Der letzte Artikel aus der Reihe ist schon eine ganze Weile her (3 Jahre oder so) und seitdem gab es viele für mich doch ziemlich unerwartete Entwicklungen auf der Industrieseite.

Denn die Menge an Publishern nahm eher noch zu und gerade KSM tauchte geradezu aus dem Nichts auf und veröffentlicht mittlerweile mit am meisten Serien. Zudem kosten ihre Scheiben sogar noch etwas mehr als bei der Konkurrenz und so schlecht scheint es für sie nicht zu laufen. Auch finde ich es interessant, dass Universal hier nun selbst verhältnismäßig günstig gut ausgestattete Serien veröffentlicht (z.B. The Heroic Legend of Arslan und Seraph of the End). Sogar ein kleiner, neuer Publisher ist mit Animoon entstanden, der wohl eher ungewöhnlichere Titel veröffentlichen will, wobei man hier doch einige Parallelen zu Film Confect erkennen kann. Da ihre erste Serie (Yosuga no Sora) erst vor kurzem erschien, kann man noch wenig über sie sagen, aber bei KSM und Universal scheint es noch ein paar Probleme zu geben, die bei der „älteren“ Konkurrenz inzwischen nur noch seltener auftreten. KSM verwendet wohl noch gerne Dubtitles und Universal spart scheinbar etwas an der Synchronisation. Natürlich ist die Qualität einer Synchronisation immer noch ein Streitpunkt bei vielen Veröffentlichungen, aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass die Publisher bei den wichtigeren Titeln meistens eine gute Arbeit abliefern. Und nie zuvor liefen so viele Anime im Kino, was immer eine schöne Entwicklung ist.

     

Persönlich finde ich es sehr überraschend, dass die Publisher sich im Animebereich im Gegensatz zum Rest der DVD/Blu-ray-Industrie (noch?) nicht über sinkende Verkäufe beklagen. Netflix und Amazon Prime Video haben erfolgreich viele Leute überzeugt, dass es doch wenig Sinn macht, seine Regale mit Serien und Filmen zu füllen. Gerade der Siegeszug von TV-Serien auf DVD ließ wohl früher die Kassen klingeln, denn seine geliebten Serien am Stück ohne Werbung genießen zu können, überzeugte doch viele noch vor ein paar Jahren, sich mit günstigen Season-Boxen einzudecken. Allgemein wurde das Film und Seriensammeln im DVD-Zeitalter recht normal und verließ die Nische. Da war es kein Wunder, dass die Umsätze immer mehr stiegen, während das normale Fernsehen fast nur noch mit Reality TV und Comedyserien Zuschauer anziehen konnte. Doch dann wurde das Internet immer schneller und die Streamingplattformen wurden geläufiger. Ein paar exklusive und gleichzeitig hochwertige Serien später und viele Leute haben gemerkt, dass es doch viel einfacher ist, online seine Serien und Filme mittlerweile auch legal zu gucken. Ganze Serien am Stück direkt beim Erscheinen zu gucken, wurde zu einer weit verbreiteten Erscheinung und natürlich fragt man sich dann, warum man sich überhaupt Scheiben ins Regal stellen soll. Beim Umziehen merkt man spätestens wie nervig Sammlungen werden können und viel Platz braucht man für die Scheiben eh. Qualitätsmäßig liefern zumindest Amazon und Netflix schon eine Qualität, die sich hinter Blu-ray nicht unbedingt verstecken muss. Extras auf DVD und Blu-ray werden wohl eh nur von wenigen Leuten geschaut, mehrere Sprachen und Untertitel gibt es auch online und zum Angeben eignet so eine Sammlung physikalischer Medien sich auch nicht nur bedingt, also ist es kein Wunder, dass Streaming mit seiner Bequemlichkeit überzeugen kann. Wenn man sich seine Serien und Filme als Stream bei Amazon kauft, kann man auch davon ausgehen, dass man diese noch in 10 Jahren gucken kann, denn Amazon wird wohl nicht so schnell pleite gehen. Zudem wird wohl vielen aufgefallen sein, dass man eine Serie nicht unbedingt besitzen muss, wenn man sie eh nur einmal schaut. Und bei dem riesigen Angebot an neuen Serien jedes Jahr, kann man sich auch fragen, warum man überhaupt irgendwas noch einmal schauen sollte, wenn man doch eh nicht hinterher kommen kann bei dem Angebot?

Im Animebereich beklagten sich Publisher allerdings noch nicht, wie oben schon erwähnt, über diese Umsatzrückgänge und so lange sie zu expandieren scheinen, wirkt der Markt recht gesund. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Animekäufer eh schon immer traditionelle Sammler waren, die den Kram einfach im Regal stehen haben wollen. Anders als in den USA und Großbritannien versuchte man hier nicht mit günstigeren Verpackungen und ohne Synchronisation die Preise zu senken, sondern hier gibt man sich einfach mehr Mühe, ein ansprechendes Drumherum zu liefern. Die beiden großen englischsprachigen Länder (USA/UK) kehren auch wieder zu den Sammlern zurück, aber viele Titel erscheinen dort immer noch recht günstig im Vergleich. Hierzulande bekommt nahezu jede Serie eine Synchronisation, auch wenn sie vielleicht nur eine Nische anspricht und bei mehreren Flops kann das für einen Publisher auch mal weniger schön enden. Erschwert wird dies auch, da die Japaner wohl gerne Simulcast-Lizenzen mit Disk-Lizenzen zusammen verkaufen und schon vor dem Start einer Serie einzuschätzen, ob sich die Veröffentlichung lohnt, ist äußerst schwierig. Gerade bei Kazé kann man gut erkennen, dass sie manche Lizenzen erst eine ganze Zeit liegen lassen, bevor sie in den Läden landen. Dank der Simulcastzahlen kann man ja schon eine generelle Idee bekommen, wie gut eine Serie in Deutschland ankommen könnte. Persönlich frage ich mich zudem oft, warum Leute gerne lange Serien mit über 100 Folgen sammeln. Zum einen muss man die ja auch erstmal schauen und zum anderen ist die Investition über einen längeren Zeitraum nicht zu unterschätzen. Deswegen wundere ich mich z.B. besonders, warum KSM z.B. Gintama hierzulande veröffentlicht. Die vielen Veröffentlichungen allgemein sorgen natürlich auch dafür, dass man schlechter alles kaufen kann, für das man sich interessiert, und Geld ist nur endlich vorhanden im Markt. Wenn es sich auf mehr Releases aufteilen muss, floppt mehr. Und wenn zu viele Werke bei einem Publisher floppen, kommt es früher oder später zu Konsequenzen.

Ich frage mich aber wirklich, wie lange die Sammler noch fleißig Serien kaufen werden. Vielleicht profitiert die Anime-Szene noch davon, dass die RTL2-Anime-Generation nun Geld verdient und deswegen die Anzahl der Käufer groß genug ist, aber was kommt danach? Ich glaube nicht, dass die Kinder heutzutage noch viel Anime im TV gucken werden. Es läuft zwar vereinzelt noch etwas, aber das generelle Angebot an Medien ist einfach größer geworden. Und Eltern fangen wohl auch eher an, die Kinder vor das Kinderprogramm von Netflix zu setzen, da man dort einfacher wählen kann, was die Kinder gucken und zudem gibt es dort keine Werbung. Darüber hinaus fehlen auch etwas die neueren kinderfreundlichen Animeserien. Alleine mit der aktuellen Pokemon-Staffel wird man auch keine neue Anime-Generation heranzüchten können. Ich denke auch, anstatt Anime oder überhaupt TV zu gucken, schauen viele auch z.B. einfach Minecraft-Streams von YouTubern. Da wird es einfach schwierig werden, neue Animefans zu kreieren. Man muss Anime nun erstmal finden, um davon Fan zu werden und bereit zu werden, dafür die recht hohen Preise (im Vergleich) zu zahlen.

Ich bezweifle auch, dass Neulinge zum Reinschnuppern sich gleich mal ein Anime-on-Demand oder Akiba Pass Abo holt, immerhin kann man bei Crunchyroll recht viel auch kostenlos sehen. Und eine App auf Smartphone und Spielkonsole hilft auch etwas, auf das Angebot hinzuweisen, aber man müsste auch versuchen neben dem sterbenden Free TV, online noch mehr Präsens zu zeigen. Falls das Jugendangebot von ARD/ZDF (funk) sich stärker durchsetzen sollte, könnte man dort z.B. auch Anime platzieren. Es ist bestimmt auch nicht schlecht, dass es einiges bei Clipfish zu sehen gibt. Mehr Präsens bei Netflix und Amazon Prime kann auch nicht schaden. Es sollten nur am besten dann Serien und vor allem Filme sein, die recht nahe am westlichen Geschmack sind. Auch helfen Synchronisationen auch sehr beim Einstieg, denn der deutsche Konsument ist ja traditionell sehr verwöhnt. Vor allem sind Filme immer ein guter Einstiegspunkt und gerade so Werke wie Your Name. und A Silent Voice sollten einfach normal im Kino laufen. Das bringt mehr für den „Ruf“ von Anime als One Piece und Naruto auf der großen Leinwand. Klar zieht man dann vielleicht weniger Zuschauer an als mit den bekannten Werken, aber trotzdem spricht man mit den Franchise-Filmen keine neuen Zielgruppen an.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es noch lange so viele Veröffentlichungen in Deutschland geben wird. Es ist schön, dass die meisten wichtigeren Serien als Simulcast zumindest bei einem der Anbieter anschaubar sind, aber wahrscheinlich werden bald nur noch wenige auf Disk erscheinen und dann eher in Sammlerfassungen, was im Prinzip auch am meisten Sinn macht. Es ist nur die Frage, wie sich Synchronisationen für Serien noch lohnen werden, die nicht auf Disk erscheinen sollen. Ein anderer Punkt, der Anime allgemein zusetzen könnte, ist die gestiegene Qualität der amerikanischen TV-Serien. Als ich in die japanische Popkultur einstieg, gefiel mir besonders gut, dass es viele hochqualitative Serien mit Anfang und Ende gibt, d.h. anders als in den USA müssen Serien nicht unbedingt immer mehrere Staffeln gehen. Mich nervte es da einfach, dass die Serien oftmals kein richtiges Ende bekamen, da sie frühzeitig abgesetzt wurden. Dank vieler Light Novel- und Manga-Adaptionen gibt es das Problem auch verstärkt bei Anime in den letzten Jahren, aber qualitätsmäßig gab es hier eher Stillstand. Nur wenige Originalanime ohne Vorlage können letztendlich überzeugen, während in den USA viele gute Serien produziert werden. Der Vergleich hinkt natürlich etwas, da amerikanische TV-Serien natürlich ein höheres Budget haben, aber trotzdem sollte Anime hier auch mehr versuchen am Storytelling zu arbeiten, damit es mehr gute eigenständige Werke gibt. Und bei Umsetzungen von Light Novels und anderen Vorlagen wäre es oft auch nicht verkehrt, wenn man sich etwas von Vorlage lösen würde, wenn man dann ein mehr zu einer TV-Serie passendes Ergebnis liefern würde.

Meine Gedanken klingen hier etwas düster, aber ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass die Erfolge im deutschen Markt noch lange so weiter gehen werden. Irgendwann wird wohl wieder weniger hierzulande erscheinen, aber so lange das Angebot an legalen Streams groß bleibt, ist das zumindest für den Fan „überlebbar“, denke ich.