Tja, Beez und Bandai sind nicht mehr das, was sie mal waren (ok, das kann man schon länger von ihnen sagen) und Media Blasters strauchelt auch etwas und in den USA kann man trotzdem den Großteil der aktuellen Serien legal im Netz gucken, und Aniplex bringt teure Boxen nach japanischer Art auf den amerikanischen Markt – Zeit mal wieder einen passenden Bla und Blub-Artikel zu den aktuellen Entwicklungen mit einem Blick ins Ausland zu schreiben.

Für den deutschen Markt ist der Verlust von Beez für viele wohl kein so großer Schaden (JimmPantsu hatte dem Thema auch einen eigenen Artikel gewidmet), aber es zeigt deutlich wohin sich der Markt wohl entwickeln wird, wobei man in Deutschland einiges einfach noch nicht sehen kann. Schaut man sich doch mal die aktuelle Situation in den USA an (trifft im Moment auf die meisten Serien zu):

  • In Japan starten die Planungen für eine neue Serie.
  • Irgendwann wird wohl mit amerikanischen Publishern verhandelt, ob jemand schon im Vorfeld die Serie lizenzieren möchte, oder ob sie einen Simulcast machen wollen.
  • Wenn kein Publisher zugreift, verwendet man vielleicht Crunchyroll oder Nico Nico Douga, um den Anime dort zu zeigen.
  • Die Serie startet in Japan im Fernsehen, wo die Produktionsfirma bzw. deren Partner die Sendezeit auf diversen Sendern kaufen, um die Serie dort nachts zu zeigen (Ausnahmen wären hier Mainstream-Serien wie Bleach oder Bakuman, die zu besseren Sendezeiten laufen, oder auch der noitaminA-Block, wo es auch etwas mehr auf die Einschaltquoten und die Werbeeinnahmen ankommt).
  • Zur gleichen Zeit oder ein paar Tage davor werden die Simulcasts angekündigt oder gar die Lizenzierung des Titels.
  • Anhand des Erfolgs in Japan und des Simulcasts wird spätestens entschieden, wann der Anime in welcher Form in den USA erscheint (Sub-only, Blu-ray).

Teilweise läuft das in Großbritannien oder Frankreich so ähnlich, wobei in Deutschland bislang durch fehlende Simulcasts der hiesigen Publisher und die langsamere Lizenzierungspolitik hier langsamer zugegriffen wird.

Der Großteil der Serien, die so in den USA erscheinen, sind recht simple Veröffentlichungen mit relativ wenigen On-Disc-Extras und simpler Verpackung. Zwar gibt sich Funimation deutlich mehr Mühe als ein Sentai, aber meiner Meinung nach sind z.B. die deutschen Veröffentlichungen z.B. von Kazé doch noch etwas aufwendiger gemacht – und von den japanischen Versionen fangen wir gar nicht mehr an. In den USA gibt es NIS America noch einen anderen Publisher, der recht wenig im Vergleich veröffentlicht, aber auch mehr Wert auf die Ausstattung (Verpackung, Artbook) legt und eher den Sammler anspricht. Auch die Veröffentlichungen von Aniplex USA sollen meistens eher den Sammler ansprechen, wobei die Preise dann auch immer etwas höher sind als bei der Konkurrenz. Es scheint mir so zu sein, dass Bandai den US-Markt verlassen hat, da sie bei dem Preiskampf nicht mehr mitmachen wollten, wobei die Gewinne aus dem US-Markt allgemein eh nicht gerade überwältigt sind. Wenn man nun nämlich einen Blick auf Bandai in Japan wirft, dann merkt man, dass sie bei aktuellen Veröffentlichungen wie Tiger & Bunny und Horizon on the Middle of Nowhere einfach englische Untertitel auf die Blu-rays getan haben, um mehr internationale Kunden zu erreichen. Bei Gundam Unicorm wurden gleich internationale Fassungen erstellt, die dafür aber auch in den USA und anderen Ländern offiziell vertrieben werden. Aniplex macht ja mit einigen japanischen Scheiben etwas ähnliches in den USA, ob nun die Garden of Sinners – Blu-ray-Box oder Fate/Zero – man verpackt die japanische Veröffentlichung ggfs. neu, fügt Übersetzungen für Booklets etc. bei und verkauft diese zum hohen japanischen Preis selbst im Ausland.

Jetzt mag man sich fragen, warum tun sie das, da ja vermutlich nicht viele Leute bereit sein werden, diesen Preis zu zahlen? Tja, wenn man sich wieder den amerikanischen Markt mit den vielen billigen Veröffentlichungen von Sentai und Funimation anschaut, dann kann man sich vielleicht denken, dass die japanischen Lizenzgeber sich nicht gerade mehr eine goldene Nase in den Vereinigten Staaten verdienen werden. Zudem gibt’s seit Blu-ray wohl auch das Problem, dass die Japaner nun noch leichter auf die US-Version zugreifen können, und jeder der mal in den letzten Jahren etwas importiert hat, wird sehen, dass das doch recht einfach geworden ist, so dass der ein oder andere Japaner mit etwas Geduld vielleicht auch einfach zur preiswerten Variante greifen könnte. Der Preisverfall ist aber vermutlich das größte Problem und vielleicht stört es die Lizenzinhaber einfach, dass ihre Titel mittlerweile regelrecht verramscht werden, während die japanischen Preise in den letzten Jahren durch den Blu-ray-Aufschlag wohl eher gestiegen sind.

Es ist natürlich kein Wunder, dass die Preise in den USA so gesunken sind, da allgemein einem die neusten Hollywood-Filme und US-Serien recht preiswert hinterher geworfen werden und natürlich haben die US-Publisher einiges versucht, um dort mithalten zu können. Zudem sinken die physikalischen Verkäufe natürlich auch teilweise, da man nun ja auch auf iTunes oder diversen anderen Diensten sein Geld und seine Zeit loswerden kann. Zudem ist die heutige Generation an Konsumenten einfach nicht mehr so stark auf das physikalische Besitzen aus, da man durch iTunes bei Musik oder auch den On-Demand-Diensten bei Xbox 360 oder PS3 daran gewöhnt wird, nicht immer eine DVD/CD nach dem Kauf in den Händen zu halten. Bei Anime sind die Leute ja eh schon lange verwöhnt, da die Server eigentlich immer verdammt schnell waren, einen per IRC, Edonkey oder später Bittorrent mit illegalen Folgen frisch aus Japan zu versorgen. YouTube und die diversen illegalen und legalen Streaming-Portale haben ihr Übrigens getan, um das Verlangen nach dem Besitz zu schmälern. In den USA drehte man etwas an der Preisschraube, damit man vielleicht einfach eine 26-Folge-Serie für $20 kauft anstatt das Sammel-Torrent zu starten und damit kann man tatsächlich bedingt eine Konkurrenz zu illegalen Quellen bieten, weswegen Funimation ja ihrer Aussage nach noch erfolgreich im amerikanischen Markt ist. Im Moment hilft es aber vermutlich auch, dass der Online-Kauf von Folgen noch nicht allzu preiswert im Vergleich zum physikalischen Datenträger ist und nicht alles per Stream verfügbar ist. Wenn allerdings der Preiskampf auch online richtig beginnt, dann wird bestimmt früher oder später auch die Veröffentlichung auf DVD oder Blu-ray bei manch Serie einfach keinen Sinn mehr machen und sie wird vielleicht nur online angeboten. Bei Musik ist das ja schon oft passiert und ich bezweifle, dass solche Entwicklungen bei Anime nicht auftreten werden.

Nun mögen viele schreien: „Halt! Ich will keine Streams, ich will meine DVD/BD für’s Regal!“

Ich auch…zumindest bei manchen Serien…und hier kommen nun die lokalen bzw. die japanischen Publisher ins Spiel, denn ich denke, die einzige Chance, dass Anime-Veröffentlichungen auf physikalischen Medien überleben, ist die Zielgruppe der Sammler richtig zu bedienen. Wie oben schon erwähnt, fährt Kazé in Deutschland diese Schiene und legt recht viel Wert auf eine hübsche Verpackung oder Booklets. Manchmal gibt’s auch mal den Soundtrack dazu und ähnliches. In den USA würde man teilweise sogar die Synchronisation als etwas Besonderes ansehen^^. Gut, dass die DVDs manchmal technisch nicht ganz perfekt sind, mag manchen stören, aber den meisten Sammlern scheinen einige Sachen einfach eh nicht aufzufallen, aber das ist eh nicht das Thema. Ich denke, die Sammlerzielgruppe ist gar nicht mal klein in Deutschland.

In Japan baut man bei Anime eh hauptsächlich auf die Sammler, denn die Preise sind einfach so hoch, damit man bei den paar willigen Käufern gleich etwas mehr verlangen kann, da sie dann eh auch zugreifen. Zudem müssen natürlich auch einige Flops gegenfinanziert werden. Im Gegensatz zu Deutschland kaufen sie aber ja auch nicht die Katze im Sack, sondern können den Großteil der Serien einfach im Nachtprogramm Probe gucken. Und nun werfen wir doch mal zum Beispiel einen Blick auf Fate/Zero: Die Serie erschien international als Simulcast und konnte kostenlos bei Nico Nico Douga geschaut werden. Damit erhielten die internationalen Fans die Möglichkeit, die Serie sich anzuschauen, damit es ihnen leichter fällt den japanischen Preis zu zahlen. Somit werden wir ins gleiche Boot geworfen wie die Japaner, auch wenn wir nur englische Untertitel kriegen, sollten zumindest die meisten Hardcore-Fans sich damit zufrieden geben. Der Preis ist hoch, aber vermutlich verdienen die Japaner an den paar Leuten, die bereit sind den Preis zu zahlen, immer noch mehr als wenn sie jetzt die Lizenz z.B. an Funimation verkaufen würden oder die Serie selbst in den USA später selbst lokalisierter vertreiben. Ich glaube nicht, dass Fate/Zero niemals in den USA z.B. mit Synchronisation erscheinen wird, aber vermutlich lässt man sich damit nun etwas mehr Zeit. In 2 Jahren würden viele die Serie dann auch noch kaufen, aber die „Early Adopter“ wurden halt vorher schon bedient. Ich denke, das wird die neue Taktik werden, um bestimmte Serien international zu vermarkten, zusammengefasst:

1. Man gibt dem internationalen Publikum die Möglichkeit die Serie zu gucken (kostenlos oder gegen geringe Gebühr wie bei Crunchyroll)

2. Dann veröffentlicht man importierfreundliche Blu-rays und vertreibt sie vielleicht auch selbst in den USA, mit der japanischen Ausstattung und fast dem japanischen Preis.

3. Später kommt eine lokalisierte Fassung zu einem normaleren Preis (oder auch nicht)

Aniplex macht bei Mahou Shoujo Madoka Magica noch ein Zwischending: Man erstellt eine Synchronisation und veröffentlicht recht teure Einzel-Volumes und aber auch Special Editions, die vergleichbar mit den japanischen Veröffentlichungen sind, setzt dafür den Preis etwas höher und nähert sich den japanischen Preisen dort an. Diese Taktik ist etwas gefährlich, aber klingt für mich erfolgversprechender als die K-ON!-Taktik von Bandai: Einzel-Volumes fast ohne Extras. Da war es kein Wunder, dass viele auf eine Box gewartet haben, da diese auch nicht weniger bieten kann. Hier nutzt Aniplex natürlich aus, dass es sozusagen von sich selbst lizenziert, aber ich finde diese Entwicklung im Prinzip gut. Ich bezahle lieber für feine Veröffentlichungen meiner Lieblingsserien mehr und erhalte schöne Veröffentlichungen, die man sich gerne ins Regal stellt und manch Durchschnittsserie guckt man einfach nur bei Crunchyroll oder ähnlichem. Witzigerweise bietet die italienische Fassung nun auch eine ähnliche Ausstattung, kommt aber von einem lokalen Anbieter.

Tja, was bedeutet dies nun für den deutschen Markt? Schwer zu sagen…im Moment scheint einiges hier noch eher etwas „altmodischer“ abzulaufen, das Einzelvolumes den Markt fast beherrschen und die Preise hier noch relativ hoch sind. Hier legt man teilweise aber schon mehr Wert auf die Verpackung und damit auf die „Sammlerzielgruppe“, aber wenn nicht bald Blu-rays sich durchsetzen, wird man hier auch Kunden verlieren, denn „Außen hui, innen pfui“ (bezogen auf DVD) wird viele einfach nicht mehr überzeugen können. Wenn man etwas sammelt, möchte man es auch auf einem Medium haben, was man auch noch gut in ein paar Jahren auf großen Bildschirmdiagonale anschauen kann.

Zumindest ein Teil der Sammler kann auch schnell ins Ausland abwandern und einfach immer die Variante kaufen, die das beste Preisleistungsverhältnis bietet. Man darf natürlich auch nicht die Leute vergessen, die auf deutsche Versionen wegen der Synchronisation angewiesen sind, aber da mittlerweile weniger neue Zuschauer durch die kleinere Präsens im Fernsehen dazukommen, kann es auch gut passieren, dass sie Anime durch die bessere Verfügbarkeit untertitelt kennenlernen. Einen Kollegen von mir habe ich vom Dub-Gucker auch gut zu einem gelegentlichen Sub-Gucker konvertiert, da es ihm auch eher um den Inhalt geht und nicht darum, ob eine Synchro existiert oder nicht. Er würde nun auch bei Käufen wohl eher zu der Version mit dem besten Preisleistungsverhältnis greifen und da kann traditionsgemäß der dt. Markt nicht so gut mithalten.

Der europäische Markt hat Chancen, wenn die Publisher mehr zusammenarbeiten und sich so Mastering-Kosten teilen, aber wohl nicht jeder Publisher würde das machen und so verlieren einige Veröffentlichungen schnell an Konkurrenzfähigkeit. Wenn z.B. bei der dt. Version von Madoka fast nur noch die deutsche Synchronisation das Herausstellungsmerkmal ist, und der Rest bis auf den untertitelten Audiokommentar immer weniger bietet als die ausländischen Versionen, dann wird der dt. Markt Probleme kriegen. Ich glaube auch nicht, dass die dt. Publisher groß in der Lage sind durch die Lizenzierung von Fanlieblingen und tolle Umsetzungen sich hervor zu tun, denn ich habe selten das Gefühl, als sind die Publisher hier mit viel Herzblut und Glauben an ihre eigenen Serien dabei. Wenn man sich z.B. anschaut wie NIS America oder Aniplex USA mit den Fans kommunizieren und ihre Serien „promoten“, da merkt man stark, dass sie selber eher Fans sind (zumindest teilweise) und so kann man eher die Leute bewegen, Geld in liebevolle, etwas teurere Versionen zu investieren. Auch in Japan wird viel mehr Wirbel rund um die Serien natürlich gemacht und so ist es kein Wunder, dass man dort oftmals auch mehr Umsatz mit den Werken macht. Natürlich ist hier auch das Problem, dass die Publisher fast nur den Verkauf der Medien Geld machen können und damit die Unkosten durch Dub und co kompensieren müssen und man in Japan durch den Verkauf von Merchandise noch weitere Einnahmequellen hat. Wenn man sich anschaut, dass manch Serie eine 2. Staffel bekommt, während die Verkäufe eigentlich sehr gering waren, dann wird einem schnell klar, dass da auch an anderen Stellen Geld reinkommt (Figuren, Tassen, T-Shirts…). Das fehlt natürlich dem dt. Markt.

Zumindest wird es wohl immer schwieriger werden, Serien in Deutschland zu veröffentlichen, und der Filmmarkt bietet auch nicht so viel Auswahl in Japan, vor allem wenn viele Filme eh auf Serien basieren…

Ansonsten wird bestimmt kein Wunder geschehen und der Animemarkt plötzlich wachsen, während der restliche Markt an physikalischen Medien sinkt, so dass die Finanzierbarkeit von manch Serie nicht plötzlich einfacher wird. Ich denke am amerikanischen Markt wird man den Einfluss der japanischen Publisher und deren Versuche, mehr Serien und Filme möglichst selbst zu veröffentlichen, öfter sehen. Vielleicht wird auch die ein oder andere dt. Untertitelspur den Weg auf Blu-rays finden, wobei sich das im Moment bei diesen speziellen, recht teuren Veröffentlichungen wohl einfach nicht lohnen wird.

Das klingt jetzt etwas pessimistisch für den hiesigen Markt und vermutlich wird es noch eine Weile wie gewohnt weiter gehen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Änderungen im Kaufverhalten unbeschadet an einem kleinen Markt wie der dt. „Animeindustrie“ vorbeigehen wird…

Nun würde mich natürlich interessieren, wie bei meinen Lesern das Interesse an den verschiedenen Veröffentlichungsmöglichkeiten ist?