Kurz gesagt: Die Genialität ist zurück! Wer die „The Sigh of Haruhi Suzumiya IV“ noch nicht gesehen hat und die Light Novels nicht kennt, sollte nicht weiter lesen, denn die Geschehnisse wirken wohl am besten am besten, wenn sie einen unvorbereitet treffen.

Während der Anfang der Folge noch deutlich zeigt, dass Haruhi’s unterbewusster Wille immer noch stark ist und wieder Kontaktlinsen zu Waffen umbaut, verstärkt die Folge mit jeder Dreistigkeit von Haruhi immer mehr das Gefühl, dass die lustigen Zeiten vorbei sind.

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Vor allem der düstere Soundtrack unterstreicht die Geschehnisse perfekt, so dass Haruhi’s Einsätze von Mikuru keineswegs mehr lustig sind, sondern einfach nur erschreckend wirken, und Tsuruya-san’s überdrehtes Lachen das ganze fast etwas irreal wirken lassen (in der Animewelt). Visuell wird der beängstigenden Stimmung aber die Krone aufgesetzt, als der Drehort in Tsuruya-san’s Haus wechselt. Nun passt sich die Optik der Musik und Kyon’s Stimmung perfekt an, und der tolle Einsatz von Schatten unterstreicht die „dämonische“ Seite von Haruhi noch zusätzlich und der Humor musste wohl endgültig vor der Tür bleiben.

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Der folgende „Streit“ zwischen Haruhi und Kyon zeigt allen Kritikern des neuen Zeichenstils, dass er auch perfekt zu dramatischen Szenen passen kann, wenn er toll animiert ist. Auch die Kameraperspektiven strotzen wieder vor Kreativität und ich kann mir fast nicht vorstellen, dass man die Szene hätte besser schneiden können.

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Hier kann KyoAni endlich wider ihre Muskeln spielen lassen und zeigen, dass sie bei emotionalen Szenen das Budget sehr gut ausnutzen können und absolut flüssige, überzeugendende Animationen zaubern können.

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Auch wenn die Szene wohl in den Büchern etwas anders dargestellt wird, so dass Haruhi dort wohl etwas gewalttätiger erscheint, kann man meiner Meinung nach Kyon’s Reaktion verstehen. Nicht nur, dass Haruhi Mikuru während des ganzen Drehs zu immer schlimmeren Sachen gezwungen hat (Kostüm, ins Wasser schmeißen, „Itsuki küssen“, mit Alkohol gefügig machen), nein, die „Protagonistin“ gibt regelrecht zu, dass Mikuru für sie nur ein Spielzeug ist! Zuvor hat sie zwar auch so geredet, aber bestimmte Grenzen hat sie meistens nicht überschritten (die Sache mit der „sexuellen Belästigung“ als Erpressung ist für mich eine überschrittene Grenze).  Ich finde auch interessant, dass Kyon ihr nicht einfach eine Backpfeife geben möchte, sondern wohl tatsächlich mit der Faust zuschlagen möchte. Die obligatorische Backpfeife zum „Aufwecken“ von abgedrehten Charakteren wäre wohl etwas zu harmlos gewesen, und ein verhinderter Fautschlag hat weitaus mehr Wirkung. Nicht umsonst ist Haruhi tatsächlich geschockt. Zum ersten Mal bäumt sich Kyon wirklich auf und will sich durchsetzen, und zwar sogar mit körperlicher Gewalt. Natürlich bleibt Haruhi nicht lange sprachlos, denn sie argumentiert sofort wieder, dass sie ja der „Chef“ ist. Sie scheint aber davor fast in Tränen auszubrechen, so dass man merken kann, dass sie wirklich gekränkt ist. Ich finde Kyon’s Aussage darauf sehr interessant, wo er seinen „Gewaltausbruch“ als Erziehungsmaßnahme verpacken möchte, da Haruhi sonst wohl einfach nicht lernen kann, und sie sonst bald alle meiden würden.

Denn schon in den letzten Folgen hatte ich teilweise sehr viel Mitleid mit Haruhi, da sie eigentlich der einzige Charakter in der Serie ist, der wirklich alleine ist. Richtige Gespräche führt sie scheinbar nur mit Kyon, der aber immer relativ desinteressiert und immer zynisch ist. Kyon dagegen unterhält sich scheinbar weitaus öfter mit den anderen Mitgliedern der SOS-Brigade und vor allem sein Interesse an Mikuru bleibt Haruhi ja definitiv nicht verborgen. Am Ende von Endless Eight kam dieser Wunsch Anschluss an die anderen zu bekommen klar zu Tage. In gewisser Weise ist Haruhi ja selbst schuld an der Situation und sie kann nicht wissen, warum die anderen schon fast Angst vor ihr haben und sie deswegen wohl auch distanziert behandeln. Es ist ja offensichtlich, dass Haruhi an Kyon ein romantisches Interesse hat, was ja wieder durch die andeutete Zopfaktion im Clubraum klar gezeigt wird.

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Es ist interessant, dass Haruhi sich bestimmt immer noch im Recht fühlt, aber trotzdem auf eine ziemlich platte Art seine Aufmerksamkeit wieder gewinnen möchte (dies zumindest in Betracht zieht). Kyon schafft es mit seiner „aufmunternden“ Aussage (für seine Verhältnisse) es immerhin, eine Art Waffenstillstand auszurufen.

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Haruhi’s Pose (siehe Screenshot) nach Kyon’s Aussage zeigt auch mal einen Seite von ihr, die man ansonsten selten sieht: Zuvor war sie aufgesetzt beleidigt und wenig später war sie wieder übertrieben motiviert mit einem leicht dämonischen Zug, aber für diesen kurzen Moment konnte man für einen kurzen Moment die verletzliche Seite von Haruhi sehen. Ich glaube schon, dass Haruhi aus dieser ganzen Sache etwas gelernt hat, da sie es später beim Konzert es schafft, sich als Vertretung als Teil der Band zu integrieren und sich nicht nur ins Rampenlicht stellt. Es ist schon interessant, dass man die späteren Folgen, die man ja schon kennt, jetzt mit etwas anderen Augen sehen kann.

Auch Kyon macht in dieser Folge eine Entwicklung durch, denn ähnlich wie in „The Melancholy of Haruhi Suzumiya VI“ muss er sich fragen, was Haruhi eigentlich für ihn bedeutet. Und er schafft es ihre positiven Seiten zu erkennen, und zwar nur, da er durch einen anderen zynischen Charakter (Taniguchi) darauf „aufmerksam“ gemacht wird, dass er sich Haruhi auch etwas unfair gegenüber verhalten hat. Zwar gehöre ich klar der „Haruhi x Kyon“-Fraktion an, aber ich glaube nicht, dass er in diesen Momenten schon wirklich in sie verliebt ist. Es ist klar, dass sie ihm sehr viel bedeutet, und das zeigt er mit seinen ausgesprochenen Sorgen, dass sie sich zu einem Idioten entwickeln könnte, den alle meiden, klar. In diesem Moment ist er nicht der Mikuru-Beschützer, sondern er sorgt sich wirklich um Haruhi. Das ist ein Unterschied zu den ganzen anderen Malen, wo er Mikuru beschützt hat, denn das konnte man oft auch als Mitleid für Mikuru verstehen (was ich auch verständlich finde). Etwas ironisch ist es allerdings, dass Mikuru es am besten schafft, ihn wieder zu beruhigen…

Natürlich gibt es noch andere interessante Aspekte dieser Folge, vor allem das Gespräch mit Ituski ist wieder aufschlussreich, oder die Kirschblüte zur falschen Zeit, aber ich möchte hier nicht alles auseinander nehmen. Ich erwähne aber noch kurz, dass die Folge wieder mal zeigt, dass Tomokazu Sugita und Aya Hirano wirkliche Glücksgriffe waren. Sie schaffen es unglaublich überzogen ihre Charaktere in Haruhi-chan darzustellen, aber auch in emotional anspruchsvollen Szenen sind die beiden absolut überzeugend.

Für mich klar die beste Folge von 2009 und sie mischt auch ganz oben bei der Betrachtung der gesamten Serie mit. Nur der Anfang der Folge riss mich noch nicht so mit, aber daran ist wohl auch das Konzept mit dem fließenden Übergang zwischen den Folgen schuld, da man so immer eine Weile braucht, bis man wieder drin ist.

Ich glaube, die meisten Zweifler, dass KyoAni wohl nicht mehr genug Qualität liefern kann, um den späteren Büchern gerecht zu werden, werden wohl mit dieser Folge überzeugt werden. In einer Woche kommt der hoffentlich krönende Abschluss dieser Insert-Season *_*.