Wie im letzten Artikel schon angekündigt, wollte ich noch etwas mehr zum Festival selbst schreiben und auch ein paar Worte dazu verlieren, was wir sonst so in Edinburgh gemacht haben.

Vom 17.10. bis zum 23.10. fand wieder das Animefilmfestival „Scotland Loves Anime“ in Edinburgh statt und da CupcakeStar großes Interesse daran hatte, die Wochenendfilme A Silent Voice und Your Name. zu gucken, entschieden wir spontan dort einen kleinen Urlaub zu verbringen. Da RyanAir als günstigste Fluggesellschaft, die nahen Flughäfen (Bremen->Edinburgh) anfliegt, wollten wir natürlich diese nutzen. Allerdings steuern sie auch nicht täglich die Stadt an, so dass wir von Mittwoch bis Mittwoch fort waren. Der Flug kostete für uns beide zusammen 163,16 € und weil die günstigeren Unterkünfte ausgebucht waren, wechselten wir im Innenstadtgebiet von Hostel zu Hotel zu Hostel, um die Reise etwas bezahlbarer zu machen. Etwas nervig war das natürlich schon, 2x mitten im Urlaub sein ganzes Zeug wieder zu packen, und zur nächsten Unterkunft zu schleppen, aber das gesparte Geld konnte man dann halt in Essen und Gebrauchtspiele investieren. ^^

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Das ist übrigens das Castle Rock Hostel, welches sich direkt neben einer Treppe zum Edinburgh Castle befand:

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Dort verbrachten wir die ersten beiden Nächte. Das Schloss war beim Verlassen des Hostels wirklich nicht zu übersehen:

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2010 besuchte ich das Festival schon einmal (damals mit JimmPantsu) und deswegen wusste ich, dass die Stadt selbst auch genug bietet, um dort etwas mehr Zeit zu verbringen, so dass die Entscheidung nicht schwer fiel, vor und nach dem Festival noch ein paar Tage für typisch touristischen Kram zu nutzen. Am Donnerstag kauften wir uns eine Tageskarte für den Stadtrundfahrtenanbieter und machten zwei Touren mit. Da es auch mehrere Haltestellen gab, konnte man die Fahrten auch gleich nutzen, um mal dem Hafen einen kleinen Besuch abzustatten. Zu Fuß erkundeten wir dann aber irgendwie nur ein Einkaufszentrum… von dort hätte man auch die Royal Yacht Britannia besichtigen können, aber so groß war unsere Begeisterung für den Prunk der britischen Königsfamilie dann auch nicht, um den nicht gerade günstigen Eintritt zu bezahlen. Finde eigentlich traurig, dass die Briten auch bezahlen müssen, denn wurde das Schiff nicht auch aus der Steuerkasse bezahlt…?

Etwas königlicher wurde es dann am Freitag, denn bevor wir uns zum Kino bewegten, statteten wir dem Edinburgh Castle einen Besuch ab.

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Das kostete zwar auch Eintritt (£16.50 pro erwachsene Nase), aber alte Burgen sind irgendwie spannender als „Ausflugsdampfer“ der Königsfamilie, finde ich. Wir fragten zuvor, wie lange man für die Besichtigung normalerweise braucht und man sagte uns, es seien mindestens 2 Stunden… wir waren schließlich mindestens doppelt so lange drin. Beim Betreten erwischten wir durch Zufall gleich eine kostenlose Führung, in der eine humorvolle Schottin hauptsächlich etwas über die Gebäude und die Geschichte der Burg der aus aller Welt kommenden Horde von Touristen erzählte. Seltsamerweise liefen wir ständig Deutschen in der Stadt über den Weg, in der dieser großen Gruppe waren wir aber die einzigen (die meisten kamen aus den USA, wo die Burgendichte natürlich recht gering ist 😉 ). Danach schauten wir uns dann auch artig alle betretbaren Gebäude an, die teilweise eigene, kleine Museen beinhalten.

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Da aktuell sogar noch Militäreinheiten in dem Schloss „stationiert“ sind, stellen z.B. diese ihre jahrhundertealte Geschichte vor (größtenteils alte Waffen und Uniformen). Auch das „National War Museum of Scotland“ befindet sich auf dem Gelände der Burg. Auf der anderen Seite wurde aber auch anschaulich gezeigt, wie Kriegsgefangene z.B. aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg untergebracht wurden. Für Fans der schottischen Geschichte kann man sich die Kronjuwelen von Schottland anschauen, die mit dem „Stone Of Destiny“ ausgestellt wurden. In Anwesenheit dieses „Felsens mit Tragevorrichtung“ wurden und werden schottische und auch britische Thronfolger gekrönt. Man erfährt auch etwas über die Vorlage der „Red Wedding“ aus Game of Thrones und kann eine der größten Kanonen des Mittelalters bestaunen.

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Vor allem dank der unterhaltsamen Führung hat sich der Besuch der Burg sehr gelohnt und die gehört zu Recht zum Standardprogramm eines Edinburgh-Besuches. Am frühen Abend startete dann für uns Scotland Loves Anime. Wie schon 2010 findet der Edinburgh-Ableger im Filmhouse statt, was man in Deutschland wohl als Arthouse-Kino bezeichnen würde. Da es kein Programmheft zum Festival selbst gibt, nahm ich ein Programmheft des Kinos mit, wo die Filme auch gelistet wurden:

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Anders als beim in Deutschland erfolgreichen Peppermint Anime Festival findet Scotland Loves Anime nur in 2 Städten statt, wobei in Edinburgh in der Regel mehr bzw. die größeren Premieren stattfinden. Ich war bislang noch nicht in Glasgow dabei, aber zumindest in Edinburgh muss man für jeden Film einzeln Karten kaufen (ohne Platzbindung, dank Mengenrabatt kostete eine Karte nur ‎£6,50), so dass man am besten schon mindestens 15-30 Minuten vorher da sein sollte, wenn man mittig sitzen möchte. Glücklicherweise ist das Anstehen da in der einen Treppe recht bequem und man steht selten im Weg. Das Kino selbst gehört leider noch zu einer älteren Bauart, d.h. der Höhenunterschied zwischen den Reihen ist recht gering. Gerade bei Untertiteln ist es natürlich ärgerlich, wenn der Kopf vor einem den untersten Teil der Leinwand verdeckt. Wenn man sich richtig hinsetzt, passte es bei uns schon irgendwie immer noch, aber im Prinzip gab man das Problem dann nur weiter an die Leute, die hinter einem saßen. Über die Projektionen und den Ton konnte man sich aber nicht beklagen. Draußen hing nur ein Dolby Digital Logo, aber gerade bei Girls und Panzer Der Film hatten die Schüsse ordentlich Wumms und die Richtungen konnte man auch gut raushören. Direkt im Kino gab es auch ein Café, das uns aber etwas zu teuer war, um es für die Verpflegung zu nutzen. Irgendwie sahen wir aber nirgendwo Popcorn, was doch zu manch Film gut gepasst hätte, wobei viele sich eh Essen und Trinken von sonstwo mitbrachten. Wie gerne das vom Kino gesehen wird, weiß ich allerdings nicht.

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Vor vielen Filmen kam der britische Autor Jonathan Clements kurz auf die Bühne und lieferte ein paar einleitende Worte über die Entstehung des Films oder einfach Wissenswertes drumherum. Manchmal nutzte er auch die Zeit auch um auf Kingslaive: Final Fantasy XV ein wenig rumzuhacken, welcher auch beim Festival lief. Er sorgte wohl auch dafür, dass Momotaro gezeigt wurde, und gerade bei dem Film erzählte er viel zur Entstehung. Ihm gelang es dabei, auch jede Menge Humor einzubringen, so dass es viel Spaß machte ihm zuzuhören.

Übrigens wurde vor den meisten Filmen auch noch kurz normale Kinowerbung gezeigt, die immerhin etwas unterhaltsamer ist als deutsche…mir blieb z.B. die VW-Werbung im Gedächtnis. Anders als beim Peppermint Anime Festival liefen die Filme nicht parallel, so dass man keine Probleme hatte, seine Lieblinge zu gucken. Dafür verteilt sich das Angebot auf mehrere Tage, wobei es für die Konzentration schon besser ist, wenn man nur 3-4 Filme am Tag guckt. ^^

Es gab auch eine achtköpfige Jury, die zwischen 4 Filmen einen Gewinner auswählen durfte. Nominiert waren Kingslaive: Final Fantasy XV, Your Name., A Silent Voice und Momotaro. Am Sonntag vor Girls und Panzer Der Film erwähnte Jonathan Clements die Gewinner: Your Name. gewann mit vier Stimmen, A Silent Voice bekam drei und Momotaro eine. Irgendwo soll wohl auch ein Podcast mit der Jurydiskussion auftauchen, aber den fand ich noch nicht. Zwischendurch waren auch Leute vom Festival unterwegs und haben kurze Umfragen mit Besuchern gemacht, wo u.a. auch gefragt wurde, welchen Film des Festivals man am besten fand. Auch ich konnte da mal meine Meinung loswerden und entschied mich natürlich für A Silent Voice. ^^

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Übrigens gab es sogar 2 physikalische Extras: Bei Accel World: Infinite Burst wurden beim Verlassen des Kinos Filmstreifen verteilt und bei Kizumonogatari wurde das Movie Pamphlet beim Einlass verschenkt.

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Für so Büchlein muss man in Japan normalerweise um die 1000 Yen zahlen und ich fände es toll, wenn man so etwas öfters machen würde. Die Filmstreifen wurden vermutlich in Japan auch an die Besucher verkauft.

Witzigerweise trafen wir vor Your Name. noch Habakyan, mit dem wir dann Samstag und Sonntag noch essen waren. Er war auch aus Deutschland nach Edinburgh geflogen, aber beschränkte sich auf das Wochenende bzw. flog am Montag dann wieder. Zumindest ein paar weitere Besucher reisten scheinbar auch aus dem europäischen Ausland an. Da man die Karten ganz normal mit Kreditkarte kaufen konnte und englische Untertitel recht universell verständlich sind, wundert mich das auch nicht.

Scotland Loves Anime kann man sehr empfehlen, wenn genügend interessante Filme für einen laufen und man etwas Glück mit den Flügen hat. Edinburgh ist sowieso eine Reise wert und so viel teurer als ein Conventionwochenende ist der Spaß nicht, wenn die Flugpreise passen und man auf viel Gepäck verzichtet.

Am Montag besuchten wir dann das National Museum of Scotland, welches kostenlosen Eintritt bietet und erst vor wenigen Jahren neu gestaltet wurde. Wir unterschätzten etwas, wie viel man sich dort anschauen kann. Natürlich wird der schottischen Geschichte viel Platz eingeräumt, aber auch den Kulturen anderer Länder wird viel Platz gegeben. Es gibt sogar Ausstellungen zu Mode und Astronomie. Auch der Geschichte von technischen Geräten wie Computern und Telefonen wurde Platz geschenkt. Schön war auch, dass vieles interaktiv war, um z.B. physikalische Phänomene verständlicher zu machen. Danach suchten wir noch ein paar Läden und fanden den wohl vollgestelltesten Gebrauchtladen, den ich jemals sah. Dort standen Spiele, DVD-Player und Filme einfach auf riesigen Stapeln. So hatte ich beim Gucken aber eine so große Angst, eine folgenschwere Kettenreaktion auszulösen, dass wir lieber schnell den Laden wieder verließen. Bei meinen Einkäufen beschränkte ich mich dann doch lieber auf die CeX- und GAME-Filialen, wo man doch viele Xbox 360 und PS3 – Titel für 1-4 Pfund bekommen konnte. Dank dem schwachen Pfund konnte ich hier doch einige Schnäppchen machen.

Da die Geschäfte in Edinburgh oftmals schon um 18:00 schließen und der letzte Kinobesuch schon fast 24 Stunden her war (hüstel), beschlossen wir spontan uns Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children anzuschauen, der für mich einer der besseren Tim-Burton-Filme der letzten Jahre war. Zum Glück war er nicht so überdreht wie z.B. ein Alice in Wonderland.

Am Dienstagmorgen statteten wir dann dem zweiten Multiplexkino der Stadt einen Besuch ab und schauten uns dort zur Mittagszeit im IMAX-Saal Doctor Strange an. Die Abendvorstellungen waren schon voll, aber der Aufwand lohnte sich, denn der Film war stark für IMAX optimiert worden. Rund eine Stunde an Szenen wurde im IMAX-Format gezeigt, d.h. oben unten hat man mehr Bild. Das 3D war das Angenehmste, was ich bislang im Kino erleben durfte und der Surround-Sound war auch wirklich klasse. Mit umgerechnet über 15€ war das zwar kein günstiger Spaß, aber so ein Film macht mit solch einer Technik noch mal mehr Spaß. Inhaltlich konnte er mich natürlich auch durchaus überzeugen für einen Popcornfilm.

Nach einem kurzen Abstecher in ein Einkaufszentrum, bewegten wir uns dann zum Arthur’s Seat, einem erloschenen Vulkan (sieht halt nun aus wie ein großer Hügel, kleiner Berg) direkt im Stadtgebiet und krochen Richtung „Spitze“. Der Großteil des Weges besteht aus einer steinigen Treppe und das letzte Stück muss man fast klettern. Ich bin ja eh nicht so die Sportskanone, aber ich bereute etwas, dass meine Umhängetasche recht gefüllt mit Einkäufen war. Damit war es doch etwas schwieriger das Gleichgewicht zu halten. Die Aussicht lohnte sich dann aber sehr:

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Dann wurde es auch schon dunkel und der Tag näherte sich dem Ende.

Bevor wir dann wieder ins Flugzeug stiegen, besuchten wir noch das „The People’s Story„, ein weiteres Museum mit kostenlosen Eintritt. Es stellt einen schönen Kontrast zu vielen anderen Ausstellungen dar, da es eher das Leben der normalen Leute in der Geschichte Edinburghs behandelt. Sehr schön wurden kleine Zimmer mit realistischen Puppen und originalen Gegenständen nachgestellt, wo einem dann auf gut geschriebenen Texttafeln einem etwas über diese Person in dieser Zeit erzählt wird. Das klingt vielleicht nicht sonderlich spannend, aber die Umsetzung war sehr liebevoll und man konnte da gut 1 bis 1,5 Stunden verbringen.

Danach ging’s dann fast direkt zum Flughafen und ab in die Heimat. Edinburgh bietet noch einige andere Attraktionen und Fans von Harry Potter können sogar etwas Location Scouting machen. Wir selbst liefen nur durch Zufall an dem „Elephant House“ vorbei, einem Café, wo J. K. Rowling u.a. an den ersten Büchern geschrieben hat.

Falls uns wieder die Filme nach Edinburgh locken, werden wir bestimmt noch genug zum Unternehmen dort finden. Sehr angenehm fand ich auch, dass man zu Fuß recht viele Orte gut erreichen kann und auch die Leute schienen mir sehr freundlich und aufgeschlossen zu sein. Für einen Stadturlaub ist es in Edinburgh doch ziemlich wenig stressig, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dass die Ampeln eher Vorschläge zu sein scheinen, die man fast ignorieren muss, um halbwegs schnell Straßen überqueren zu können. 😉