Eigentlich hatte ich nicht unbedingt vor einen Review zu der deutschen Veröffentlichung zu schreiben, da ich noch genug Blu-rays zum Vorstellen habe, aber wenn man schon ein Rezensionsexemplar hat, dann sollte man dem Werk schon einen Artikel gönnen. Da ich viele A-1 Pictures Anime vor allem optisch gelungen fand, war ich gespannt, wie denn ihr erster abendfüllender Spielfilm geworden ist.

Ich hatte den Film als „lose“ DVD erhalten, so dass ich nichts zur Verpackung sagen kann, aber hier ist das Cover aus den Pressematerialen:

Der Inhalt

Die Handlung startet mit einer kurzen Actionsquenz, in der sich offensichtlich Außerirdische irgendwo in Japan auf dem Land bekämpfen. Einer von ihnen bleibt offensichtlich zurück und die Handlung wendet sich einigen Kindern zu, die ein paar Tage in einer Schule Zeit zusammen ohne Aufsicht verbringen sollen. Die Zweitklässlerin Amane ist sauer auf Ihre ältere, sehr lebhafte Cousine Natsuki, da letzterer ein Kaninchen entlaufen ist. Koji ist auch etwas jünger und beschäftigt sich gerne mit übernatürlichen Dingen wie UFOs. Kiyoshi ist als Sechstklässler der Älteste der Gruppe und versucht deswegen die Führungsposition zu übernehmen. Noriko dagegen ist ziemlich schreckhaft und möchte später mal berühmt werden.

Während sie im Wald spielen, finden sie einen kleinen, verwundeten und bewusstlosen Hund, den sie gesund pflegen möchten, der sich dann aber nach dem Aufwachen als Pochi vorstellt(!). Er ist auch kein Hund, sondern ein Außerirdischer vom Planeten Wan, der auf der Erde ist, um eine bestimmte Pflanze zu finden, hinter der auch ein paar finstere Schergen her sind. Aus Dankbarkeit bietet er ihnen an, sie auf einen Trip zum Mond mitzunehmen, der überraschenderweise auf der abgewandten Seite zur Erde eine futuristische Stadt voller Aliens bietet. Leider gestaltet sich dann aber die Rückkehr als etwas komplizierter als geplant…

Die Handlung bietet dann noch die ein oder andere Entwicklung und richtig „dramatisch“ wird es im Prinzip erst, wenn mehr als eine Stunde des Films vorbei ist. Bis dahin plätschern die Geschehnisse so dahin und überhaupt fand ich den Ablauf etwas seltsam, denn viel Zeit wird für mehr oder weniger Slice-of-Life Szenen verwendet, die alle recht gut zu einem Familienfilm passen, aber in der 2. Hälfte des Films hatte ich teilweise Probleme zu verstehen, was eigentlich gerade passiert und warum. Ich bin mir nicht sicher, ob Kinder sich da groß den Kopf drüber zerbrechen werden, warum die Bösen wie etwas machen, aber ich denke, diese sollten bei über 2 Stunden Laufzeit eh irgendwann leichte Probleme mit der Konzentration kriegen. Schlecht ist die Handlung keineswegs, jedoch hätte ich mir gewünscht, dass man den Film etwas gestraffter erzählt und sich etwas mehr auf das Wesentliche beschränkt hätte. Das hätte der Handlung zumindest gut getan.

Allerdings finde ich gut, dass man offensichtlich versucht hat, nicht ganz simples Kinder-Sci-Fi zu machen, das die Intelligenz von Erwachsenen beleidigt. Der Film ist nicht so märchenhaft wie ein Ghibli-Film, aber auch nicht so frech wie manch Hollywood-„Kinderfilm“ wie z.B. Die Goonies oder Explorers. Wobei ich gerade sehe, dass Kinder dank der FSK12-Freigabe Welcome to THE SPACE SHOW wohl eh nicht sehen „dürfen“. Ich kann mich aber eigentlich nur an wenige Szenen erinnern, wo ich mich wunderte, ob die tatsächlich in einem Kinderfilm drin sein sollten. Da in Japan Kindern schon bei Naruto & Co mehr zugetraut als hierzulande, vermute ich aber schon, dass er als traditioneller Familienfilm konzipiert war.

Besonders gelungen fand ich ich aber die vielen Außerirdischen und das Design der Welt. Hier gab es vor allem in den Szenen in der Stadt auf dem Mond an jeder Ecke etwas zu entdecken und die Technik bot auch viele interessante Ideen. Hier zeigte der Film auch deutlich seine Stärken, da zwar der Computer teilweise bei Kamerafahrten eingesetzt wurde, aber sehr vieles noch per Hand gezeichnet ist. Sogar die Raumschiffe (bis auf die Untertasse) sahen für mich eher traditionell animiert aus. Die Optik erinnert stark an andere A-1 Pictures-Produktionen. Die Hintergründe auf der Erde waren vom Stil her ähnlich wie bei Ano Hana und die Animationen sind wie bei dem Studio üblich sehr flüssig und lebhaft. Von der zeichnerischen Qualität sind die einzelnen Charaktere nicht gerade detaillierter als in manch aktuelle TV-Serie, aber dafür ist einfach mehr los auf dem Bildschirm und die Bewegungsabläufe sind aufwendiger.

Technisch finde ich den Film zumindest sehr gelungen, da vor allem die Actionsequenzen gut gemacht sind und Kinoqualität haben. Toll sind auch die Spezialeffekte wie Funken, Rauch und Lichteffekte. Das Charakterdesign stammt von Masashi Ishihama (Read or Die, Dragon Crisis!), der dafür gesorgt hat, dass die Charaktere sich deutlich voneinander unterscheiden, wobei es sich eher um ein Standardanimedesign handelt, so dass man meint, manch Charakter schon einmal in einem anderen Anime begegnet zu sein. Das Design der Aliens finde ich sehr gelungen und viele Außerirdische sind sehr niedlich geraten. Die Musik passt gut zu so einem Sci-Fi-Abenteuerfilm, aber die einzelnen Stücke fand ich nicht sonderlich einprägsam. Um den Film wohl internationaler zu machen, hat man Susan Boyle das Lied im Abspann singen lassen, was auch ganz gut passt.

Die Technik

Die Bildqualität ist für eine DVD ganz gut, allerdings gab es doch in einigen Szenen mit vielen Bewegungen Artefakte zu sehen. Da der Film aber für MPEG2 einige sehr komplizierte Szenen bot, sind diese kleinen Macken aber zu verschmerzen, denke ich. Allerdings wäre noch Platz für eine höhere Bitrate auf der DVD gewesen. Es wurden übrigens wohl wieder HD-Master genommen, so dass die PAL-Auflösung scheinbar komplett ausgenutzt werden konnte. Zwar hätte der Film auf Blu-ray doch weitaus besser gewirkt, aber immerhin zauberte mein Blu-ray-Player noch ein ganz gutes Bild auf den Fernseher.

Ich habe den Film auf Japanisch mit deutschen Untertiteln geschaut und eben auch noch mal einige Szenen mit der deutschen Synchronisation. Ich fand beide gleichwertig, wobei die deutsche Synchronisation teilweise wieder etwas freier ist, aber dafür auch natürlich klingt. Einige Suffixe sind in wörtlicheren Untertiteln drin, andere nicht. In der Synchronisation habe ich gar keine mehr gehört, was ich bei so einem „Familienfilm“ auch vollkommen in Ordnung finde. Mich wunderte etwas, dass die titelgebende „Space Show“ zwar in der Synchronisation noch so genannt wurde, aber in den Untertiteln plötzlich mit Weltraumshow übersetzt wurde. Insgesamt kann man mit der deutschen Lokalisierung aber wirklich zufrieden sein. Beide Tonspuren liegen in 5.1 vor und nutzen auch die hinteren Boxen bei den Actionsequenzen ausgiebig.

Im Hauptmenü der DVD läuft das Titellied und einige Animationen im Hintergrund, der Rest der Menüs ist nicht animiert und bleibt stumm. An Bonusmaterial gibt es 2 Interviews, die auf der AnimagiC 2011 aufgezeichnet wurden.

Das erste Interview ist mit dem Regisseur Koji Masunari (u.a. auch R.O.D OVA/TV., Kamichu!). In den knapp 14 Minuten beantwortet er allerlei Fragen zur Entstehung des Films, die Unterschiede zu einer TV Serie und über die Entstehung von Besame Mucho (dem Kreativ-Team, das u.a. an dem Film gearbeitet hat). Überraschend fand ich, dass er scheinbar nur die Star Wars Prequels gesehen hat und nicht viel von Star Trek weiß. Dafür hat er sich wohl etwas von „Per Anhalter durch die Galaxis“ inspirieren lassen, was man, finde ich, auch etwas an einigen skurrilen Ideen und einigen Außerirdischen sehen kann.

Das 2. Interview wurde mit dem weiteren Ehrengast der Convention, dem Produzenten Tomonori Ochikoshi aufgenommen. Die Fragen sind hier recht ähnlich, wobei ich hier interessant fand, dass er etwas mehr an der kreativen Arbeit beteiligt zu sein scheint, als manch anderer Produzent. Dieses Video ist etwas mehr als 18 Minuten lang. Übrigens hatte ich selbst auch einen Artikel zum AnimagiC-Panel vom Samstag geschrieben, wo auch einige Fragen zum Film beantwortet wurden.

Ich finde es zwar schön, dass extra Interviews auf der AnimagiC aufgenommen wurden, allerdings ist schade, dass keine der Dokumentationen oder Making Ofs von der japanischen Veröffentlichung es auf die Scheibe hier geschafft haben.

Fazit

Inhaltlich sehe ich zwar einige Schwächen in dem Film, aber man wird schon ganz gut unterhalten in den rund 130 Minuten und da man viel für’s auge geboten kriegt, kann man hier ruhig zugreifen, wenn man mal wieder einen familienfreundlichen Anime schauen möchte, der mal nicht aus dem Hause Ghibli kommt. Vor allem die Lokalisierung fand ich wirklich gelungen, nur die tolle Optik hätte auf Blu-ray bestimmt noch imposanter ausgesehen.

Vielen Dank an Universum Anime für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!