Nachdem ich die letzten Wochen das Thema K-ON! mal etwas ausgeklammert habe, da die Serie ja eh die Animewelt im Sturm erobert hat und ich nicht die Zeit habe, um jede Woche noch einen Blogeintrag zu jeder frischen Folge zu machen, schreibe ich nun einfach mal mein Fazit. Spoiler zu K-ON!, Lucky Star und Azumanga Daioh könnte es geben, das nur mal als Warnung. Während ich am Anfang noch ein wenig skeptisch war, muss ich sagen, dass mir die Serie mit jeder Folge immer besser gefallen hat. Klar, die Handlung passt auf den Klappentext eines Mangas und bei all der „Dramatik“ in der letzten richtigen Folge (12) mit Krankheiten und so, die den Auftritt in Gefahr gebracht haben, kam nicht gerade wirklich Spannung auf. Aber durch den Musikaspekt, konnte man zumindest die Auftritte schon als Highlights bezeichnen, die dem Slice-of-Life-Abenteuerchen der Mädels zumindest etwas Würze gegeben haben.

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Nicht ohne Grund haben sich die Singles zur Serie sehr gut verkauft, denn musikalisch wird meiner Ansicht nach schon gehobener rockiger Anime-JPOP geboten, der auch so klingt, als hätten ein paar Schülerinnen ihn produziert (in einer Animewelt^^), was positiv gemeint ist. Vor allem die Texte sind herrlich schwachsinnig und machen Songwriter Mio als Charakter noch eine Spur sympathischer, und facettenreicher. Und wenn ich schon die Dame zu sprechen komme, muss ich eh mal ein Lob an Kyoto Animation aussprechen, dass sie immer wieder für eine Überraschung gut sind.

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Wenn man sich die ersten Folgen anguckt, merkt man schnell, dass Mio als „Star“ der Serie aufgebaut werden soll. Das Konzept des hübschen, schüchternen, gut gebauten, leicht durchgeknallten Mädchens in einer Nur-Mädchen-Clique ist nicht gerade kreativ und man kann z.B. einige Parallelen mit einem der ersten Vertreter des Schulmädchen-Slice-Of-Life Genres „Azumanga Daioh erkennen. Im Prinzip ist Mio eine geistige Schwester von Sakaki. Allerdings ist noch der Freundschaftsaspekt von Yomi mit eingeflossen, wodurch Ritsu leichte Erinnerungen an Tomo weckt. Dann könnte man fast noch behaupten, dass Yui ja in Richtung Osaka geht….zumindest übernehmen beide ähnliche Rollen in der Gruppe. Mugi hat mich höchstens etwas an Miyuki aus Lucky Star erinnert. Schlimm finde ich diese Parallelen eigentlich nicht, denn sie scheinen mir fast unvermeidbar zu sein, da der Humor ja durch gegensätzliche Charaktere entstehen muss, und es gibt einfach nicht so viele Charaktereigenschaften zu verteilen.

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Ich entschuldige mich für den weiten Bogen, aber was ich mal kreativ bei K-ON! fand, ist, dass Mio zunächst als Maskottchen eingeführt wird. Deren Opferrolle wird wunderbar ausgespielt, ohne dass es sich zu sehr wiederholte, aber plötzlich kriegt sie Konkurrenz in Form von Azusa und rückt ziemlich in den Hintergrund. Witzigerweise bemerkt sie das sogar und vermisst die Zeiten, als sie noch im Mittelpunkt stehen durfte. Zwar wird die Serie dadurch nicht gerade tiefschürfend, aber es brachte Abwechslung in die Struktur und neue Aspekte in den Humor. Andere Serien dieser Art gelingt es nicht, über mehrere Staffeln mal eine Verschiebung der Beziehungen zwischen den Charakteren in einer Slice-of-Life zu erreichen (z.B. bei Miname-ke), aber K-ON! gelingt dies in 13 Folgen, Gratulation an KyoAni, (b.z.w. an die Mangavorlage^^)!

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Bei der 13. Folge musste ich dagegen irgendwie an Lucky Star denken. Ich finde es bei diesen niedliche-Schulmädchen-machen-niedliche-belanglose-Sachen-und-sind-dabei-niedlich-witzig (Möchtegern-Otakus können für niedlich auch Moé einsetzen ^^) immer sehr bezeichnend, dass die männliche Bevölkerung fast keine Rolle spielt. Scheinbar scheint K-ON! ja an einer Mädchenschule zu spielen, aber etwas seltsam ist das schon…. Bei Azumanga Daioh gibt’s ja sogar männliche Mitschüler, aber keins der Mädchen hat scheinbar mal irgendwas mit einem Jungen. Lucky Star ist so ähnlich, spielt aber auf das Thema weitaus öfter an und im Verlauf einer der letzten Folgen sieht man eine ungewöhnlich schüchterne Kagami, die ihre ~dere Seite ihres Tsundere-Charakters mehr als deutlich zeigt. Am Ende ist sie aber trotzdem einem Irrtum aufgelaufen, da sie anstatt eines Liebesgeständnisses von einem Jungen nur nach einem gekauften Artikel gefragt wird. Wenn man das ganze Thema mal so betrachtet, dass diese Serien die Freundschaften zwischen den Mädchen sehr stark idealisieren (und verniedlichen), und sie schaffen dies nur, in dem sie romantische Verwicklungen ausklammern. Wenn die ersten Beziehungen da reinspielen würden, könnten die Mädchen ja z.B. nicht ständig zusammen rumhängen, und das ganze würde wohl einen Schritt zu nahe am „Erwachsenwerden“ dran sein, um noch den naiven Charm dieses Genres ausspielen zu können. Es spielt wohl auch mit rein, dass diese Werke meistens für ein männliches Publikum gemacht werden, und diese mögen es manchmal nicht, wenn ihre „Traum-Moé-Charaktere“ plötzlich „fremdgehen“^^, man muss sich ja nur diese Kannagi-Jungfräuligkeitsgeschichte (Link zu Sankaku Complex ist nicht ganz kindersicher, um es in Internetsprache zu sagen: NSFW) anschauen….

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Um man nun den Bogen zu der vorerst(?) letzten K-ON!-Folge zu schlagen, da gab’s eine ähnliche Konstellation. Zunächst glauben die Mädchen, dass Mugi ein Date am Sonntag, dabei geht sie nur arbeiten. Ok, das ist weniger spektakulär, aber Ritsu denkt während eines Großteils der Folge, dass ihr jemand Liebesbriefe in den Briefkasten wirft, dabei waren es nur Liedtexte von Mio….

Ich fand schon etwas witzig, dass 2 KyoAni-Serien das Thema ziemlich ähnlich angehen und die letzte K-ON!-Folge auch zeigt, dass wenn alle Mädchen zwischendurch ihr eigenes Leben haben, ein Sonntagstreffen zum „Hot-Pot-Essen“ verhindert wird. Da spielt ja fast mal die Realität mit rein^^.

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Handwerklich gesehen fand ich die Serie übrigens wieder sehr gelungen, vor allem die detaillierten Animationen bei den Gesprächen, die tollen Animationen der Haare oder einfach nur wenn jemand beim Telefonieren über’s Bett rollt, heben die Serie über den Durchschnitt. Zwar haben sie Figuren selbst nicht so viele Details, aber zumindest ist alles sehr flüssig. Dadurch wirken KyoAni-Serie immer sehr viel „lebensnaher“ als andere Anime-TV-Serien, die da lieber mal sparen. K-ON! hat natürlich den Vorteil, dass es keine Actionszenen besitzt, so dass man dann mehr Geld für’s Aufpeppen der normalen Szenen hat. Die Hintergrundmusik finde ich dagegen immer noch reichlich öde, aber sie passt immerhin ganz gut zum Slice-Of-Life-Genre.

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Immerhin kann man Hoffnung haben, dass wir noch mehr von „Afterschool Teatime“ sehen werden, da ja immer noch der Budokan-Auftritt geplant, woran man ja in der Folge wieder erinnert wurde. Die Serie war ja auch sehr erfolgreich, also könnte es wohl weiter gehen. Zwar wird K-ON! nicht unbedingt als Meisterwerk in die Animegeschichte eingehen, aber KyoAni hat es wieder geschafft, eine Vorlage sehr gut umzusetzen. Jetzt bin ich nur noch gespannt, ob sich jemand in den USA die Rechte für die Serie schnappt oder wegen den enttäuschten Verkäufen von Lucky Star die Finger davon lässt, leider werden die japanischen Blu-rays ja scheinbar keine Untertitel bieten….