Den folgenden Review habe ich vor längerer Zeit mal für die Website Anime auf DVD geschrieben, aber er wurde irgendwie nie veröffentlicht. Mittlerweile ist die Seite ja eh ziemlich stark eingeschlafen. Da ich mir doch einige Mühe mit dem Verfassen gegeben habe, packe ich ihn nun einfach mal auf meine eigene Seite.

Review zu Die Melancholie der Haruhi Suzumiya Vol.1/4 – Limited Edition von Anime Video

Covertext:
Kyon ist ein normaler Oberschüler, der eigentlich nicht an Übersinnliches glaubt. Umso überraschter ist er, als seine hübsche Mitschülerin Haruhi vor der ganzen Klasse erklärt, sie habe keinerlei Interesse an „normalen Menschen“, sondern nur an Zeitreisenden, Außerirdischen und ähnlichen Abnormitäten. Neugierig geworden, freundet sich Kyon mit Haruhi an und findet sich kurz darauf als Mitglied in ihrem Club, der SOS-Brigade, zur Ergründung übernatürlicher Phänomene wieder. Zusammen mit Haruhi und den anderen etwas schrägen Clubmitgliedern erlebt Kyon von jetzt an die aberwitzigsten Dinge …

Bild (Wertung = 4):
Das Bild ist größtenteils gelungen und überzeugt mit seiner bunten, aber trotzdem realistischen Farbgebung. Die Schärfe ist ziemlich gut; allerdings haben die japanischen bzw. amerikanischen Fassungen der Serie hier mehr geboten, so dass man davon ausgehen kann, dass das Potential des Quellmaterials nicht komplett genutzt wurde. Im Vorspann gibt es sehr offensichtliche Artefaktbildungen in den Szenen, wo viel Bewegung zu sehen ist. In den Folgen selbst macht die Enkodierung eine weitaus bessere Figur und die Kompression macht sich eigentlich fast gar nicht bemerkbar. Einige Szenen bzw. fast die komplette „Die Abenteuer der Mikuru Asahina: Ep. 00“ wurden optisch verfremdet und teilweise mit Rauschen versehen, was aber von den Machern so gewollt ist, und von der Enkodierung auch ganz gut wieder gegeben wird. Bei einigen „Kamerabewegungen“ flimmern ein paar Konturen leicht, aber das tritt eher selten auf, so dass es nicht sonderlich stark ins Gewicht fällt. Am unteren Bildrand flimmern die letzen Zeilen etwas, wenn man auf einem PC samt Monitor schaut. Auf einem Fernseher fällt das dank des dortigen Overscans aber nicht auf.

Ton (Wertung = 3):
Der Ton liegt in beiden Sprachvarianten in Stereo vor und da die Serie nicht all zuviel Potential für direktionale Effekte hat, kann man solche in den bisherigen Folgen auch nicht entdecken. Beide Tonspuren sind klar und verständlich, und weisen keine Fehler auf.

Untertitel (Wertung = 3):
Die Untertitel sind keine Dubtitles und präsentieren sich in gelb mit schwarzer Umrandung. Das Timing ist zum überwiegenden Teil sehr gut und auch sprachlich gesehen gibt es keine nennenswerten Probleme. Bei eingeschalteter deutscher Synchronisation werden weitaus mehr Schilder und Texteinblendungen übersetzt als wenn man die Untertitel bei der japanischen Fassung betrachtet, das müsste technisch besser lösbar sein. Die Lieder sind übersetzt: Je nach Folge werden die Macher eingeblendet, der Text auf dt. übersetzt oder in japanisch (Romanji) angezeigt. Bei der letzten Folge auf der DVD werden allerdings seltsamerweise gar keine Untertitel im Vor- und Abspann angezeigt. Es gibt übrigens auch polnische Untertitel, die ich aber nicht überprüft habe.

Synchro (Wertung = 3):
Jap. Synchro (5/5):

Auch hier liefern die Japaner wieder eine wirklich großartige Arbeit ab. Nicht ohne Grund ist Aya Hirano seit dieser Serie in Japan eine der gefragtesten Sprecherinnen geworden. Sie zeigt mit Ihrer Haruhi ihre Wandlungsfähigkeit und überzeugt sowohl im melancholischen und genervten Zustand als auch in überschwänglich motivierter Verfassung, so dass Haruhis Charme sehr gut zum Zuschauer transportiert wird, der Charakter aber trotzdem als logisches Ganzes erscheint. Auch der Sprecher von Kyon, Tomokazu Sugita (Gintoki in Gintama, Hideki in Chobits) füllt die Rolle des Erzählers und als eine der Hauptfiguren mit sehr viel Leben, und schafft es Kyons ironische bis sarkastische Kommentare mit gelungener Betonung und genug Realismus auszustatten, dass man sich gut in ihn hineinversetzen kann. Auch die anderen Hauptfiguren von der niedlichen Mikuru über die emotionslose Yuki bis hin zum geheimnisvollen Itsuki sind für Ihre Rollen sehr passend besetzt. Sogar in den Nebenrollen werden einprägsame Leistungen gebracht, z.B. kann man hier Yuki Matsuoka als Tsuruya-san nennen.

Dt. Synchro (3/5):

Die deutsche Synchronisation kann man als in Ordnung bezeichnen. Plany Oona schafft es glücklicherweise eine sehr gute Haruhi zu präsentieren, die in Ihren unterschiedlichen Gemütslagen eigentlich durchgehend überzeugende Leistungen zeigt. Michael Baral dagegen hat mit Kyon leider oftmals Probleme damit, den Sarkasmus des Charakters zu treffen, und bringt einige Szenen ziemlich falsch rüber. Als zum Beispiel Itsuki in dem Film der SOS-Brigade Mikuru fast zu küssen scheint, rastet der japanische Sprecher fast aus, in der dt. Version dagegen werden diese Zeilen relativ emotionslos gesprochen. Kathrin Neussers Mikuru ist aber wieder sehr gelungen, wobei die japanische Version noch etwas niedlicher und verletzlicher rüberkommt, aber solche klassischen Moé-Figuren sind auf deutsch auch nicht gut realisierbar, so dass man mit der Leistung zufrieden sein kann. Julia Meynens Yuki klingt etwas zu alt und vor allem in dem Film zeigt sie viel zu viele Emotionen, was den Charakter etwas verfälscht. Sie klingt teilweise nicht emotionslos, sondern arrogant, was überhaupt nicht zu ihrem eigentlichen Wesen passt. Schon ab der 2. Folge bessert sich das, aber manchmal ist die Betonung nicht richtig passend zum Charakter. Die Nebenrollen sind größtenteils passend besetzt und fügen sich gut in das Gesamtbild ein.

Das Problem bei der Synchronisation scheint weniger die Wahl der Sprecher, die mit Hilfe der Fans stattfand, sondern die Regie im Hintergrund zu sein, da man beim direkten Vergleich der beiden Sprachfassungen teilweise sehr offensichtlich andere Betonungen feststellt, die den Humor in einigen Szenen abschwächen. Leider wurden auch nicht alle Laute der Figuren synchronisiert, so dass manches etwas inkonsistent erscheint. Das Script ist teilweise etwas holprig, d.h. man fragt sich manchmal, welcher Mensch denn so spricht, aber das fällt nicht allzu häufig auf. Die Reihenfolge der Namen bleibt japanisch und auch die Suffixe bleiben erhalten, was vielleicht in einer Synchronisation nicht unbedingt nötig gewesen wäre.

Abschließend kann man sagen, dass man sich die deutsche Synchronisation ganz gut anhören kann, vor allem wenn man das Original nicht kennt, da einem dann vieles gar nicht auffallen wird. Wenn man mit japanischer Sprache und Untertiteln leben kann, würde ich aber zur Originalfassung greifen, da die Betonungen dort einfach näher an dem dran ist, was in den originalen Light Novels beschrieben wird, und die japanischen Sprecher durchgehend mit mehr Elan (wo nötig) bei der Sache sind.

Menüs (Wertung = 2):
Das Menü orientiert sich etwas an der japanischen Variante ist aber optisch nicht sonderlich gut gelungen. Vor allem die langen Animationen, wenn man in das Hauptmenü wechselt, nerven schnell, da die Knöpfe erst ziemlich spät verfügbar werden. Insbesondere das Kapitelmenü ist etwas lieblos, anstatt die Kapitel zu benennen, sind sie einfach durchbuchstabiert. Auch ist es etwas störend, dass das letzte Kapitel am Anfang des Abspanns beginnt. Für Leute, die den Abspann beim mehrmaligen Anschauen überspringen, aber gerne die Vorschau noch sehen möchten, überspringen diese dann auch gleich mit. Auch ein Kapitel für den Beginn des Vorspanns würde bei der Navigation helfen.

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Hauptmenü

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Einstellungsmenü

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Kapitelmenü

Extras (Wertung = 1):
Auf der DVD selbst befinden sich keine Extras. Weder das Textless Opening, das Textless Ending, das Making Of der DVD-Promo, die Previews der TV-Version noch Trailer oder TV Spots kann man auf der DVD finden, obwohl diese z.B. auf anderen Fassungen im Ausland zu finden sind.

Dafür liegt ein 16 seitiges Booklet bei, welches auf dem japanischen Gegenstück basiert, aber wegen der Spoilergefahr erst nach dem Genuß der kompletten Serie gelesen werden sollte. Dort werden hauptsächlich Informationen zu den Charakteren geliefert. Zudem befindet sich in der Box noch eine zusammengefaltete Wallscroll im Format 78×108, die aber leider farblich nicht ganz korrekt getroffen wurde.

Verpackung (Wertung = 4):
Der Schuber für die komplette Serie ist relativ stabil, verwendet aber (wie die Wallscroll) die englischsprachige Bezeichnung der Serie („The Melancholy of Haruhi Suzumiya“). Das liegt wahrscheinlich daran, dass dieselbe Box auch in Frankreich verwendet wird. Der französische Vertrieb ist sogar mit seinem Logo vertreten. Die Motive wurden übrigens von den japanischen DVDs entnommen. Das Booklet ist ansprechend gestaltet und enthält sogar Informationen, die in der Serie gar nicht genannt wurden. Auch die DVD-Covergestaltung ist sehr ansehnlich geworden.

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Hülle und Box mit der Wallscroll im Hintergrund

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Booklet

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Wallscroll

Der Film (Wertung = 5):
Die Abenteuer der Mikuru Asahina: Ep. 00

Mikuru Asahina ist eine kämpfende Kellnerin aus der Zukunft, die nebenbei als „Bunny Girl” für verschiedene Geschäfte Werbung macht. Sie muss Itsuki Koizumi vor der außerirdischen Magierin Yuki Nagato beschützen. Itsuki soll übernatürliche Kräfte haben, an denen Yuki interessiert ist. Nach diversen kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen Yuki und Mikuru kommen sich der zu Beschützende und sein Schutzengel langsam näher und sie zieht sogar bei Itsuki ein. Als Reaktion darauf meldet sich Yuki auf Itsuki ’s Schule an, und die Handlung geht in Richtung Love-Comedy, da plötzlich Mikuru auch in der Schule auftaucht. Die endgültige Konfrontation zwischen Yuki und Mikuru steht bevor…

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Die Melancholie der Haruhi Suzumiya I

Kyon ist ein ganz normaler, frisch gebackener Oberschüler, der eigentlich schon lange nicht mehr an den Weihnachtsmann, Außerirdische, Zeitreisende oder Menschen mit übernatürlichen Kräften glaubt. Am ersten Tag des neuen Schuljahres sitzt aber plötzlich Haruhi Suzumiya hinter ihm, die sich der Klasse als eine Person vorstellt, die nur mit Ausserirdischen, Zeitreisenden und Menschen mit übernatürlichen Kräften etwas zu tun haben möchte. Auch in den nächsten Tagen zeigt Haruhi ein ziemlich exzentrisches Verhalten und die Erzählungen von Mitschülern, die sie schon aus der Mittelschule kennen, lassen Haruhi auch nicht gerade in einem besseren Licht dastehen. Sie geht z.B. schnell mit Jungen Beziehungen ein, serviert sie aber ebenso schnell wieder aus Langeweile ab, und sie hat auch schon versucht, mit Kreidezeichnungen auf dem Sportplatz mit Ausserirdischen zu kommunizieren. Da sie aber ein unglaublich hübsches, intelligentes, sportliches Mädchen ist, versucht Kyon sich ihr anzunähern, und es gelingt ihm tatsächlich durch seine Beobachtungsgabe ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen, zur Überraschung der Mitschüler, die sie als unnahbar abgestempelt hatten. Die beiden freunden sich immer mehr an und als Haruhi sich mal wieder über die Belanglosigkeit der schulischen Clubs aufregt, bringt Kyon sie unbewusst auf die Idee einen eigenen Club zu gründen….

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Die Melancholie der Haruhi Suzumiya II

Haruhi erzählt Kyon, dass sie nun auf der Suche nach einem Schüler ist, der erst mitten im Jahr zu ihrer Schule wechselt, da diese immer etwas mysteriöses an sich haben. Da ein solcher Schüler im Moment noch nicht auffindbar ist, beschließt sie, dass ein Computer her muss. Diesen holt sie sich kurzerhand vom Computerclub, indem sie Fotos inszeniert, die es so aussehen lassen, als würde der Leiter des Clubs Mikuru sexuell belästigen. Mit dem neuen Computer soll Kyon gleich mal eine Webseite für den Club erstellen und Haruhi hat sogar schon andere Pläne in der Mache den Bekanntheitsgrad der SOS-Brigade zu erhöhen…….

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Die Melancholie der Haruhi Suzumiya III

Yuki erzählt dem verblüfften Kyon, dass sie in Wirklichkeit eine außerirdische künstliche Intelligenz in Menschengestalt ist, die von der Datenintegrations-Entität auf die Erde geschickt wurde, um Haruhi Suzumiya zu überwachen, da diese scheinbar vor 3 Jahren eine Informationsexplosion hervorgerufen hatte, und seitdem unbewusst Ihre Umgebung mit Ihren Wünschen verändert. Sie weiß allerdings nichts über ihre Macht und sollte laut Yuki auch besser nicht darüber bescheid wissen. Am nächsten Tag in der Schule taucht Haruhi tatsächlich mit einem Schüler auf, der erst an diesem Tag in diese Schule gewechselt war, und lädt ihn gleich in den Club ein. Als erste Clubaktivität ist geplant, an einem Samstag, die Innenstadt nach mysteriösen Dingen zu durchsuchen, und bei diesem Ausflug erzählt nun auch Mikuru Kyon etwas über ihre wahre Identität….

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Bemerkungen:
Rund zwei Jahre nach der Ausstrahlung in Japan landet einer der beliebtesten Animes der letzten Jahre und wohl die Serie mit der lautesten Fanbase auch in Deutschland. Man mag sich fragen, ob die Serie all dieses überhaupt verdient hat, und welches Urteil man sich bildet, hängt stark von den Erwartungen und wohl auch vom eigenen Geschmack ab. Das ganze Franchise basiert übrigens auf Light Novels und hat in Japan schon zwei eher weniger gelungene Manga-Serien und mehrere Videospiele hervorgebracht, nicht zu vergessen natürlich unzählige Figuren, eine Konzert-DVD, allelei Musik-CDs und sonstiges Merchandise. Und man mag es kaum glauben, sogar eine Art „Religion“.

Die Serie ist technisch gesehen überdurchschnittlich gut animiert, vor allem wenn man sie mit anderen Vertretern von eher actionlosen Serien vergleicht. Das Charakterdesign ist angenehm fürs Auge und die Animationen sind für eine TV-Serie sehr flüssig. Vor allem die vielen Details wie sich bewegende Haare und die vielen Gesten, die die Charaktere auch bei normalen Unterhaltungen zeigen, sorgen für eine unglaubliche Lebendigkeit der Szenen. Auch Hintergrundfiguren werden meistens animiert dargestellt, was diesen Eindruck noch verstärkt. Die Hintergründe an sich sind sehr detailliert gezeichnet und lehnen sich zum Teil sogar an reale Schauplätze an. Kyoto Animation (Full Metal Panic? Fumoffu, Air, Kanon 2006) zeigt ich hier einfach von ihrer besten Seite. Das Opening „Bouken de-show de-show?“ wird nach wenigen Folgen zu einem Ohrwurm und das Ending „Hare Hare Yukai“ ist mit seinem Tanz nicht ohne Grund zu einem Kultlied der Anime-Gemeinde geworden. Die Hintergrundmusik in den Folgen ist dagegen relativ unspektakulär, passt aber immer ganz gut und bedient sich teilweise in späteren Folgen auch bekannten klassischen Stücken.

Wie diese Serie solch einen Kult bilden konnte, zeigt schon die erste Folge der DVD, welche den Zuschauer in eine Magical-Girl-Parodie wirft, die auf den ersten Blick überhaupt nichts mit der Haupthandlung zu tun hat. Es handelt sich dabei um eine gelungene Reproduktion eines von Schülern gedrehten ungewollt trashigen Films, inklusive schlechter Kamerafahrten, noch schlechteren Schauspielern und haufenweise Fehlern. Vor allem aber lernt der Zuschauer den Erzähler Kyon durch seine vielen bissigen Kommentare kennen, der auch im weiteren Verlauf der Serie diese Rolle übernimmt und diesen Anime alleine durch diese Art der Erzählung zu etwas besonderen macht. Eine solche erste Folge, die die meisten Zuschauer, einfach nur verwirrt, als Einstieg zu zeigen, kann nur als ausgesprochen mutig bezeichnet werden, hat aber in Japan unter anderem die Mund-zu-Mund-Propaganda in Gang gesetzt hat. Durch die komische Machart der Folge, werden allerdings auch schnell Zuschauer vertrieben, so dass man nur betonen kann, dass diese Folge nicht als repräsentativ für diese Serie gelten kann.

Die eigentliche Geschichte beginnt erst in der zweiten Folge der DVD und während Kyon uns weiterhin als Erzähler begleitet, lernen wir Haruhi kennen, die mit ihrer unglaublichen Persönlichkeit für frischen Wind unter den Anime-Charakteren sorgt. Vor allem im Wechselspiel mit Kyon zeigt sich die sehr gute Qualität der Dialoge, die einen teilweise mit ihrem Sarkasmus eher an gut geschriebene US-Comedy-Serien erinnert. Während die Serie sich hier noch auf Bahnen der Romantic-Comedy bewegt, kommt durch das plötzliche Einmischen von Sci-Fi-Elementen ein nahezu einzigartiger Genre-Mix zustande. Sogar der relativ harmlose Fanservice, für den Mikuru oft von Haruhi missbraucht wird, ist sehr gut in die Handlung integriert und wirkt weitaus weniger platt als in anderen Werken. Positiv ist auch noch zu bemerken, dass die Geschichte an sich sogar philosophische und religiöse Fragen aufwirft und gerne zitiert, ohne dabei allzu intellektuell zu werden. Dadurch kann man die Serie ganz normal zur Unterhaltung genießen, aber auch hier und dort zu interpretieren anfangen.

Durch die außergewöhnliche Inszenierung und den leicht extremen Charakter von Haruhi, der manch einen abschrecken wird, kann die Serie wohl nicht jedem gefallen. Allerdings hebt sie sich dadurch auch angenehm aus dem Anime-Allerlei ab, und solche Serien, die nun mal leicht polarisieren, sind wichtig für den Anime-Markt, allein schon des frischen Windes wegen. Unentschlossene sollten sich die Folge „Die Melancholie der Haruhi Suzumiya I“, die u.a. auch auf der Animania-DVD veröffentlicht wurde, zu Gemüte führen, da sie als repräsentativ für einen Großteil der Serie gelten kann.

Im Gegensatz zu den USA, wo Bandai Entertainment zusammen mit dem japanischen Distributor ordentlich die Werbetrommel gerührt hat, erscheint die Serie hierzulande wie jede andere normale Serie, auch wenn Anime Virtual die Fans zumindest bei der Wahl der deutschen Sprecher hat mitreden lassen. In Japan wurde die Serie im Fernsehen nicht chronologisch ausgestrahlt, d.h. nach der Folge „Die Melancholie der Haruhi Suzumiya II“ wurde eine einzelne Geschichte erzählt, die eigentlich viel später später spielt und sogar Charaktere enthält, die einem noch gar nicht vorgestellt wurden. Auch dies sorgte damals in Japan für Aufsehen und macht eine Teil des Charmes dieser Serie aus. Während in den USA die Folgen auch in dieser Reihenfolge auf den Bonus-DVDs der limitierten Editionen gepackt wurden, kriegen wir hierzulande noch nicht mal die Previews der TV-Ausstrahlungen, die sich von Varianten der DVD-Folgen stark unterscheiden. Dadurch kann man die Serie hier nun leider gar nicht original in dieser Reihenfolge schauen. Auch das sonstige völlige Fehlen von Bonusmaterial auf der DVD macht die Veröffentlichung von Anime Virtual sehr lieblos, und ist dem Potential der Serie unangemessen.

Wer aber Wert auf eine deutsche Synchronisation legt, sollte trotzdem zu dieser Fassung greifen, da die Serie für Freunde von Comedy, die einen geistig nicht beleidigt, in Verbindung mit einer kreativen Geschichte einen Pflichtkauf darstellen sollte.