Schon auf der AnimagiC kaufte ich die erste deutsche Blu-ray von Violet Evergarden und da es wohl selten eine Veröffentlichung einer Anime-Serie in Deutschland gab, die sich so stark an der japanischen Veröffentlichung orientiert, bietet sich hier natürlich ein Vergleich an.

Links ist normalerweise die japanische Fassung und rechts die deutsche Variante abgebildet. Im Artikel, den ich damals zur ersten japanischen Blu-ray verfasst habe, hatte ich ein paar Worte zum Inhalt geäußert.

Episoden auf den Blu-rays

Episode 1: „I Love You“ and Auto Memory Dolls (deutsche, offizielle Titel der Folgen fand ich nicht)

Episode 2: Never Coming Back

Episode 3: May You Be an Exemplary Auto Memory Doll

Für japanische Verhältnisse ist die Folgenanzahl recht hoch, für deutsche Verhältnisse eher niedrig. 😉

Verpackung

(die Unterschriften auf der japanischen Fassung sind natürlich nicht Bestandteil der eigentlichen Veröffentlichung)
In beiden Veröffentlichungen wird eine „O-Card“ verwendet, der die innere Klappschachtel umschließt. Bei der japanischen Fassung gibt es ein Sichtfenster, welches einen Ausschnitt der Illustration auf der Schachtel zeigt. In Deutschland ist das einfach aufgedruckt worden. Wie man deutlich sehen kann, ist die japanische Fassung dunkler, graustichiger im Druck und passt etwas besser zu einem Päckchen aus einer Zeit, in der Violet Evergarden vermutlich spielt. Der Eindruck eines benutzten Gegenstands wird besser simuliert, auch dass z.B. der Stempel oben verblasst. Der verwendete Karton unterscheidet sich stark und ich glaube, Universum Anime hat ehe normalen Karton für die solche Boxen verwendet. Dadurch wirken die Farben knalliger als in Japan. Einen hochwertigen Endruck machen beide Varianten, ich finde nur interessant, wie man mit vermutlich gleichem Material so „unterschiedliche“ Ergebnisse bekommen kann.

In Japan ist der „Umschlag“ mit den technischen Infos deutlich kleiner und beschränkt sich eher auf das Wesentliche. In Deutschland wird die komplette Rückseite ausgefülllt.

Die Rückseite der „O-Card“ ist auch sehr ähnlich und unterscheidet sich wieder nur leicht im Druck.

Überraschenderweise wurde bei der deutschen Fassung etwas rangezoomt und ein Rahmen verwendet, so dass ein Teil der Illustration fehlt.

Hier fällt auf: Nun wirkt plötzlich die Schachtel der deutschen Fassung etwas natürlicher von der Färbung her. Und in Japan legt man wohl mehr Wert auf die Schrift aus der Serie. 😉

Die Schachtel selbst ist ähnlich stabil, wobei man bei der japanischen Box schon merkt, dass solche Pappboxen beim Öffnen und Schließen an den Knickkanten schon etwas leiden müssen. Die optische Gestaltung ist bis auf die unterschiedliche Kartonfarbe außen innen ziemlich gleich. In Japan fällt natürlich auf, dass sich zwei Scheiben in der Box befinden.

Die physikalischen Extras

Während die japanische Fassung ein kleines Büchlein ist, ist die deutsche Fassung eher ein dickes Heftchen durch die unterschiedliche Form der Bindung. Auch in der Seitenanzahl gibt es Unterschiede: Deutschland 40 Seiten, Japan 50 Seiten.

Die unterschiedliche Seitenzahl kommt zustande, da die Credits in Deutschland u.a. durch die größere Schriftgröße statt zwei vier Seiten benötigen. Zudem fehlen in der deutschen Fassung die 12 Seiten Storyboards. Hier ein Beispiel:

Da die Übersetzung der kleinen japanischen Kommentare wohl schwieriger geworden wäre, kann ich schon verstehen, dass man die vielleicht aus dem Grund weggelassen hat.

Der Rest des Booklets ist vollständig in Deutsch vorhanden:

  • 8 Seiten „Charaktere und Anmerkungen der Charakterdesignerin Akiko Takase“ (Charakterdesigns von Violet [detaillierter] und den anderen Charakteren)
  • 6 Seiten „Handlung“ (Bilder aus den Folgen und Zusammenfassung der Handlung)
  • 6 Seiten „Art Board & Anmerkungen der Künstlerischen Leiterin Mikiko Watanabe“ (Infos zu den Hintergründen, Gebäuden und Räumen)
  • 4 Seiten „Requisiten & Anmerkungen des Teams“ (u.a. Schreibmaschinen)
  • 4 Seiten „Erläuterungen zum Aufbau dieser Welt“ (u.a. die Sprache)
  • 4 Seiten Gesprächsrunde des Produktionsteams (Haruka Fujita [Serieninszenierung] x Yuka Yoneda [Farbdesign] x Mikijo Watanabe [Artdirector/Background Art])
  • 2 Seiten „Beitrag der Autorin der Vorlage, Kana Akatsuki“ (in Briefform!)
  • 4 Seiten Credits

Das Booklet enthält doch einige interessante Infos und enthält durch die vielen Kommentare der Macher auch etwas Humor. Vor allem das Interview verweist auf Dinge in der Animation, die man beim normalen Anschauen schnell übersieht. Ein sehr schönes Extra!

Die Rückseite des Booklet ist wieder sehr ähnlich. In der deutschen Fassung wird wieder herangezoomt.

Die deutsche Fassung enthält 3 Imageboards.

Die japanische Fassung noch sieben weitere.

Während die japanische Fassung richtige Postkarten enthält, bekommt man die gleichen Motive bei der deutschen Variante in größer, aber komplett leer auf der Rückseite.

Menü

 

 

Auf den ersten Blick ähneln sich die Menüs stark, aber bei Universum laufen in dem weißen Rahmen Szenen aus den Folgen ab, während in Japan sich nichts bewegt und nur die hübsche Illustration vom Cover gezeigt wird. Im Hintergrund läuft hierzulande das Opening, während im „Original“ ein instrumentales Stück dafür gewählt wurde.

 

Die japanische Fassung erlaubt den direkten Zugriff auf Kapitel in den Folgen, die deutsche Fassung lässt einen nur zu den einzelnen Folgen springen. Leider fehlen Kapitelstops auch in den Folgen selbst, d.h. ein Überspringen von Opening bzw. Ending ist auf diese Art und Weise nicht möglich.

Das Popup-Menü ist auch recht ähnlich geworden.

Bild und Ton

Japan:
MPEG-4 AVC Video 36259 kbps 1080p / 23,976 fps / 16:9 / High Profile 4.1

Deutschland:
Episode 1:
Deutschland: MPEG-4 AVC Video 29936 kbps 1080p / 23,976 fps / 16:9 / High Profile 4.1
Episode 2:
Deutschland:  MPEG-4 AVC Video 29922 kbps 1080p / 23,976 fps / 16:9 / High Profile 4.1
Episode 3:
Deutschland: MPEG-4 AVC Video 29916 kbps 1080p / 23,976 fps / 16:9 / High Profile 4.1

Farblich konnte ich keine Unterschiede zwischen beiden Fassungen ausmachen und nur in der Kompression kann man kleine Unterschiede erkennen. Die Bitrate ist bei der japanischen Fassung höher und sorgt für ein etwas ruhigeres Bild, bzw. das digitale Rauschen ist etwas feiner. Man muss allerdings schon sehr genau hinschauen, um einen Unterschied zu sehen. Allgemein ist die Serie oft mit Farbfiltern versehen worden und wirkt in dunkleren Szenen eher kontrastarm (was natürlich auch realistisch ist). Insgesamt kann man in diesem Bereich über Technik bei beiden Fassungen nicht meckern.

 

Japan:
LPCM Audio Japanese 2304 kbps 2.0 / 48 kHz / 2304 kbps / 24-bit
LPCM Audio Japanese 2304 kbps 2.0 / 48 kHz / 2304 kbps / 24-bit (Audiokommentar)
Deutschland:
Episode 1:
DTS-HD Master Audio German 1682 kbps 2.0 / 48 kHz / 1682 kbps / 24-bit (DTS Core: 2.0 / 48 kHz / 768 kbps / 24-bit / DN -7dB)
DTS-HD Master Audio Japanese 1696 kbps 2.0 / 48 kHz / 1696 kbps / 24-bit (DTS Core: 2.0 / 48 kHz / 768 kbps / 24-bit / DN -7dB)
Episode 2:
DTS-HD Master Audio German 1702 kbps 2.0 / 48 kHz / 1702 kbps / 24-bit (DTS Core: 2.0 / 48 kHz / 768 kbps / 24-bit / DN -7dB)
DTS-HD Master Audio Japanese 1708 kbps 2.0 / 48 kHz / 1708 kbps / 24-bit (DTS Core: 2.0 / 48 kHz / 768 kbps / 24-bit / DN -7dB)
Episode 3:
DTS-HD Master Audio German 1684 kbps 2.0 / 48 kHz / 1684 kbps / 24-bit (DTS Core: 2.0 / 48 kHz / 768 kbps / 24-bit / DN -7dB)
DTS-HD Master Audio Japanese 1696 kbps 2.0 / 48 kHz / 1696 kbps / 24-bit (DTS Core: 2.0 / 48 kHz / 768 kbps / 24-bit / DN -7dB)

Beide Fassungen bieten bei den Folgen ein Tonformat, das verlustfrei ist, so dass es keinen Unterschied bei der japanischen Tonspur gibt. Alle Tonspuren liegen hier in Stereo vor. Die deutsche Tonspur ist natürlich exklusiv für Deutschland und es handelt sich um die Fassung, die man schon auf Netflix schauen konnte.

Synchronisation:

sdi Media
Buch: Sabine Frommann
Regie: Farina Brock
Yui Ishikawa / Paulina Rümmelein – Violet Evergarden
Toshiko Sawada / Marion Hartmann – Tiffany Evergarden
Kouki Uchiyama / Benedikt Gutjan – Benedict Blue
Aya Endou / Laura Maire – Cattleya Baudelaire
Takehito Koyasu / Karim El Kammouchi – Claudia Hodgins
Hidenobu Kiuchi / Max Felder – Dietfried Bougainvillea
Minori Chihara / Marcia von Rebay – Erica Brown
Daisuke Namikawa / Paul Sedlmeir – Gilbert Bougainvillea
Haruka Tomatsu / Farina Brock – Iris Cannary

Ich habe nur wenige Szenen der deutschen Fassung gesehen und fand sie ok. Die anderen Universum Anime Synchronisationen der letzten Jahre, die ich kenne (z.B. Death Parade), fand ich passender zu den Charakteren besetzt, aber richtige Fehlbesetzungen sind mir bei Violet Evergarden nicht aufgefallen. Ich vermute, dass Universum Anime hier eher keinen Einfluss auf die Synchronisation hatte, denn in der Regel werden bei sdi Media wohl viele andere Synchronisationen aus dem Netflix-Anime-Programm gemacht. Für ein richtiges Urteil müsste man eh die Serie komplett auf Deutsch schauen, um zu sehen, wie z.B. Violets Weiterentwicklung stimmlich zu erkennen ist, aber da mir die japanische Synchronisation deutlich besser gefällt, werde ich dies wohl nicht tun.

In Japan wurden die drei Folgen mit einem Audiokommentar von Taichi Ishidate (Director), Haruka Fujita (Series Director) und Takako Takase (Character Design) ausgestattet, der in der deutschen Fassung nicht enthalten ist.

(ob die Zeilen den gleichen Text übersetzen sollen, kann ich nicht sagen)

Die japanische Fassung hat nur japanische Untertitel, die deutsche wie gewohnt nur deutsche. Interessant fand ich, dass es deutlich Unterschiede zwischen den Untertiteln von Netflix und denen von Universum Anime gibt. Vom Gefühl her passen die neuen Untertitel besser. Suffixe wurden übrigens weder in der Synchronisation noch in den Untertiteln übernommen.

Extras

 

Die Extras sind bei beiden Veröffentlichungen inhaltlich gleich, die „Präsentation“ unterscheidet sich nur (abgesehen von den bereits erwähnten fehlenden Audiokommentaren hierzulande natürlich).

Das obligatorische textfreie Opening darf nicht fehlen.

Das Ending darf natürlich auch nicht fehlen in dieser Form.

 

Nun wird es etwas interessanter, denn in Japan hat das Extra „Japanische Kinotour Teil 1 (OmU)“ es auf eine eigene Blu-ray geschafft. Dabei handelt es sich um die ersten drei Folgen, die zusammengeschnitten für Kinovorstellungen mit einem Mehrkanalton ausgestattet wurden. Bis auf eine andere Platzierung von OP und ED sind sie ziemlich identisch zur TV-Fassung, so dass der Mehrwert etwas verloren geht, bis auf den aufwendigeren Ton. Die Bitraten sind einem ähnlichen Verhältnis wie die der eigentlichen Folgen beim Bild:

Japan:
MPEG-4 AVC Video 35524 kbps 1080p / 23,976 fps / 16:9 / High Profile 4.1
LPCM Audio Japanese 2304 kbps 2.0 / 48 kHz / 2304 kbps / 24-bit
LPCM Audio Japanese 6912 kbps 5.1 / 48 kHz / 6912 kbps / 24-bit
Deutschland:
MPEG-4 AVC Video 29989 kbps 1080p / 23,976 fps / 16:9 / High Profile 4.1
Dolby Digital Audio Japanese 224 kbps 2.0 / 48 kHz / 224 kbps / DN -7dB

Beim Ton fällt aber schnell etwas auf, was mir Stirnrunzeln bereitet: In Japan gibt es wie gewöhnlich PCM-Spuren, aber interessanterweise auch eine 5.1-Variante. Zwar schreit eine eher ruhige Serie wie Violet Evergarden nicht unbedingt nach Mehrkanalton, aber die hinteren Boxen werden doch ganz gut für die Musik benutzt. In Deutschland wurde dagegen der alte Dolby Digital AC3 Codec verwendet, der mit Verlust komprimiert und zudem hier nur in Stereo beiliegt. Für mich ist der einzige Vorteil, die Serie in dieser Kinotour-Form zu schauen, gewesen, dass man 5.1-Ton bekommt, aber der fehlt nun in der deutschen Fassung. Dafür gibt es immerhin deutsche Untertitel (aber keine Synchronisation).

In Deutschland gibt es noch ein paar Trailer zu anderen Serien und Filmen von Universum Anime auf der Blu-ray.

Spezifikationen

Ländercode:
Japan: A, B, C, Deutschland: B

Japan: Amazon-Link, Deutschland: Amazon-Link

Japan: BDInfo / BDInfo Special, Deutschland: BDInfo

Preis: Japan: UVP: 9200 Yen (9936 Yen mit Steuern), Amazon Japan: 7,527 Yen mit Steuern
Deutschland: Amazon: 32,99 €

Screenshots

     

Fazit

Preisleistungstechnisch ist der Sieger klar, aber ich finde es schade, dass die deutsche Fassung einige unnötige Mängel hat, die z.B. das Kino-Tour-Extra recht sinnfrei machen und Kapitelstops finde ich auch immer praktisch. Die kleinen Unterschiede der Verpackung sind dagegen für mich weniger relevant und ohne Wissen der japanischen Fassung würde einem das vermutlich gar nicht auffallen. Auch hätte mich eine bessere Synchronisation eher dazu bewegen können, die Serie auch mal auf Deutsch zu schauen, aber für Leute, bei denen eine Synchronisation ein Muss ist, sollten wohl mit der Gebotenen zufrieden sein. Immerhin ist durch die Verfügbarkeit auf Netflix es auch recht einfach, dass man da vor dem Kauf mal reinhören kann.

Man bekommt auch mit der deutschen Fassung eine deutlich bessere Fassung als bei Netflix geboten, gerade dunkle Szenen litten ziemlich bei der Streaming-Fassung und die bessere Qualität der Blu-ray sollte wohl jedem auffallen. Zudem bieten die hübsche Verpackung und das informative Booklet einen schönen Mehrwert, der Sammler zufrieden stellen sollte. Preislich ist die deutsche Fassung natürlich etwas teurer als manch andere Veröffentlichung, aber dieses Mal bekommt man auch mal fast eine ähnliche Qualität wie bei der deutlich teureren japanischen Fassung geboten. Und diese erschien sogar sehr schnell nach der japanischen Veröffentlichung! Fans der Serien können hier bedenkenlos zugreifen.