Puh, dieser Artikel hat mal wieder etwas länger gedauert als geplant, und wie immer habe ich etwas genauer hingeschaut, was die Scheibe technisch zu bieten hat. Bei der Handlung konnte ich es auch nicht lassen, etwas auf den bekannten Klischees rumzureiten.^^;

Diesmal wurde der Blu-ray auch eine schönere Verpackung gegönnt:

Das FSK-Zeichen gehört zur Plastikfolie, „verschandelt“ also nicht das Cover. 

Das Design auf der Rückseite finde ich gelungen, aber 2(3) Fehler haben sich eingeschlichen: Zum einen ist auf der Blu-ray überhaupt kein dts-HD Master Audio drauf, zum anderen wurde der Copyright-Hinweis unten wohl von Code Geass übernommen. Und wenn man es genau nimmt, ist die Blu-ray nicht nur Ländercode B, sondern scheinbar auch A, da meine amerikanische PS3 die Scheibe auch geschluckt hat (ein „Fehler“ im Sinne des Kunden).

Innen trifft man dann wieder auf das FSK-Zeichen und eine weitere Illustration, die von einem anderem Volume als das Titelbild in Japan stammt. Leider kommt man gar nicht so leicht an diesen Innenteil dran, denn der Schuber ist recht eng und man muss etwas kämpfen, um an den Inhalt zu kommen.

Nach dem Aufklappen wird dann noch von ein paar Extras begrüßt: 

Postkarten und Tarotkarten – das Booklet gibt es wieder nur bei den DVDs. Die Tarotkarten gab’s übrigens auch bei der japanischen Veröffentlichung.

Wie immer bei Kazé ist die Verpackung gut vearbeitet, könnte aber ruhig das nächste Mal etwas weiter sein.

Der Inhalt

Rin Okumura ist der typische Hauptdarsteller einer Shounen-Serie, ein Außenseiter, der missverstanden, aber herzensgut ist, und dank eines Geheimnisses ordentlich in Kämpfen austeilen kann. Er ist nämlich der Sohn Satans, während sein Zwillingsbruder Yukio bei der Verteilung von Dämonenkräften leer ausging und eher die Gene der menschlichen Mutter sich durchgesetzt haben. Wir erleben natürlich in den ersten Folgen, wie Rin seine Kräfte entdeckt und vorheriges Leben regelrecht zerstört wird, damit er mit Yukio an eine neue Schule kommen kann, an der er mit anderen Exorzisten-Schülern lernen kann, wie er gegen die Schergen Satans kämpfen kann.

Einige Details habe ich einfach mal ausgelassen, damit Nichtkenner der Serie zumindest auf ein paar der Enthüllungen in den ersten Folgen nicht viel besser vorbereitet sind als der arme Rin, der mehrmals merken darf, dass seine Mitmenschen oft mehr über ihn wissen als er selbst. Ich habe den Manga nicht gelesen, aber man merkt deutlich, dass man am Anfang richtig auf die Tube gedrückt hat, um die Zuschauer (und wohl in der Vorlage die Leser) mitzureißen. Dämonen greifen an, deren Chef persönlich schaut vorbei und der obligatorische Schicksalsschlag darf auch nicht fehlen. Sobald es an die Schule geht, schaltet der Anime aber ein paar Gänge runter, denn wie in anderen Vertretern des Genres muss er nun erst mal den einzelnen Klassenkameraden näher kommen, die ihn natürlich am Anfang nicht mögen. Der Serie gelingt dies doch ganz gut, auch wenn man von vielen Entwicklungen in diesen Folgen nicht unbedingt mehr überrascht wird. Ob nun die schüchterne Shiemi, die arrogante Izumo oder der charakterliche Rivale Ryuuji, alle dürfen die Qualitäten von Rin kennen lernen. Die Stimmung ändert sich auch sehr nach den ersten Folgen, von recht ernster Dämonen-Action mit wenigen Comedy-Elementen hin zu Schul-Comedy mit eingestreuten übernatürlichen Elementen.

Wie man schon merkt, hat man vieles schon in ähnlicher Form irgendwo gesehen, aber man muss der Serie zu Gute halten, dass sie das alles sehr gut verpackt und sehr sympathische Charaktere bietet. Auch der Humor ist gelungen und sogar ein paar romantische Elemente haben sich eingeschlichen. Die Action sieht vor allem in den ersten Folgen auch sehr gut inszeniert aus und befindet sich im oberen Drittel der TV-Serien, vor allem für ein Shounen-Werk kriegt man einiges optisch geboten. Allerdings sahen einige Computeranimationen in diesem „Dämonenmeer“ doch etwas arg nach CGI aus, aber ansonsten fand ich das meiste sehr überzeugend. Auch einige Hintergrundcharaktere wurden mit dem Computer gemacht, aber da musste man schon recht gut hingucken, um sie als solche zu identifizieren. Die Animationen an sich sind flüssig und das Charakterdesign ist optisch ansprechend, wobei man über die Platzierung der Augenbrauen teilweise etwas streiten kann. Man versuchte wohl auch die weiblichen Charaktere nicht zu Bishoujo-mässig aussehen zu lassen, aber z.B. Shiemi sieht doch sehr niedlich aus, aber irgendwie auch recht „normal“, was gut zu ihrem Charakter passt. Mehr Wert wurde hier aber wirklich auf die männlichen Charaktere gelegt und bei Rin frage ich mich nur, warum denn niemand sich über seine Ohren bzw. seine Zähne wundert…

Einige SD-Elemente haben sich auch eingeschlichen, die sich gut in das Gesamtbild einfügen. Die Hintergründe sind recht detailliert, wobei andere Serien des Studios A-1 Pictures wie Ano Hana schon weitaus mehr für’s Auge geboten haben. Im Vergleich zu anderen Serien des Genres hat man hier aber doch recht überzeugende Arbeit abgeliefert. Ich habe mir die vorliegenden 7 Folgen wieder in der japanischen Synchronisation gegönnt, die wie gewohnt sehr überzeugende Leistungen der Sprecher bietet. Vor allem Nobuhiko Okamoto (Io in Acchi Kocchi, Eiji Nizuma in Bakuman, Takumi Usui in Maid-sama) als Rin füllt die Rolle des temperamentvollen, aber auch sensiblen Hauptcharakters sehr überzeugend aus. Zudem liefert z.B. auch Kana Hanazawa (Tenshi in Angel Beats!, Anri Sonohara in Durarara!!, Kusano in Sekirei) als Shiemi wieder einmal eine sehr niedliche Performance, die auch „schauspielerisch“ sehr überzeugt. Rin’s Bruder Yukio wird von Jun Fukuyama (Lelouch in Code Geass, Tori Aoi in Kyoukai Senjou no Horizon, Souta Takanashi in Working!!) gesprochen und Eri Kitamura (Yui in Angel Beats, Ami in Toradora!, Kureha in Sora no Woto) darf mal wieder etwas arrogant als Izumo klingen.

Der Regisseur Tensai Okamura konnte zuvor schon in Wolf’s Rain und bei den Darker Than Black-Staffeln zeigen, dass er weiß wie man mit TV-Budget feine Action liefert, und auch der Komponist des Soundtracks Hiroyuki Sawano (Guilty Crown, Sengoku Basara) liefert vor allem in den Action-Szenen eine sehr passende Untermalung. Man merkt deutlich, dass die Serie nicht als Endlosserie konzipiert war, denn die meisten Episoden nach dem Anfang sind zunächst einmal in sich abgeschlossen und wirken nicht gestreckt wie in manch Jump-Anime. Auch wurde hier an einigen Stellen ein deutlich höheres Budget zu Verfügung gestellt als z.B. in Fairy Tail, was auch u.a. auch von A-1 Pictures produziert wird, was die Serie optisch deutlich imposanter macht. 

Zumindest in den ersten 7 Folgen macht die Serie sehr viel Spass, auch wenn man alles irgendwo schon mal gesehen hat, aber es ist immerhin gut kombiniert worden. Leider entgleist Blue Exorcist dann etwas in den finalen Folgen, aber bis dahin hat man, wenn ich mich recht erinnere, noch viele vergnügliche und spannende Folgen vor sich.

Die Technik

Mit Blue Exorcist liefert Kazé nun ihre erste TV-Serie auf Blu-ray und dieser Schritt ist schon einmal sehr zu unterstützen und die Vorteile einer Blu-ray werden bei dieser Veröffentlichung doch gut sichtbar. Das Bild bietet eine recht gute Schärfe, wobei die Serie wie auch viele Filme aus den letzten Jahren noch nicht in Full HD produziert wurden (eher ~720p) und nicht an die Bildqualität z.B. eines Ghibli-Films rankommt. Leider hat man wohl Wert darauf gelegt, nur eine BD25 für die 7 Folgen zu verwenden, was der Bitrate nicht gerade zugute kommt, denn 17424 kbps ist nicht viel, für eine Serie mit recht viel Action. Zum Vergleich hatte Universum Anime’s Eden of the East auch nur etwas mehr (18993 kbps) und Appleseed XIII bot auch nur 19989 kbps. Von japanischen Veröffentlichungen fange besser gar nicht erst an, aber nenne nur nur mal die Werte von Ano Hana Vol. 1, welches zur gleichen Zeit wie Blue Exorcist lief in Japan und auch von A-1 Pictures animiert wurde: 37845 kbps…

Klar, die nackten Zahlen sagen nicht viel über die Bildqualität aus und ich habe die jap. Blu-rays nie mit eigenen Augen gesehen und mir sind auch keine Screenshots über den Weg gelaufen, aber beim Anschauen der Serie hatte ich schon die Vermutung, dass das Encoding etwas überfordert war, denn vor allem in Verläufen konnte man viele Abstufungen sehen und das Rauschen war nicht mehr sonderlich fein, sondern zeigte oft Flächenbildung.

Da ich keine Vergleichsmöglichkeiten habe, kann ich natürlich nicht sagen, was schon Teil des Masters ist bzw. an welchen Stellen man auch einfach an die Grenzen der Technik stößt, aber ich denke, mit höherer Bitrate wäre eine bessere Qualität möglich gewesen und bei Ano Hana sieht das Bild doch etwas knackiger aus. Ansonsten sind mir aber keine richtigen Macken im Bild aufgefallen, die Farben leuchten, wenn es gewollt ist, und der Detailgrad liegt deutlich über DVD.

Wenn man nun allerdings einen Blick auf den Ton wirft, merkt man wieder, dass man etwas mit dem Platz auf der Scheibe kämpfen musste, denn leider befinden sich keine unkomprimierten Tonspuren oder HD-Tonformate auf der Blu-ray sondern nur Dolby Digital Audio mit der hohen Bitrate 320 kbps, was sogar auf DVD noch möglich sein sollte (wobei man oft dort niedrigere Bitraten nimmt). Hier erreicht man also im Prinzip gar keine HD-Qualität – im allgemeinen verwenden die meisten Anime-Blu-ray-Veröffentlichungen weltweit PCM 2.0, DTS Master Audio oder Dolby TrueHD, welche eine bessere Tonqualität bei passenden Mastern bieten als Dolby Digital. In Japan wurde wie bei den meisten Veröffentlichungen einfach der unkomprimierte PCM-Ton auf die Scheiben gepackt.

Die Tonspur hörte sich aber schon gut an für eine Stereospur und ich bin mir nicht sicher, ob ich mit meiner Anlage überhaupt den Unterschied zwischen PCM und Dolby Digital 2.0 mit 320 kbps hören kann, aber schade finde ich es schon, wenn man in dieser Hinsicht keine HD-Qualität bietet. Einen 5.1-Mix gibt es in Japan übrigens auch nicht und ich erwarte nicht, dass ein dt. Publisher einen eigenen erstellt.

Die deutsche Synchronisation reiht sich in die guten Lokalisationen aus dem Hause Kazé der letzten Zeit ein, wobei vor allem die Nebencharaktere doch teilweise sehr anders klingen (z.B. Shiemi’s Mutter). Die Hauptcharaktere passen besser, wobei mir bei Shiemi Kana Hanazawa’s Stimme weitaus besser gefällt, da diese einfach besser zum Charakter passt und Rieke Werner hier doch etwas zu sehr nach deutschen Standard-Anime-Mädchen-Dub anhört. Zumindest bereitet mir hier der jap. Dub weitaus mehr Freude, wobei ich z.B. beim K-ON!-Dub mir dachte, dass die dt. Fassung hier noch etwas mehr Leben ausstrahlte. Ich habe aber eh nur ein paar ausgewählte Szenen mir auf deutsch angeschaut, deswegen sind dies hier nur Eindrücke. Schauspielerisch fand ich das Gehörte aber durchgehend gelungen. Was Suffixe angeht, war ich etwas verwirrt, denn eigentlich dachte ich zunächst, dass sie weggelassen werden im Dub, aber Shiemi sagte mindestens einmal „Yukio-chan“. 

Es gibt 2 Untertitelspuren, einmal für die Schilder und einmal für alles. Die kompletten Untertitel enthalten Suffixe und mir sind keine Macken aufgefallen. Das OP/ED werden abwechselnd „japanisch“ und „deutsch“ untertitelt.

Das Menü ist einfach gehalten, funktioniert aber gut und bietet die nötigen Funktionen.

Es gibt zwar Kapitel in den Folgen, diese lassen sich aber nicht aus dem Menü direkt auswählen.

Auch die die Credits haben wieder einen eigenen Menüpunkt erhalten:

Auch ein Opop-Menu lässt sich beim Abspielen aktivieren: 

Bis auf ein paar Trailer gibt es auf der Scheibe nichts außerhalb der Folgen, wobei die Bonusanimationen ja noch in späteren Volumes folgen sollen.

Spezifikationen

Länge:  Folge 1: 25:29, Folgen 2-6: 24:05
Größe der Folgen: 24.325.306.368 Bytes
Gesamte Disk: 25.017.700.744 bytes
Bild:

MPEG-4 AVC Video        17424 kbps          1080p / 23,976 fps / 16:9 / High Profile 4.1
Ton:
Dolby Digital Audio             Japanese        320 kbps        2.0 / 48 kHz / 320 kbps
Dolby Digital Audio             German          320 kbps        2.0 / 48 kHz / 320 kbps

Untertitel:
Deutsch
Deutsch (Schilder etc.)

Ländercode:
A, B, C

BDInfo

Fazit

Wie immer habe ich mich etwas kritisch mit der Technik auseinandergesetzt, aber da Kazé nicht gerade die günstigsten Blu-rays auf dem Markt hat, kann man hier schon mal etwas genauer hinschauen, denn der Kunde soll dann natürlich auch hohe Qualität bei verhältnismäßig hohen Preisen bekommen. Die angesprochenen Schwächen sind nicht wirklich schlimm, aber schade, dass man auch auf Blu-ray kein perfekteres Bild- und Tonerlebnis bieten kann. Und je mehr HD sich durchsetzt und je mehr sich die Leute an einen gewissen Standard gewöhnt haben, desto mehr werden dann kleine Macken wie hier ins Gewicht fallen.

Wenn man Shonen-Serien, die nicht endlos laufen sollen, mag, dann kann man hier ruhig zugreifen. Die Vorteile der Blu-ray-Technik zeigen sich hier auch klar, es wäre nur schön in Zukunft auch die technischen Möglichkeiten besser ausgenutzt werden. Das heißt, größere Discs zu nehmen, die natürlich auch teurer in der Produktion sind.