Ein Review, der mir doch etwas schwerer fiel, denn da bekommt man wieder eine Anime-Serie auf Blu-ray und dann ist es eine doch etwas umstrittenere Serie.

Wenn Universum Anime eine Blu-ray veröffentlicht, dann machen sie es richtig für die HD-Fans und benachteiligen das neue Medium nicht mehr gegenüber der DVD. Das heißt, auch die Blu-ray hat eine ansprechende Verpackung in Form eines Slipcases für die Blu-ray-Hülle erhalten.

Man orientiert sich hierbei wieder an der japanischen Veröffentlichung. Der Sticker lässt sich entfernen.

Der Text auf der Rückseite gibt einem fast mehr Informationen als die ersten vier Folgen über die Welt von Appleseed, aber beschreibt ganz gut worum es eigentlich geht. Die technischen Informationen und sonstiges scheinen mir korrekt zu sein. Das Design finde ich insgesamt wirklich sehr gelungen.

Innen drin befindet sich dann eine Standard-Hülle, deren Inlay aber auch ein Wendecover bietet. Ein Booklet gibt es nicht.

Der Inhalt:

Ich bin recht unwissend im Appleseed-Universum und die vorliegenden 4 Folgen erzählen die Hintergrundgeschichte bzw. die Welt noch recht lückenhaft, als versuche ich mal mein Glück mit einer Zusammenfassung: Der Cyborg Briareos und die „Special Agent“ Deunan sind beide Mitglieder von ES.W.A.T., einer Eliteeinheit, die die futuristische Stadt Olympus beschützen sollen. Da die Welt sehr durch den 3. Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogen wurde, versucht man es in dieser Metropole besser zu machen und lässt sie durch die künstliche Intelligenz Gaia regieren. Zudem besteht der Großteil der Stadt aus „Bioroids“, gentechnisch veränderten Menschen, die eher am Allgemeinwohl interessiert sein sollen als der normale Mensch. Aber natürlich läuft auch in so einer Gesellschaft nicht alles rund und unsere beiden Protagonisten müssen sowohl zu Fuß mit der Waffe im Anschlag oder in ihren wuchtigen Kampfanzügen mit praktischen Flugmodus für Ordnung sorgen.

Während die erste Folge mit ein paar Rückblenden die Geschichte der beiden näher beleuchtet und scheinbar auch schon etwas die Rahmenhandlung mit 2 Einsätzen mit reichlich Action startet, dreht sich die 2. Folge um die Entführung eines Flugzeugs voller Bioroids, die von ein paar Rassisten nicht als Menschen angesehen werden. Folge 3 wendet sich wieder etwas mehr der Vergangenheit von Deunan zu und ihrer Beziehung zu ihrem Vater. Folge 4 fällt etwas raus, denn ein Polizeiroboter und ein kleines Bioroid-Mädchen spielen hier in einer recht gefühlvollen Geschichte die Hauptrolle und unser Einsatzteam rückt etwas in den Hintergrund.

Zunächst muss ich zugeben, dass ich zwar die beiden schon erhältlichen CGI-Appleseed-Filme gesehen habe, aber mich nur noch dunkel an diese erinnern konnte. Dort fand ich Actionsequenzen wirklich gut, aber die Charaktere sahen mir schon damals zu künstlich aus und die“ Emotionen“ kamen bei mir gar nicht an. Den Manga kenne ich nicht und auch den alten Anime habe ich nicht gesehen, deswegen war ich schon etwas skeptisch, als ich hörte, man versuche sich an einer CGI-TV-Serie. Allerdings hat der Mangaka Masamune Shirow auch die Manga-Vorlage zum Ghost in the Shell-Universum geliefert, aus dem die beiden tollen TV-Serien GITS: Standalone Complex entstanden sind, also bestand Grund zur Hoffnung.

Wenn man die Welt um Appleseed betrachtet, sieht man auch jede Menge Potential, um ähnlich wie in GITS:SAC tolle SciFi-Geschichten mit einer Prise Gesellschaftskritik zu ermöglichen. Leider gelingt Appleseed XIII dies in den ersten 4 Folgen noch nicht sonderlich gut. Mir fiel es sehr schwer der Handlung zu folgen, vor allem in der ersten Folge. Zwar ist das alles nicht sonderlich kompliziert, aber ich hatte ständig das Gefühl, dass ich etwas verpasst habe. Zudem springt die Beziehung zwischen Briareos und Deunan hin und her, was aber immerhin sogar selbst in der Serie angesprochen wird, aber während Deunan in der 3. Folge sehr genervt auf Briareos‘ Sorgen reagiert, verhält sich sie in den Folgen davor weitaus wärmer. Klar, verhalten sich Menschen nicht immer gleich, aber mir fehlte der rote Faden zwischen den Folgen. Die 4. Folge fand ich von der Handlung her noch am besten, auch wenn sie nicht sonderlich kreativ war, da sie emotional sogar recht gut funktionierte, mir aber auch nicht unbedingt 100% logisch vor kam. Mir ist auch nicht so ganz klar, was die ständigen Einblendungen mit Motiven aus der griechischen Mythologie sollen und in der 3. Folge fand ich es schon etwas witzig, dass sie tatsächlich eine Szene in einem Gang scheinbar innerhalb weniger Minuten mehrmals recycelt haben…

Das größte Problem bei der Serie war aber für mich, wie ich schon befürchtet hatte, die Optik. Schon bei den Kinofilmen störte ich mich an den Charakteranimationen, die mal mehr, mal weniger mit Celshading versucht haben den Anime-Stil zu kopieren. Hier versucht man gar kein Celshading, sondern erstellte 3D-Modelle der Manga-Charakterdesigns, die stärker nach CGI aussehen, aber immer noch Outlines haben. Zudem hat man die Texturen der Kleidung und Rüstungen mit ein paar Pinselstriche versehen, um ein gezeichneteres Aussehen zu erhalten (so ähnlich wie in Valkyria Chonicles, nur sah es dort einfach passender zur restlichen Optik aus).

Das Ganze ähnelt dann auch tatsächlich mehr der Mangavorlage und vor allem die Charaktere sehen teilweise sehr stark nach 80er-Jahre-Manga aus – weitaus mehr als die beiden Kinofilme. Zudem entschloss man sich die Hintergründe in 2D zu zeichnen und diese fand ich sogar wirklich hübsch und die Charaktere fügen sich sogar noch recht gut ein. Allerdings verliert man so natürlich auch einige Vorteile von Computeranimationen, denn die Kamerafahrten sind wieder recht eingeschränkt und in manch Actionszene wäre mehr Dynamik wünschenswert gewesen. Wobei man z.B. die Flugsequenzen in Folge 1 mit kompletten CGI-Hintergründen gemacht hat, die aber  auch sehr billig aussehen, da sie fast keine Details oder Texturen boten. Besser sieht der Luftkampf in Folge 2 aus, der zwar einen wohl zumindest teilweise gezeichneten Himmel bot, aber trotzdem sehr dynamisch inszeniert war (auf die Szene wird im Bonusmaterial auch hingewiesen).

Übrigens unterscheiden sich die Folgen sehr stark bei den Animationen der Figuren, denn man entschloss sich, dass jeweils unterschiedliche Firmen die Charakteranimation übernehmen sollten. Das führt dazu, dass zwar die Charaktermodelle noch recht ähnlich sind, aber die Mimik und die Ausdruckskraft teilweise sehr stark variieren können. Im Bonusmaterial klang es so, als wäre nur in Folge 4 Motion Capturing verwendet worden und ich würde auch sagen, diese bietet die natürlichsten Bewegungen bei den Charakteren. Ansonsten wurde „per Hand“ animiert und man kann gut sehen, dass die Firmen zwar wohl schon etwas Erfahrung auf dem Gebiet haben, aber normale Standards, die man aus CGI-Kinofilmen oder allerlei Spielezwischensequenzen kennt, einfach nicht erreichen. Vieles sieht einfach sehr steif und ungelenk aus. Überhaupt erinnerten mich viele Laufanimationen vor allem im Hintergrund an Videospielanimationen, und noch nicht mal an welche aus aktuellen Werken, sondern eher aus der Playstation 2-Ära.

Der Detailgrad einiger Nebencharaktere lässt dann auch etwas zu sehr zu wünschen übrig und in Folge 2 oder 3 hat man sogar gesehen, dass die Texturen auf der Rüstung von Briareos bei Nahaufnahmen verpixelten. Zudem wurde auch ein weiteres Problem aus der Videospielwelt übertragen, denn mehr oder weniger starkes Kantenflimmern, vor allem in Deunan’s Haaren, ist oft sichtbar. Man mag nun denken, dass vielleicht beim Mastern der Blu-ray etwas schief gegangen ist, aber in Folge 4 gab es kein Flimmern und die Konturen waren ruhiger.

Man mag nun argumentieren, es handele sich ja nur um eine TV-Serie und das Budget ist vermutlich dementsprechend niedrig gewesen, aber die meisten Szenen hätte man auch ohne Probleme im Animestil zeichnen können, denn die Hintergründe bewegten sich sowieso eher selten und so viele Charaktere bevölkern nun eh nicht das Bild. Technische Dinge wie Kampfanzüge kann man gerne mit CGI machen und gerade Tiger & Bunny hat letztes Jahr gezeigt, wie man CGI und Anime zu einem sehr hübschen Ganzen in einer TV-Serie verbinden kann. Dort agierten die Kampfanzüge doch ziemlich überzeugend mit den handgezeichneten Charakteren. Vor allem wenn es um die Darstellung von Emotionen geht, kann man mit wenigen Strichen einfach mehr transportieren als mit niedrig budgetierten 3D-Animationen. Es ist kein Wunder, dass es einige Jahre gedauert hat, bis sich Pixar an Filmen mit menschlichen Charakteren versucht haben und im Kino ist man einfach mittlerweile eine gewisse Qualität gewöhnt und wenn man dann künstlich agierende 3D-Charaktere sieht, wirkt es einfach schlecht.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich bei dem Thema etwas sensibler bin als manch anderer, aber wenn ich mir z.B. den Stil von Valkyria Chronicles auf der PS3 anschaue, was auch Pinselstriche simuliert, dann erreichte man mit dem Gemisch an animemässigen Texturen und 3D-Modellen eine sehr überzeugende Darstellung. Die Charaktere schaffen es dort auch in den Zwischensequenzen erfolgreich Emotionen zu transportieren und vieles war dort sogar in Spielgrafik.

Positives kann ich allerdings über die Musik von Conisch (u.a. Hetalia und Mardock Scramble) vermelden, denn diese passt gut zum Setting und nutzt sogar die hinteren Boxen hin und wieder. Die japanischen Seiyuus wurden (wie die dt. Sprecher) gegenüber den Filmen ausgetauscht und sie machen ihre Sache wie gewohnt gut. Für die beiden Protagonisten wurden sogar sehr bekannte Namen ausgewählt, für Briareos Kouichi Yamadera (Spike in Cowboy Bebop, Kaji in Evangelion, Togusa in GITS) und für Deunan Maaya Sakamoto (Hitomi in Vision of Escaflowne, Mari in Evangelion 2.0, Shinobu in Nisemonogatari, Shiki in Kara no Kyoukai).

Wenn man jeden SciFi-Anime haben muss (es gibt ja eh nicht viele) oder das Appleseed-Universum sehr mag, dann kann man hier schon zugreifen. Zudem wird sich der ein oder andere wohl auch mit der Optik anfreunden können, aber für mich lenkte sie einfach zu sehr von den Charakteren selbst ab und mir fehlte einfach das gewisse Etwas, das Anime zu einem solch interessantem Medium macht.

Die Technik

Bei Bild und Ton liefert Universum Anime wieder eine gute Arbeit ab, auch wenn das Encoding wieder mal bei Verläufen nicht gerade die sauberste Arbeit macht und manchmal kleine Stufen produziert. Auch scheint gerade in einigen Flugsequenzen das Bild nicht ganz sauber, aber da muss man schon recht genau hinschauen. Große sichtbare Artefakte konnte ich aber nicht erkennen. Die Schärfe schwankt, denn vor allem in Großaufnahmen wirken die Konturen oft sehr scharf, wenn die Charaktere aber etwas Hintergrund stehen, wirken diese teilweise etwas verschwommen. Die Hintergründe selbst bieten nicht mehr als die meistens üblichen 720p an Details bei Anime. Die Qualität schwankt aber zwischen den Folgen, wobei gier natürlich das Encoding auf der Blu-ray nicht viel Einfluss nehmen kann. Das Kantenflimmern, das ich zuvor schon angesprochen habe, wird vermutlich schon im Master drin gewesen sein. Der Ton nutzt die 5.1 Spur für eine TV-Serie gut aus und man kann hören, dass die Serie schon so produziert wurde und z.B. die dt. Tonspur nicht später erst von 2.0 aus aufgeblasen wurde.

Da ich auch die DVD zugeschickt bekam, kann ich zumindest auch einen Vergleichsscreenshot bieten.

Das Bild ist auf der DVD anamorph abgelegt, also wird es hier gestreckt dargestellt. Wie auch bei anderen Veröffentlichungen holt UA noch einiges aus der alten DVD-Technik raus.

 

Ich habe nur kurz in die deutsche Synchronisation reingehört und fand sie ganz gut gelungen. Die Sprecher wurden gegenüber den Filmen ausgetauscht, aber dies wurde auch in Japan schon gemacht. Die Untertitel sind keine Dubtitles und enthielten keine Fehler. Suffixe habe ich keine entdeckt, aber mir fielen auch keine in der jap. Tonspur auf.

Das Menü ist recht einfach gehalten, bietet aber immerhin bewegte Bilder im Hintergrund, funktioniert tadellos und passt gut zur Serie.

Zu den vier Folgen haben sich auch 4 jeweils zehnminütige „Making Ofs“ auf die Scheibe gesellt, die die unterschiedlichen Herangehensweisen und Techniken der verschiedenen beteiligten Firmen beleuchtet. Ich fand das doch sehr interessant, auch wenn ich mit ihrer Arbeit eigentlich weniger zufrieden war. ^^;

Spezifikationen

Länge:  0:22:43.779 pro Folge
Größe der Folgen: 17.790.683.136
Gesamte Disk: 23.843.365.319
Bitrate der Folgen: 26,18 / 26,10 / 26,00 / 26,08 Mbps/ Anteil Bild: 19989 / 19989 / 19992 / 19992 kbps

Bild Folge 1:
MPEG-4 AVC Video        19989 kbps          1080p / 23,976 fps / 16:9 / High Profile 4.1

Ton Folge 1:

DTS-HD Master Audio             German          2279 kbps       5.1 / 48 kHz / 2279 kbps / 16-bit (DTS Core: 5.1 / 48 kHz / 1509 kbps / 16-bit / DN -3dB)
DTS-HD Master Audio             Japanese        2259 kbps       5.1 / 48 kHz / 2259 kbps / 16-bit (DTS Core: 5.1 / 48 kHz / 1509 kbps / 16-bit)

Untertitel:
Deutsch (Dialog/Text im Bild)
Deutsch (Text im Bild)

Ländercode:
B (getestet mit Code A PS3, C kann ich nicht testen)

BDInfo

Fazit

Im Vergleich zu den letzten Veröffentlichungen aus dem TV-Anime-Bereich von Universum Anime ist Appleseed XIII für mich der schwächste Vertreter, wird aber wohl auch einige Fans finden, die sich eher mit einer solchen Optik anfreuden können, ich gehöre eher nicht dazu. Die Veröffentlichung auf Blu-ray ist wieder ein Schritt in die richtige Richtung, aber während vor allem Madoka Magica sowohl optisch als auch inhaltlich mich und viele andere auf ganzer Linie überzeugen konnte, kann zumindest mich Appleseed XIII in beiden Punkten nicht begeistern , so dass der Shaft-Hit eher auch eine solche HD-Behandlung verdient hätte. Ich bin gespannt, wie gut Appleseed XIII von den Anime-Fans aufgenommen wird und würde mich freuen, Eure Meinungen in den Kommentaren zu lesen, da ich gerade bei diesem Review mich wundere, ob mir vielleicht etwas bei der Serie entgangen ist.

Vielen Dank an Universum Anime für das Rezensionsexemplar!