Ein kleiner Anime-Review zwischendurch, natürlich zu meiner Lieblingssserie dieser Season, passend zur Seite. ^_^

Die Screenshots übernehme ich einfach mal aus meinem First Look zur ersten Vol. 1 der Blu-rays. Es ist auch eher ein schnell runter geschriebener Artikel und da ich jede Folge bei der Ausstrahlung gesehen habe, kann ich mich nicht nicht mehr an alle Aspekte erinnern.

Wenn Kyoto Animation eine neue Serie macht, sind die Ansprüche gleich immer etwas höher und der ein oder andere kritisiert deswegen auch gleich mal rum, wenn die 1. Folge mal nicht so stark mitreißend ist wie in Random Serie B, die 50% des Serienbudgets gefühlt in die erste Folge investiert hat. Bei Hyouka war das nicht anders, die Serie steckt sehr viel Geld offensichtlich in die Animatione, aber halt nicht in furiose Actionsequenzen, sondern eher in flüssige Charakteranimationen, was natürlich etwas weniger auffällt. Dann ist natürlich auch immer das Problem, dass KyoAni seit K-ON! regelmäßig etwas auf den Deckel für ihr Charakterdesign bekommt, was oftmals eher auf „niedlich“ getrimmt ist, aber weitaus mehr Lebendigkeit ausdrücken lässt als man das aus Random-Anime C kennt. Und man darf ja nicht vergessen, K-ON! war ein Super-Hit, also warum soll man etwas an dieser Formel ändern? Es ist ja nicht so, dass Serien mit ungewöhnlichen Charakterdesign sich besonders gut verkaufen würden, eher das Gegenteil ist der Fall. Und der Witz ist ja, wer Kyoto Animation bei Hyouka vorwirft, sie würden wieder eine Mainstream-Serie, der hat die Serie nicht verstanden bzw. guckt nicht genug Anime, meiner Meinung…

Die Charaktere fallen schon mal etwas raus aus dem Einerlei. Der Male-Lead Houtarou Oreki ist sehr klug und scharfsinnig, aber eher etwas unmotiviert, wenn nicht sogar ausgesprochen faul (er nennt es „energiesparend“. Er hat aber einen vernünftigen Gerechtigkeitssinn und ist sogar recht moralisch. Eru Chitanda, vermutlich der Animecharakter mit auffälligsten Ausstrahlung seit langer Zeit, ist hübsch, sehr klug, aber auch sehr neugierig. Sie stammt aus gutem Hause, zeigt sich aber gerne eher von der verspielten Seite und ist teilweise etwas naiv, andererseits hat sie aber auch erwachsene Seiten. Sie ist der klare Gegenpol zu Houtarou und nur sie schafft es, ihn zu motivieren. Wie Eru (recht unbewusst) ihren Charme einsetzt, sieht man im Prinzip aus der Perspektive von Houtarou, und ich glaube, nie wurde die „Bezauberung“ schöner umgesetzt wie hier. Es wird wirklich sehr früh klar, dass er sich so gut einwickeln lässt von ihr, da er Ihrem Charme einfach hoffnungslos erlegen ist. In dem Klassische-Literatur-Klub sind zudem noch weitere konträre Charaktere: Die etwas unscheinbare Mayaka Ibara ist frech und etwas unsicher, und ist zudem noch recht offen in den 2. männlichen Charakter der Serie, Satoshi Fukube, verliebt. Dieser ist sehr viel lebhafter als Houtarou und zeichnet sich durch sein gutes Gedächtnis aus, lächelt viel, was aber oft recht gespielt ist.

Das ganze wurde ja etwas als Mystery-Serie „angekündigt“, aber Morde oder schlimme Verbrechen werden hier nicht behandelt und auch übernatürliche Aspekte kommen gar nicht vor. Stattdessen sind die Mysterien größtenteils sehr unspektakulär und einige könnte man auch selbst erleben, nur dass man sich dann wegen Desinteresse bzw. mangelnden Könnens wohl gar nicht an einer Aufklärung versuchen würde. Ich bin kein Mystery-Fan und Krimis mag ich nicht, aber hier fand ich die eher realistischen „Fälle“ recht interessant, vor allem, da auch oft die menschlichen Aspekte eher in den Vordergrund gerückt wurden. Ohne die sehr hartnäckige Chitanda hätte sich wohl eh niemand um die Aufklärung gekümmert.

Die Fälle an sich waren aber offensichtlich nicht der wichtigste Aspekt der Serie, sondern die Charaktere und ihre Entwicklung. Man mag es nun als Slice-of-Life bezeichnen, denn viel passiert hier nicht, aber es geht weniger um die lose Aneinanderreihung von Alltagsszenen, sondern da steckt schon eine größere Rahmenhandlung hinter, die man aber auch eher unter dem Aspekt der „Charakterentwicklung“ sehen kann. Wie schon in K-ON!, wo sehr viel Wert auf „natürliches“ Verhalten der Charaktere gelegt wurde, d.h. die Mimik und Gestik ist sehr ausgefeilt und nur an der Art der Bewegung kann man schon eine Idee vom Gemütszustand bekommen und jeder Charakter hat eine eigene Art zu gehen etc. . Diese Details lassen einen unbewusst, die Charaktere sehr viel menschlicher und auch sympathischer erscheinen, da man nicht nur diese gezeichneten Figuren sieht, sondern durch die „Kunst der Animation“ einfach noch mehr transportiert wird. Hier wird einfach Wert auf Details wert gelegt, und das gehört klar zum Konzept der Serie. Selten kann man in einem Anime sehen, wie sich langsam Freundschaften und Zuneigungen entwickeln, ohne dass zu viel künstliches Drama eingefügt wird. Es passiert nicht viel schlimmes oder gar spektakuläres, aber trotzdem guckt man gerne zu. Der Humor ist zwar nicht stark im Vordergrund, aber er hilft auch etwas, die Charaktere lebendiger scheinen zu lassen. Auch dieser Teil ist eher subtil realistisch (für Animeverhältnisse). Vor allem die üblichen „Schulfest“-Folgen versuchen sich mal etwas von den Klischees abzuheben und sind unglaublich lebendig inszeniert und holen das Beste aus dem ausgelutschten Thema raus.

Von der Inszenierung her unterscheiden sich die Folgen recht stark. Einige bieten eher die gewohnte K-ON!!-Qualität von den Perspektiven und den Schnitten her, andere sind weitaus ungewöhnlicher und gehen eher in die Richtung einiger Haruhi-Folgen oder Disappearance. Teilweise wurde hier wohl auch mehr Aufwand betrieben, wenn die Handlung etwas dialoglastiger wurde, um das ganze interessanter zu machen. Zudem wurde auch oft mal ein kompletter Stilwechsel gemacht, um Theorien zu illustrieren. Bei diesen Szenen hat sich KyoAni dann ähnlich wie in einigen berüchtigten Nichijou-Szenen sehr ausgetobt. Animationsmässig kriegt man größtenteils Disappearance-Niveau geboten und vor allem der Hintergrund wird mit für TV-Verhältnisse sehr viel Leben gefüllt. Hier ist man auch wieder um den aufgehübschten Fotorealismus, der mit gelungenen Lichteffekten aufgewertet wurde. Viele tolle Kameraperspektiven kann man auch wieder bestaunen, wo man aber teilweise sehen kann, dass der Computer mitgeholfen hat (z.B. bei dem Amateurfilm). Weit überdurchschnittlich ist das Gebotene aber durchgehend und oftmals bieten Anime-Filme nicht so viel EyeCandy wie hier eine TV-Serie. Die Musik fand ich großartig, sie klingt so gar nicht nach Anime irgendwie, schwer zu beschreiben. Zumindest freue ich mich schon sehr auf die Soundtracks, die den Blu-rays beiliegen werden.

Ich kann nur immer wieder betonen, dass ich selten einen Anime gesehen habe, der dem Zuschauer so viel Zeit zum Beobachten lässt, die Charaktere menschlich handeln lässt, ohne die üblichen Erklärungen, die einem mit dem Dampfhammer zeigen, was der Charakter gerade fühlt. Es gibt keine Tsundere-Momente, sondern einfach nur Charaktere, die teilweise in Situationen überfordert sind und nicht das sagen, was sie denken. Sie dürfen wegen eigentlich Kleinigkeiten leiden, die für andere vielleicht unwichtig erscheinen, aber für diesen Charakter sind sie in dem Moment wichtig (Mayaka während des Schulfestes z.B.). Es gibt auch keinen Zwang, dass alle Protagonisten immer alles richtig machen und sich am Ende „richtig“ verhalten. Es wurde wirklich versucht, menschliche Charaktere zu bieten, und sogar die unglaublich niedliche Eru verhält sich im Prinzip sehr menschlich und zeigt oftmals Tiefe.

Auf die letzte Folge bezogen (Achtung Spoiler in diesem Absatz!): Sie war schon etwas ungewöhnlich, aber wie man plötzlich sehr viel Einblick in Eru’s Leben erhalten hat, fand ich sehr gut gemacht. Als sie ihre „Lebensplanung“ erzählt dachte ich mir: Moment mal, das ist ja quasi ein Heiratsantrag….als Houtarou dann das ganze auf den Punkt bringt und man dann merkt, der letzte Teil fand nicht wirklich statt, da dachte ich mir, das ist mal wirklich romantisch, ohne dass man plakativ mit Emotionen rumwirft, sondern dem Zuschauer wird klar, die beiden mögen sich, sie haben es sich gegenseitig nur nicht gesagt. Man bekommt ein Ende, das etwas offen ist, aber keine Fragen wirklich offen lässt, wobei man etwas spekulieren kann, was aus dem Mayaka / Satoshi-Sache geworden ist, aber eigentlich finde ich es recht klar. Die Geschichte ist in der Vorlage meines Wissens nach auch noch nicht abgeschlossen, und man kann im Prinzip nun noch eine Fortsetzung machen, man kann es aber auch lassen. Hyouka ist eher wie das Leben, es gibt keinen richtigen Anfang und kein richtiges Ende eines Abschnittes. Gerade bei den zahlreichen romantischen Geschichten in Film/TV/Anime dieser Welt, endet es meistens mit klaren Liebeserklärungen. Im richtigen Leben wäre die Geschichte damit nicht zu Ende (und ob es am Ende wirklich ein Happy End ist, weiß man zu diesem Zeitpunkt eh nicht). Also warum muss eine Geschichte dann in einer Serie dort enden, wenn die Positionen eigentlich schon klar sind? Deswegen finde ich diese subtile Herangehensweise in dieser Serie sehr erfrischend.

Interessant finde ich, dass Yasuhiro Takemoto sich die Vorlage selbst als nä. Projekt ausgesucht hat und man merkt dieser Serie an jeder Stelle an, dass die Macher hier mit sehr viel Herzblut dabei waren. Ich glaube nicht, dass man sie gemacht hat, da man dachte, dass man damit einen Superhit produziert, sondern einfach nur einen etwas anderen Anime macht, der sich wohltuend vom Einerlei absetzt. Es ist halt etwas ironisch, dass so eine ruhige Geschichte von einem „Quasi-Blockbuster“-Studio mit dem entsprechenden Budget umgesetzt werden konnte. So etwas geht wohl nur im Animebereich, wo man gutes Schauspiel tatsächlich mit mehr Geld erreichen kann.^^;

Die Serie ist klar nicht für jeden, da man vor allem die Charaktere mögen muss, aber ungewöhnliche Serien gefallen nie jedem. Ich fand die Mysterien auch nicht so spannend und nicht jede Folge fand ich richtig spannend. Aber die Charaktere sind mir richtig ans Herz gewachsen und ich habe mich jede Woche auf die neue Folge gefreut. Zumindest kann man KyoAni nicht vorwerfen, dass sie hier auf Nummer sicher gegangen sind, was auch für Nichijou gilt meiner Meinung nach (das ging finanziell ja auch daneben). Wenn man sich aber die vielen Fliessbandproduktionen im Animebereich anschaut, dann ist es doch schön, dass es Studios gibt, die einfach noch das machen können, was sie wollen, und es gelingt ihnen trotzdem, sehr unterhaltsame Serien zu machen. Ihr nächstes Projekt geht ja wieder in eine andere Richtung (eher zurück zu den „Ursprüngen“), aber das wird dann ja ein anderer Artikel.^^