Wie schon vor einer (gefühlten) Ewigkeiten versprochen, kommt hier nun mein kleiner, aber feiner, sehr verspätete Bericht zum Panel von Seiji Kishi & Makoto Uezu.

Während sich TMSIDR, s3nsi, Michel von Kazé und Erik von KSM zu dem Thema „Der kleine Animeboom im Kino: Festivals und Events“ auf der Couch austauschten, saß ich am Samstag bei Seji Kishi & Makoto Uezu im Gesellschaftssaal (12:45 Uhr bis 13:45 Uhr).

Seiji Kishi ist z.B. durch seine Regiearbeit bei Angel Beats!, Humanity Has Declined, Persona 4: The Animation, Tsukigakirei und Assassination Classroom bekannt. Mit dem Scriptschreiber Makoto Uezu hat er oft zusammengerarbeitet, aber letzterer arbeitete z.B. auch an KonoSuba, Is This a Zombie? und Katanagatari mit.

Das Panel war mehr wie ein Q&A und bestand hauptsächlich aus Publikumsfragen, geschmückt mit Sprüchen der beiden. Jasmin Dose leistete wieder hervorragende Übersetzungsarbeit – ich liebe ihre Art zu dolmetschen sehr, da sie auch die Emotionen und Gesten der Gäste mitübernimmt.

Nun aber zum Panel selbst:

Wie zu Beginn jedes Panels wurden die beiden Gästen noch einmal herzlich willkommen geheißen und stellten sich noch einmal kurz vor. Dabei merkten sie noch kurz an, dass sie das Gefühl hätten seit Freitag (Q&A auf der Couch & Signierstunde) immer wieder die gleichen Gesichter zu sehen und gaben auch gleich zu, dass sie nicht wirklich etwas vorbereitet hätten – das Publikum also die Wahl zwischen Q&A oder erstmal netten (unvorbereiteten) Erzählungen hätten.

Natürlich gab es sofort aus dem Publikum Fragen. Die erste Frage ging an Herrn Uezu zum Thema KonoSuba und zwar wollte man wissen, ob Darkness eine Parodie auf Saber (Fate Universum) sei.
– Er verneinte dies und betonte, dass alle Ähnlichkeiten reiner Zufall seien. Darkness sei ein klassicher Vertreter aus dem Genre von weiblichen Charakteren, der gerne Schmerzen erleide und sich direkt den Todesstoß wünsche.

Die nächste Frage drehte sich um CGI in Animes und bezog sich auf den Anime Arpeggio of Blue Steel -Ars Nova-, einer der ersten komplett in CGI animierten Serien, und darauf, ob sie weitere CGI Serien planen und worin sie die Stärken in CGI sehen und welche Auswirkungen dies auf einen Anime und dessen Produktion habe.
– Herr Kishi erklärte darauf hin, dass im Gegensatz zu klassischen handgezeichneten Anime einer der Vorteile von CGI sei, dass die Charaktere immer stabil seien, z.B. Mund und Augen nicht plötzlich mal „verschoben“ seien, dadurch im Gesamten die Qualität stabil sei. Allerdings wusste man bei den ersten CGI Serien noch nicht, wie das Publikum dies aufnehmen würde, ob man auf diese Weise den Charm der Charaktere dem Zuschauer darstellen könne. Da allerdings nach „Arpeggio of Blue Steel -Ars Nova-“ weitere CGI-Animeserien produziert wurden, gehe er davon aus, dass CGI bei Animes sich etabliert habe und man in Zukunft noch mehr CGI in Animes erwarten könne. Auch im Moment arbeiten die beiden an einer CGI-Serie, die 2019 auf Netflix ausgestrahlt wird.

Als dritte Frage wurde nach der Meinung der beiden Gästen zu Netflix gefragt, wie sie den Einfluss eines westlichen Unternehmens auf die Anime Industrie sehen.
– Herr Uezu schätzte dies so ein, dass sich durch den Einfluss von Netflix an dem Vorlieben der japanischen Zuschauer nichts ändern werden. Herr Kishi stellte dem Publikum daraufhin eine Gegenfragen, wie viele denn im Publikum überhaupt Netflix nutzen. Man sollte hier nicht überrascht sein, dass da nicht gerade wenige Hände hochgingen. Sie erklärten weiter, dass in Japan selbst es eigentlich unüblich sei für Anime-Streaming Geld zu zahlen, da Anime in Japan im normalen Kabelfernsehen laufe. Aus diesem Grund investiere Netflix im Moment Geld in Animes, um diesen Umstand zu ändern. Für sie selber, als Anime-Macher, biete sowohl Netflix als auch andere Streamingdienste aber einen riesigen Vorteil im Vergleich zu nur „klassisch ausgestrahlten“ Animes. Durch diese Dienste sei es für sie nun einfacher Animefans auf der ganzen Welt zu erreichen, sodass auch Fans außerhalb Japans legal ihre Serien sehen und genießen können.

Im Anschluss wollte das Publikum es etwas genauer wissen und zwar wie Netflix so als Geldgeber sei, ob die Anime Produktion weiterhin als Zielgruppe den japanischen Markt im Auge hätte oder man, da man nun internationales Publikum direkt erreichen könne, den Anime an den Westen anpasse bzw. ob es überhaupt Vorgaben von Netflix gäbe.
– Tatsächlich hätte Netflix gar keinen Einfluss auf die Animestudios und dessen Ideen. Sie halten sich dort heraus. Aber einen großen Unterschied gäbe es doch für die Animeproduktion, durch Netflix als Sponsor fallen nun alle anderen Sponsoren weg und man habe dadurch während der Produktion sehr viel mehr Freiheiten.

Die nächste Frage aus dem Publikum beschäftige sich mit dem Thema Umsetzung von Vorlagen, welche Art der Adaption falle ihnen dabei am einfachsten, eher Umsetzungen von Vorlagen wie Light Novels, Mangas, etc. oder doch eher Orginalwerke ohne ein Vorlage.
– Herr Uezu antworte darauf hin sehr direkt nur mit einem „Nichts ist leicht“. Wenn eine Vorlage vorhanden sei, sei die Schwierigkeit aus dem einem Medium ein anderes spannendes zu produzieren. Bei einem Orginalwerk hingegen müsse man von Null anfangen, was auch nicht ganz so einfach sei. Aber jede Art der Umsetzung sei sehr kreativ und dadurch sehr spannend und mache Spaß.

Der nächste aus dem Publikum wollte noch einmal auf das Thema Netflix und CGI eingehen und die Gäste auf „Probleme“ hinweisen und deren Meinung dazu wissen. (a) Einerseits sei seiner Meinung nach Netflix zumindest im Westen nicht der beliebteste Anime-Streaming-Dienst, da es beispielsweise auf Netflix nicht Standard sei, dass Anime im Simulcast gezeigt werde, sondern meist erst zum Ende der Season mit deutscher Synchro. Diese Synchro aber oft nicht den Standard der Homerelease Animes in Deutschland erreiche. (b) Zum anderen erkenne der Fragende zwar den Mehrgewinn durch CGI, doch sehe er hinsichtlich der Vorliebe der japanischen und westlichen Fans gegebenenfalls einen Unterschied, da der Charm in seinen Augen für die westlichen Fans durch CGI teilweise verloren gehe.
– (a) Die japanischen Gäste betonten noch einmal, dass sich Netflix in ihre bisherigen Produktionen kein Stück eingemischt haben und sie daher keinen negativen Einfluss durch Netflix sehen. Wie die Vermarktung im Ausland von statten gehe, dazu können sie jedoch nichts sagen. (b) Zu dem Thema CGI, da diese Technologie immer noch recht jung sei, sei die Qualität der CGI Animation sehr stark von den Fähigkeiten und Erfahrungen des Animators abhängig, daher werde es immer gute und schlechte CGI Animationen geben so auch bei klassisch handgezeichneten zu finden, weil salapp gesagt „wer gut ist, ist gut und wer nicht, der nicht“.

Der nächste aus dem Publikum wollte gerne wissen, ob vor der Produktion von Danganronpa 3, Herr Kishi, das Spiel gespielt hätte und welche Szenen er am besten fände.
– Hier musste Herr Kishi erst nochmal korrigieren, zu Beginn der Animeproduktion gab es noch kein Danganronpa 3 Spiel, aber natürlich hatte er zur Vorbereitung noch einmal Danganronpa 1 und 2 gespielt. Der Anime sei daher ein Orginalwerk, aber wurde in Zusammenarbeit mit Herrn (Name war unverständlich für mich) produziert und sei damit Kanon zu den beiden Spielen.

Da man nun hier Gäste aus unterschiedlichen Bereichen der Animeproduktion zusammensitze hatte, wollte ein Teilnehmer des Panels gerne wissen, wie eigentlich die generelle Zusammenarbeit zwischen den beiden, einem Regisseur und einen Drehbuchautor, sei.
– Sie erzählten daraufhin, dass ihre Zusammenarbeit bereits vor mehr als 10 Jahren mit „Seto no Hanayome“ begann (zu sehen auf Netflix… Japan) und da sie seither immer noch miteinander arbeiten, aber immer noch nicht 100%ig zufrieden seien mit dem, was sie gemeinsam geschaffen haben, arbeiten sie weiter, weil ihr Ziel es sei, Superstars zu werden!

Daraufhin kam eine Frage an Herrn Uezu zu Arslan Senki, wie viel aus der Welt konnte man aus der Vorlage entnehmen und wie viel Recherche war zusätzlich nötig, um die Atmosphäre und das Setting des Animes aufzubauen?
– Herr Uezu erklärte, dass es bei dieser Produktion Verantwortliche für das kleine Equipment, für die großen Gegenstände und für die Hintergründe gegeben habe. Diese Leute haben dann ganz viel recherchieren müssen, wenn es möglich war, seien sie auch ins Ausland gereist und haben u.a. viel fotografiert. Desweiteren habe er sich während der Arbeit am Drehbuch sehr mit den Themen Kriege im Mittelalter, in der Türkei, in Europa, Schlösser und dergleichen befasst.

Im Anschluss wollte ich gerne wissen, ob es eine nette Anekdote von ihrer Zusammenarbeit gäbe, da beide schon solange kooperieren, und ob sie auch gemeinsame Lieblingswerke haben?
– Beide lieben Patlabor – The Movie und Gunbuster. Und bei der Anekdote musste Herr Uezu erst kurz nachdenken und blickte dann rüber zu Herr Kishi: „Jetzt sieht er so aus und trainiert fleißig, aber letztes Jahr, da sah er ganz anders aus – da war er der Foodfighter!“ Weiterhin erzählte er, dass Herr Kishi, damals dafür bekannt gewesen sei, der Regisseur zu sein, der am meisten in den Meetings futtern konnte. Es hätte immer eine Pyramide aus Hamburgern gegeben, die Herr Kishi während der Besprechung alleine verspeist hätte!

Als nächsten wollte man aus dem Publikum wissen, wie die beiden zu ihren Berufen gekommen seien.
– Herr Kishi mochte schon immer Anime und Spiele und fasste mit 14 den Entschluss, dass er Animator werden würde, egal wie. In seinen Schulheften hatte er immer nur herumgekritzelt und war daher recht schlecht in der Schule. Er konnte daher nicht mit seinen Noten punkten, doch seine Liebe zu Anime sei seiner Meinung nach sicher größer als von jeden anderem.
Herr Uezu hasst es eigentlich zu arbeiten und wäre am liebsten arbeitslos geworden! In seiner Freizeit betrieb er damals einen Blog, in dem er zu verschiedenen Themen, wie Spiele, Filme und Anime Beiträge verfasste. Eines Tages wurde er von Autoren aus Tokio eingeladen und man bot ihm einen Job mit Bezug auf Anime an und trotz der Tatsache, dass er ABSOLUT nicht arbeiten wollte, nahm er an, da er sehr gerne im Animebereich tätig sein wollte.

Im Anschluss kam eine weitere Frage zu KonoSuba an Herrn Uezu. Man wollte gerne wissen, wie denn die Zusammenarbeit mit dem Autor Natsume Akatsuki sei und wie es beim anstehenden Film sein wird, der auf keiner Light Novel basiert.
– Beide verstehen sich sehr gut. Herr Akatsuki sei ein sehr liebenswerter Mensch und dadurch sei die Zusammenarbeit sehr angenehm und davon profitiert dann auch der Anime. Zum Film selbst möchte er nichts verraten, da auch in Japan auch noch nichts bekannt gegeben wurde.

Die nächste Frage ging an Herrn Kishi zum Anime Tsukigakirei und ob eine Zusammenarbeit mit LINE bestand, da die App doch des Öfteren zu sehen war. (Diese Frage hatte ich mir damals beim Gucken auch gestellt ;D)
– Herr Kishi erwiderte, dass es dafür leider nichts gab. Der einzige Grund, warum man LINE so oft sehe, sei, dass dies nun mal die am häufigsten genutzte Kommunikationsart zwischen Mittelschülern in Japan sei.

Als nächstes wollte man gerne wissen, was nach der Meinung der Gäste der Grund dafür sei, dass deutsche Begriffe in der japanischen Popkultur so beliebt seien.
– Beide antworteten wie aus der Pistole geschossen nur: „WEIL ES COOL IST!“ Ihr liebstes Beispiel hierfür sei das Wort „Jäger“. Viele Japaner mögen einfach den Klang und selbst Zählen „Eins, Zwei, Drei“ klänge auf Deutsch sofort viel cooler und ein weiteres bekanntes Beispiel sei ja auch Asuka, die den Japanern versucht habe Deutsch beizubringen.

Weiter ging es um Angel Beats! und Herr Kishi wurde gefragt, ob Tenshi während der Produktion charakterlich verändert wurde und, ob er mit der Tenshi, wie sie nun im Anime zu sehen war, zufrieden sei.
– Zuerst wollte Herr Kishi wissen, woher der Fragende diese Info her hätte – Antwort: Internet. Herr Kishi berichtigte, dass Tenshi von Anfang an so geplant war, es gab vielleicht minimale Änderung am Design im Anfangsstadium, aber mehr auch nicht.

Die nächste drehte sich um die Erstellung eines Drehbuches. Hierbei kommt es öfters vor, dass nicht alles von der Vorlage umgesetzt werden kann. Wie wird dann entschieden, was weggelassen wird?
– Herr Uezu gab zu, dass er sich damit immer wieder schwer tue. Bei einer Animeproduktion stehen zu Beginn die Anzahl der Folgen fest. Er müsse dann entscheiden, ob er den Anime mit einem Cliffhanger beendet und auf eine weitere Staffel hoffe oder, ob er den Anime zu Ende bringe. Da er nicht sicher sein kann, eine Fortsetzung zu bekommen, versuche er immer eine Art „Abschluss“ zu finden. Wobei dies auch von Projekt zu Projekt variiert, teilweise sind Cliffhänger auch erwünscht, aber ja er tue sich jedes Mal schwer damit, dies zu entscheiden.

Und damit waren wir auch schon bei der letzten Frage: Diese bezog sich wieder auf die Nutzung von deutschen Begriffen und wie diese eigentlich ausgewählt werden, wird hierfür ein Dolmetscher zu Rate gezogen oder werfen sie man mit einem Dart auf ein Wörterbuch.
– Herr Uezu witzelte etwas herum und meinte, dass er einen Dart nutze, doch meinte er auch, dass am Beispiel „Jäger“ das Wort wohl einfach wegen seiner coolen Laute genommen wurde. Herr Kishi äußerte seine Angst davor, dass er gegebenenfalls mal zu seltsame Wörter genutzt haben könnte oder nutzen werde, einfach nur weil sie cool klängen, und hier nun in einem Raum sitze mit Leuten, die das dann auch verstehen könnten. Er hoffte, dass er nicht mal einen Namen nutze, der in Deutschland dann plötzlich zensiert werden müsse.

Damit endete das Panel/Q&A. Beide Ehrengäste bedankten sich für die nette Runde und freuten sich schon auf Sonntag, aufs Fan-Meeting.

So, hiermit, ist auch mal wieder ein Beitrag von mir hier zu finden. Was haltet ihr eigentlich von diesen Panelberichten? Sind sie ggf. zu lang, sollte ich sie lieber kürzer halten? Wie ist die Struktur, ist sie so gut lesbar?

Titel-Illustration von Kazuaki Morita (Charakterdesigner von u.a. Assassination Classroom)