausgenutzt, aber das gute Encoding sorgt wohl für vernünftige Ergebnisse. Die Serie liegt natürlich in anamorphen 16/9 vor und die deutsche Tonspur hat sogar eine 5.1-Abmischung (448kbps) erhalten, die ich aber nicht als sehr auffällig bezeichnen würde. Die japanische Spur liegt „nur“ in Stereo (224 kbps) vor.

Da mir die deutsche Synchronisation beim ersten Reinhören gut gefiel, habe ich die Serie dann auch gleich komplett so geschaut. Bis auf ein paar wenige Nebencharaktere fand ich die Besetzung sehr gelungen. Vor allem Friedl Morgenstern als Mirai überzeugte mich sehr, wobei ich Stimme etwas mädchenhafter klingt als ihr japanisches Gegenstück, aber es passt trotzdem noch gut zum Charakter. Für Texttafeln gibt es eine eigene Tonspur für die dt. Synchronisation, aber leider wurden die beiden Lieder im Vor-/Abspann nicht untertitelt. Suffixe wurden wie bei Eden of the East sowohl in der Synchronisation als auch in den Untertiteln beibehalten.

Das Menü bietet Animationen und ist übersichtlich und gut zu bedienen und Kapitel sind auch platziert worden. Etwas schade fand ich, dass es kein Markierung zwischen Abspann und der Mini-Vorschau gab.

Auf jeder DVD gibt es Trailer zu anderen Universum Anime-Produkten und auf der 3. dann etwas Bonusmaterial in Form einer Bilder-Slideshow (die man erst nach der  Serie gucken sollte), Trailer und TV-Spots. In Japan gab es wohl noch etwas mehr Bonusmaterial, wenn mich CD-Japan nicht täuscht und bei der Thematik wäre sicherlich mehr drin gewesen. Aber vielleicht wäre das wegen dem Bezug zu den Geschehnissen in Japan früher in diesem Jahr vielleicht etwas unpassend gewesen.

Fazit

Ich finde es von Universum Anime ziemlich mutig eine solche ungewöhnliche Serie hierzulande zu veröffentlichen (der aktuelle Bezug war ja bei der Lizenzierung unbekannt), da sie doch viele ansonsten hier erfolgreiche Zutaten nicht enthält. Wenn man sich überlegt, dass dieser 11-Teiler noch nicht mal in den USA veröffentlicht wurde, überraschte mich die Lizenz sogar noch mehr. Man hat aber trotzdem eine tolle Synchronisation produziert und auch ansonsten eine sehr schöne Veröffentlichung auf die Beine gestellt. Hier können auch ruhig Leute zugreifen, die aktuelle Serien eher nicht mögen, denn dieses Werk folgt keinen Trends, sondern ich würde es als zeitlos bezeichnen. Vor allem wenn man mal ein ernstes Drama in animierter Form sehen will, sollte hier zugreifen. Auch wenn die 2 der Hauptfiguren sehr jung sind, ist die Thematik zweifelsohne sehr erwachsen und gut umgesetzt worden.

Vielen Dank an Universum Anime für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!