Eigentlich war dieser Review einiges früher geplant, aber zur Abwechslung war ich mal nicht alleine schuld. 😉

Immerhin habe ich den Film jetzt schon rund 3 Mal gesehen und da der 2. Teil auch schon erhältlich ist, wird es höchste Zeit für diesen Artikel.

Es wird nur eine Standardhülle geboten, die aber wieder professionell gestaltet wurde.

Die Angaben auf der Rückseite nicht korrekt, so weit ich das sehe.

Ein Inlay gibt es nicht, aber natürlich wie gewohnt wieder ein Wendecover.

Der Inhalt

Rune Balot ist eine junge Prostituierte mit trauriger Vergangenheit in einer futuristischen Stadt namens Mardock City, die sich in Hoffnung auf ein besseres Leben mit dem Casino-Manager Shell einlässt. Jedoch versucht dieser sie zu ermorde, doch durch das Forschungsprogramm von Dr. Easter erhält sie eine 2. Chance und soll nun vor Gericht gegen ihren „Mörder“ aussagen. Da die Feinde nun überall stecken, erhält das Mädchen noch ein paar „Upgrades“ in ihrem Körper und zudem als Begleiter das künstliche Lebewesen Œufcoque zur Seite gestellt, welcher sich in jeden Gegenstand verwandeln lässt, aber meistens in Form einer Maus unterwegs ist. Diese Hilfe hat das Mädchen auch bitter nötig…

Der Name Mardock Scramble huscht schon eine ganze Zeit durch die Anime-Welt, denn Gonzo gab im Jahr 2005 bekannt, dass sie die Mardock Scramble Bücher als Projekt für ihr 15. Jubiläum als Anime umsetzen wollten. Doch im Jahr 2006 kam heraus, dass die Produktion der OVA-Serie eingestellt wurde. Im Jahr 2010 tauchte der Name dann wieder auf, und dieses Mal sollte es eine dreiteilige Filmserie werden, vom Animestudio GoHands (K, Princess Lover!, Seitokai Yakuindomo) umgesetzt werden sollte. Der erste Teil erschien vor rund einem Jahr dann hierzulande auf Blu-ray als Director’s Cut, wobei er zuvor auch schon auf der AnimagiC in der Kinofassung zu sehen war.

Der vorliegende 1. Film erinnert durch die „technisch verbesserte“ Protagonistin natürlich auf den ersten Blick stark an das Ghost in the Shell Universum und die Atmosphäre ist hier durchaus ähnlich, wobei alles noch etwas abgedrehter und dunkler erscheint meiner Meinung nach. Auch dauert es eine ganze Weile bis Balot ihre Kampffähigkeiten zur Schau stellt und Action-Fans sollten sich darauf gefasst machen, dass hier die Charaktere doch etwas stärker im Mittelpunkt stehen. Vor allem Balot’s Vergangenheit (sie wurde von ihrem Vater missbraucht) hat deutliche Spuren hinterlassen und das Thema bzw. ihre Sicht auf andere Menschen ist davon deutlich beeinflusst worden. Allerdings wirkt das ganze nicht sonderlich tiefschürfend bzw. lässt einen emotional etwas kalt, da der Film den Charakteren nicht genug Zeit gibt, sich wirklich gut zu entfalten. Bedingt durch die recht kurze Laufzeit von rund 70 Minuten wird vor allem die Charakterentwicklung etwas holprig dargestellt und teilweise hätte es dem Film geholfen, wenn es einige Erklärungen schon etwas früher gegeben hätte, damit man besser versteht, worüber die Charaktere im Moment eigentlich reden. Zwar ist der Film recht verständlich und nicht so philosophisch verklärt wie z.B. Ghost in the Shell: Innocence, aber manchmal hat man das Gefühl, als hätte man etwas verpasst. Da das Script vom Autoren der Romanvorlage selbst verfasst wurde, kann man sich zumindest sicher sein, dass der Film nahe an der Vision der Vorlage geblieben ist.

Wie man im Panel auf der AnimagiC schon hören konnte, hat man versucht möglichst viel in eine bestimmte Laufzeit zu quetschen und ich denke, dabei litt die Handlung etwas und, ohne die Vorlage von Tow Ubukata (schrieb auch für Anime, z.B. Sōkyū no Fafner, Le Chevalier D’Eon) zu kennen, dass dabei einige Szenen auf der Strecke blieben, die dem Film geholfen hätten, ein etwas runderes Bild abzuliefern. Actionmässig gibt es bis eine Szene in der Mitte nur am Ende etwas für’s Auge geboten, hier bekommt man dann aber auch sehr gut gemachte Kämpfe geboten, die nur etwas kurz wirken, zumindest fragt man sich, ob Balot so stark oder die anderen so schwach sind…

Optisch fand ich den Film durchaus ansehnlich, wobei ein starkes digitales Rauschen wohl etwas die nicht allzu detaillierten Hintergründe verschleiern soll. Die Computeranimationen werden meistens vernünftig eingesetzt worden, wobei man sich über die Autos streiten kann, ich fand es ganz ok, da man sich immerhin gar nicht erst sich an Cel Shading versucht hat. Insgesamt erreicht man schon Kinoniveau, wobei wie gesagt, dass digitale Rauschen sehr stark ist, und das ganze Bild sehr unruhig erscheinen lässt.

Der Soundtrack ist stimmig und die japanische Synchronisation hat mit Megumi Hayashibara (Rei Ayanami aus Evangelion, Lina Inverse aus Slayers) eine sehr fähige Sprecherin für Balot gefunden, die auch schauspielerisch überzeugen kann.

Wenn man abgedrehte SciFi-Elemente mit durchaus erwachsener Story (eher durch die Elemente, weniger durch die Komplexität) mit dunkler Atmosphäre sehen möchte, dann kann ich diesen Film bedingungslos empfehlen, vor allem da der Animemarkt nicht vieles in dem Genre aktuell bietet (wobei Psycho-Pass in der aktuellen Season ein sehr guter Vertreter ist meiner Meinung nach). Zumindest kann man dem Film trotz viel nackter Haut keine typischen Animeklischees wie z.B. Fanservice vorwerfen, nur hinterlässt einiges doch einen etwas seltsamen Nachgeschmack. Eine kleine Warnung sollte man allerdings bezüglich des ersten Films aussprechen: Das Ende ist sehr offen…

Die Technik

Am Auffälligsten ist tatsächlich das Rauschen, das aller Wahrscheinlichkeit künstlich hinzugefügt wurde (wie oben schon angesprochen), um das Bild filmähnlicher und weniger sauber wirken zu lassen. Wie stark man es sieht, hängt natürlich vom Betrachtunggsabstand ab, aber es ist z.B. weitaus stärker als z.B. bei Garden of Sinners oder Fate/Zero. Für meinen Geschmack ist es etwas zu stark und zwar ist die Bitrate nicht sonderlich gering mit fast 25 Mbit, aber sie wird schon etwas auf die Probe gestellt. Ich habe mal zur Probe einen Screenshot aus muhootsaver’s Artikel zur jap. Blu-ray mit einem dt. verglichen, und man kann tatsächlich einen Unterschied erkennen:

Das Rauschen ist bei der japanischen Variante etwas feiner, allerdings kenne ich hier die Bitrate nicht.

Artefakte oder unsaubere Verläufe sind mir auch bei der deutschen Scheibe nicht aufgefallen und die Schärfe ist durchaus gut, wenn sie nicht gerade im Rauschen untergeht. 😉

Da ich noch eine Screener-DVD hier rumliegen hatte, habe ich weiter unten auch noch ein paar Vergleichsscreenshots abgelegt. Die DVD verwischt natürlich das Rauschen recht stark und wirkt dadurch eher noch unruhiger, aber hier kann man auch nicht viel machen, denke ich. Bei der einen Kamerafahrt um die schießende Balot herum, gehen auch einige Details mehr verloren. Insgesamt meistern beide Versionen das schwierige Ausgangsmaterial noch ausgesprochen gut und die minimalen Unterschiede zur japanischen Fassung erkennt man nur im Direktvergleich bei der Blu-ray.

Ich habe mir den Film sowohl auf Deutsch als auch auf Japanisch mit deutschen Untertiteln angeschaut und mir gefiel die deutsche Synchronisation sehr gut. Die Sprecher wurden passend gewählt und schauspielerisch wirkt alles sehr natürlich. Auch die Untertitel sind tadellos, wobei es keine spezielle Spur für Schilder gibt, aber ich kann mich eh an keine japanischen erinnern in dem Film. Beide Tonspuren bieten einen guten 5.1-Mix, de ordentlich Gebrauch von den hinteren Boxen macht und auch den ein oder anderen feinen direktionalen Effekt bot.

Das Lied im Abspann wurde nicht untertitelt.

Die Menüs passen gut zum Film und sind übersichtlich:

  

Zwar haben keine Extras der japanischen Version es auf die Scheibe geschafft (es gab dort z.B. ein Interview mit dem Autoren), aber auf der AnimagiC wurde die Gelegenheit genutzt, dass 2 Produzenten und der Regisseur da waren und so wurden extra Interviews für die deutsche Fassung erstellt.

Die Videos liegen zwar nur in SD vor, was aber auch ausreicht:

Regisseur Susumu Kudo (14:39)

Produzent Go Nakanishi (15:48)

Produzent Hiroyuki Shimizu (13:40)

Die Antworten sind durchaus interessant und erinnern inhaltlich sogar etwas an die Panels der Convention. Ich fand sehr interessant, dass auf die unterschiedlichen Aufgaben der Produzenten eingegangen wurde. Bei diesem Projekt ist es das Besondere, dass 2 eigentliche Konkurrenten (Aniplex und King Records) zusammen arbeiten und zudem musste etwas schmunzeln, dass Hiroyuki Shimizu auch Fragen zu Black Butler beantworten „musste“, da er dort auch als Produzent tätig war. Zwar wäre vielleicht das Originalinterview mit dem Autoren noch etwas aufschlussreicher gewesen, aber ich finde sehr sehr schön, dass man etwas selbst erstelltes Bonusmaterial geboten hat.

Auch ein paar Trailer befinden sich auf der Scheibe.

Spezifikationen

Länge: 1:09:55.191
Gesamte Disk: 23.204.562.450
Bild:

MPEG-4 AVC Video        24997 kbps          1080p / 23,976 fps / 16:9 / High Profile 4.1

Ton:

DTS-HD Master Audio German 4220 kbps 5.1 / 48 kHz / 4220 kbps / 24-bit (DTS Core: 5.1 / 48 kHz / 1509 kbps / 24-bit)
DTS-HD Master Audio Japanese 4054 kbps 5.1 / 48 kHz / 4054 kbps / 24-bit (DTS Core: 5.1 / 48 kHz / 1509 kbps / 24-bit)

Untertitel:

Deutsch

Ländercode:
B (A, B getestet mit passenden Player)

BDInfo

Screenshots Blu-ray / DVD (bikubisch skaliert auf 1920×1080)

Fazit

Wenn man SciFi mit etwas philosophischen Anspruch und einer komplexen, dunklen Welt mag, sollte man hier unbedingt zugreifen. Zwar kommt der Film meiner Meinung nach nicht an das Ghost in the Shell – Franchise dran, bietet aber über seine Länge sehr gute Unterhaltung, die etwas zum Nachdenken anregt. Man sollte nur kein Actionfeuerwerk erwarten, denn der Film legt seine Akzente doch eher bei der Charakterentwicklung. Technisch bietet die Blu-ray wieder die gewohnt hohe Qualität, die man von Universum Anime mittlerweile gewohnt ist. Immerhin kann man nun, wenn man möchte, nun gleich mit dem 2. Teil weiter machen, so dass das offene Ende von Teil 1 nicht mehr so gemein ist. 😉