Es hat nur gefühlte Jahre gedauert, bis ich das Spiel nun endlich beendet habe, also ist nun mal an der Zeit meine Eindrücke zu schildern (wenn die richtigen Spoiler beginnen, gibt’s ne Warnung).

Ich hatte die erste Berührung mit dem Franchise damals Ende März 2006 während meines Japanurlaubs, als mir in Akihabara die ganze Werbung für die DVDs in den Läden auffiel. Später in dem Jahr sah ich auf der Connichi ein AMV, das mich dann überzeugte, den Anime doch mal gucken:

http://www.youtube.com/watch?v=bbd3U321ohY

Hier ist auch der passende AMV.org-Link.

Der Anime gefiel mir damals ganz gut und als ich mir die CGs der Visual Novel runtergeladen hatte, wuchs auch mein Interesse an dem Spiel. Ich habe mal versucht, ein paar Bilder rauszusuchen, die nicht spoilern:

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Ich wusste ja schon, dass der Anime im Prinzip nur einen Teil des Spiels behandelt. Das Spiel hat beinhaltet nämlich 3 verschiedene Handlungen, die nur den Anfang gemeinsam haben. Alle 3 Geschichten haben als Hauptcharakter Shirou Emiya, der in den Kampf von Magiern um den Heiligen Gral verwickelt wird. Er wird nämlich plötzlich zum Meister von Saber (dem blonden Mädel in der Rüstung, für die 3 Leute, die diese Figur noch nicht kennen) und muss in einer Art Last Man Standing gegen 6 andere Meister samt ihrer „Servants“ bestehen, um den heiligen Gral zu erhalten, der Wünsche erfüllen kann. Während einige Meister eher böse sind und auch nicht davor abschrecken Zivilisten in die Schlacht reinzuziehen, gibt es auch Meister wie Rin Tohsaka (die mit den dunklen Haaren), die zwar gewinnen wollen, aber dabei noch halbwegs moralisch handeln wollen. Die „Servants“ basieren auf berühmten Heldengestalten wie Hercules, die selbst auch nach dem Gral her sind. Shirou ist sehr moralisch und nervt nahezu mit Superheldentick, der auch beinhaltet, die extrem mächtige Saber, zwischendurch wie ein schutzloses Mädchen zu behandeln…

Der Anime behandelt nur die Geschichte um Saber, im Spiel gibt es noch Handlungsstränge rund um Rin und Sakura (die mit den lila Haaren), die dann jeweils das „Love Interest“ von Shirou sind. Da das Spiel zunächst für den PC erschien und man dort einfach mehr absetzt, wenn die Mädels auch mal etwas Haut zeigen, gibt es mit den Mädels auch ein paar typische Hentai-Szenen, die mehr oder weniger sinnvoll zur Handlung passen. Diese sind zwar schon ziemlich freizügigig, aber beinhalten keine Tentakel oder sonst irgendwas in der Richtung. Die Szenen sind in der PC-Fassung wie üblich auch etwas mit Pixeln zensiert worden, aber es gibt sogar einen Fan-Uncut-Patch. Auf der anderen Seite gibt es auch eine um die Hentai-Szenen erleichterte PS2-Fassung (sie zusätzlich noch Sprachausgabe und ein paar weitere Extras in Form von Musik und Bildern enthält).

Eine Besonderheit an dem Spiel ist, und das ist auch der Grund, warum ich es spielen konnte: Es existiert eine Fantranslation davon. Mirror Moon hat mittlerweile alle 3 Arcs ins englische übersetzt und wenn man die PC-Fassung besitzt, wandelt der Patch alle japanischen Texte ins englische um. Die Übersetzung ist wirklich toll und meiner Meinung nach sehr gut geschrieben, vor allem wenn man bedenkt, dass der Umfang an Text die Herr der Ringe Trilogie samt dem Hobbit übersteigt (verrät die readme-Datei). Als weiteren Clou haben sie auch noch eine Funktion eingebaut, dass man die Sprachausgabe aus dem PS2-Spiel verwenden kann, welche nahezu alle Dialoge bis auf die Hentai-Szenen mit den Sprechern aus dem Anime versieht.

Das Spiel an sich ist eine typische Visual Novel, d.h. es gibt eine Menge Text zum Lesen und die Gespräche werden mit Standbildern der Charaktere und Hintergründen aufgepeppt.

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Ein Großteil der Geschichte hört man aus der Sicht von Shirou, aber ab und zu wechselt auch die Sichweise für eine kurze Zeit, so dass man Dinge erfährt, die Shirou nicht wissen kann. Praktischerweise gibt es auch einen konfigurierbaren automatischen Moduis, dass automatisch die Texte abspult, bis eine Eingabe erforderlich ist. Ab und zu verlangt das Spiel nämlich, fasst man eine Entscheidung fällt, die den Verlauf der Handlung mehr oder weniger stark beeinflussen kann.

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Manchmal endet eine falsche Wahl mit dem Tod und ein anderes Mal verbaut man sich etwas in der Zukunft. Auch kann man damit steuern, wie sehr einen die einzelnen Mädels mögen, wobei man aber in einem Arc jeweils nur die Hauptdarstellerin „kriegen“ kann, worüber sich das Spiel auch gerne mal lustig macht. Für diesen Humor wurde extra das Tiger Dojo eingeführt, was erscheint, wenn man eine Sackgasse erreicht hat.

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Hier dreht das Spiel dann humortechnisch sehr auf und zieht die Handlung gerne mal durch den Kakao und gibt einem Tips, wie man die richtigen Entscheidungen trifft. Ich kann nur jedem empfehlen, der das Spiel spielt, nach dem Durchspielen, noch mal alle Antwortmöglichkeiten und damit „Todesvarianten“ auszuprobieren, denn die Tiger Dojo-Szenen sind oftmals einfach nur genial.

Die ganzen Standbilder werden vor allem in Kämpfen durch Zoomeffekte und ein paar Grafikeffekte aufgepeppt, die das ganze etwas spannender machen. Es gibt auch 1-2 kurze Videos in Animequalität und ansonsten relativ gelungene Hintergrundmusik. Die Sprachausgabe der PS2-Fassung kann ich übrigens sehr empfehlen, da die Sprecher ihre Sache wirklich gut machen. Vor allem Noriko Shitaya als Sakura schafft es die verschiedenen „Facetten“ ihrer Figur sehr gut mit Leben auszufüllen.

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Es gibt neben den sehr albernen „Tiger Dojo“-Szenen auch sonst ab und zu Humor im Spiel, der hauptsächlich durch die leichten Romantic Comedy-Szenen kommen, die ab und zu eingestreut wurden. Diese passen aber ganz gut in die Handlung, die ansonsten schon sehr ernst, aber auch komplex ist. Der Saber-Arc ist noch der Übersichtlichste und „Unlimited Blade Works“ (Rin) und „Heaven’s Feel“ (Sakura) strotzen nur so vor Überraschungen und Wendungen. Das Spiel ist übrigens lang….extrem lang. Wenn der Zähler im Spiel stimmt, habe ich mehr als 3,5 Tage (84 Stunden) benötigt, um alles freizuspielen…

Leider ist das Spiel nicht frei von Längen und vor allem einige Slice of Life Szenen rund um das tägliche Essen sind etwas langatmig. Auch kann einen Shirou teilweise mit seiner Art ziemlich aufregen und auch Sakura mochte ich persönlich nicht so. Aber viele der Servants und auch Rin Tohsaka (tolle Tsundere!) machen vieles wieder wett und die Story reißt einen schon ziemlich mit. Vor allem muss man betonen, dass das Spiel weitaus besser als der Anime ist, der schon einige Schwächen aufweist. Ich bin allerdings gespannt, wie der „Unlimited Blade Works“ gelingen wird, denn den Arc mochte im Spiel am liebsten und die tollen Kämpfe schreien nach Animationen und der Trailer macht ja schon mal Hoffnung. Bevor ich in die Spoiler stürze, gibt’s nun erstmal ein kleines Fazit für den spoilerfeindlichen Leser: Wer mal eine jap. Visual Novel spielen möchte, deren Hentai-Szenen nur einen kleinen Teil der Handlung ausmachen, und dessen Umsetzung auch vom Erzählerischen es auch ohne weiteres mit normaler Literatur aufnehmen kann, sollte hier ruhig mal einen Blick drauf werfen. Die Zeichnungen sind wirklich toll und viele würden tolle Wallpapers abgeben. Dies war meine erste richtige VN und ich genoss vor allem die Möglichkeit in einer Art Buch die Handlung mal etwas selbst mitgestalten zu können, denn hier kann man zumindest an einigen Stellen mal den Hauptcharakter etwas anders handeln lassen und die Konsequenzen sehen.

Ab jetzt beginnen die Spoiler, da ich nun etwas mehr detaillierter „kritisieren“ möchte und dabei auch einigen Senf zur Handlung loslassen möchte:

Dann fange ich doch erstmal damit an, was mich fast am meisten gestört hat: Die erste Hentai-Szene fand ich etwas unlogisch. Ok, diese Energieübermittlung über Sex ist zwar etwas aufgesetzt, wobei das ganze dann im „Heaven’s Feel“-Arc schon etwas mehr Sinn macht, aber was mich störte, war das Verhalten von Rin. Im ersten Arc lernt man sie ja nur ein bisschen kennen, aber in Arc 2+3 verhält sie sich, wenn’s um „zwischenmenschliche“ und körperliche Dinge geht, sehr schüchtern und in diesen Arcs verält sie sich eigentlich ziemlich nachvollziehbar. Bei der ersten Sexszene dagegen mit Saber ist sie doch ziemlich extrovertiert und masturbiert sogar vor Shirou…

Das erscheint mir etwas arg weit weg von ihrem Charakter zu sein, vor allem wenn man bedenkt, dass man in Heaven’s Feel erfährt , dass sie scheinbar schon vor langer Zeit ein Auge auf Shirou geworfen hat. Wenn ich FSN richtig verstehe, sind die Hintergründe der Charaktere bei den Arcs unterschiedlich (Sakura und Ilya scheinen nur in „Heaven’s Feel“ Grale zu sein, wenn ich mich recht erinnere), aber Rin zeigt auch in im ersten Arc, dass sie Shirou wohl etwas lieber mag (sie rettet ihm das Leben am Anfang z.B.) und zeigt auch ansonsten ihre Tsundere-Eigenschaften ab und zu.

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Wie man erkennen kann, hat Rin wohl einen starken Eindruck bei mir hinterlassen, und ich muss echt Type Moon loben, wie sie es geschafft haben einen so coolen weiblichen Charakter zu entwerfen. Sie handelt meistens am intelligentesten von den Protagonisten, scheint fast immer die Kontrolle zu behalten und verhält sich sogar meistens sehr verantwortungsbewusst. Vor allem ihre manipulative Art fand ich sehr faszinierend. Meine Lieblingszene war, als Shirou sich in „Heaven’s Feel“ nach dem Tod von Saber mit ihr verbünden wollte und sie als Test ihn fragt, ob er seine „Unterwürfigkeit“ auch mit einem magischen Vertrag besiegeln würde. Ich denke mir natürlich, Rin kann man vertrauen und stimme zu. Ein paar Tage später rächt sich das allerdings und ich gelange an ein Dead End^^. Sie wollte Shirou nur testen und wollte in Wirklichkeit gar nicht, dass er zustimmt. Sie testet ihn mit diesen Fragen und Diskussionen öfters, um er dem Bild, das sie von ihm hat, wirklich gerecht werden kann. Irgendwie bekam man in „Heaven’s Feel“ schon fast besser mit als in „Ihrem“ Arc, dass sie ihn doch sehr mögen muss. Auch ihr Verhältnis zu Sakura im letzten Arc war sehr interessant gemacht, und die Szene, als sie dann doch nicht Sakura umbringen möchte, und fast stirbt, ist wirklich toll umgesetzt worden.

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Aber auch Ilya durfte in „Heaven’s Feel“ mal etwas mehr Charakter zeigen und hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck. Sakura allerdings hat mich wirklich ziemlich genervt, da ich ihre unterwürfige Art Shirou gegenüber sehr störte und ihre durchschimmernden negativen Seiten sie auch nicht gerade sympathischer dastehen ließen. Klar, sie musste leiden wie kein anderer Charakter in dem Spiel und mischt bei den bemitleidenswertesten Charakteren aller Zeiten ganz oben mit, aber irgendwie mochte ich ihre insgeheime manipulative Art einfach nicht. Rin hat zwar auch manipuliert, aber sie war dabei irgendwie selbstloser. Während Sakura eher nach außen hin nett und harmlos erscheinen wollte, aber eigentlich im Hintergrund auch etwas intrigant war, war Rin den anderen Protagonisten eher kalt und gefühllos gegenüber, in Wahrheit war sie aber eher nett, schüchtern und sorgte sich insgeheim. Wobei Rin auch ihre bösen Seiten zeigen durfte, aber halt nur, wenn man als Shirou zu viel falsch gemacht hat^^. In den anderen Arcs tritt Sakura ja ziemlich in den Hintergrund, was mir auch sehr zusagte^^. Irgendwie frage ich mich, ob man Sakura nicht auch als einen Yandare-Charkater bezeichnen kann, da sie ja zweifellos „dere“ ist und Shirou und fast den Rest der Welt zwischendurch umbringen möchte. Klar, da spielt ihr „Schatten“ schon eine große Rolle, aber irgendwie erschien sie mir auch so einige dunkle Seiten zu haben, sie ignoriert ja mörderische Treiben relativ lange.

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Rin ist für mich ein typischer Tsundere-Charaktere und vielleicht auch einer der „nachvollziehbarsten“ ihrer Art. Im Gegensatz zu vielen anderen Tsunderes reagiert sie nicht grundlos aggressiv, wenn ihr „geheimer Schwarm“ sich leicht falsch verhält. Viel mehr bleibt sie meistens einfach kühl und unnahbar, da das auch zu Ihrem „Job“ als Magus gehört. Der „dere“-Teil kommt ja hauptsächlich raus, wenn Shirou ihr plötzlich schmeichelt oder sie positiv von ihm überrascht, sie wird dann aber eher schüchtern und flippt nicht gleich aus, und leugnet alles. Dafür darf sie, wie im Bild oben, auch mal sehr niedlich sein und zudem ist sie kein Morgenmensch, sehr sympathisch^^.

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Natürlich fand ich einige Servants sehr gelungen, vor allem Lancer fand ich cool in „Unlimited Blade Works“ und auch Rider hatte viele tolle Momente in „Heaven’s Feel“. Berserker hatte mit Ilya aber auch interessante Szenen.

Da mein Komplettieren von „Unlimited Blade Works“ schon ne Weile her, kann ich zu dem Arc gar nicht mehr viel sagen, nur das ich ihn eigentlich am liebsten mochte, wobei das nicht nur an Rin lag, sondern auch, weil ich die Wendungen dort am spannendesten fand. Der Saber-Arc war ja eher geradlinig, wobei ich die Geschichte auch toll fand, aber sie bot halt nicht viele Überraschungen, wenn man den Anime schon kannte. Aber Saber war oft wirklich verdammt anbetungswürdig, daran kann ich mich noch erinnern^^. Echt schade, dass Studio Deen damals beim Anime einiges falsch gemacht hat, wobei ich gar nicht mehr genau sagen, was genau schief gelaufen ist.Ich hatte ihn zuletzt vor ca. einem 3/4 Jahr gesehen und war zwischendurch ziemlich enttäuscht, da die VN vieles einfach besser umgesetzt hatte. Nur die Kampfsequenzen waren wirklich ziemlich gelungen.

In allen Varianten (Anime/die 3 Arcs des Spiels) ist Shrirou mehr oder weniger nervig. Am normalsten fand ich in noch in „Heaven’s Feel“. Auch wenn seine Wahl von Sakura meiner Ansicht nach falsch war^^‘ , laberte er nicht ganz so viel Superheldenmüll und der Umgang mit der Verantwortung gegen den Tod von vielen Menschen nichts zu tun, fand ich sehr gelungen. Wobei „Unlimited Blade Works“ ihn eher als Charakter beleuchtete und ihn in einem ganz anderen Licht als noch am Anfang des Spiels dastehen lassen.

Trotz der kleinen Mängel hatte ich doch sehr viel Spaß mit dem Spiel und mich nun erst mal Clannad widmen, um danach mal Tsukihime zu spielen, was ja das erste Spiel von Type Moon war.

Anfang nächsten Monats werde ich mir wohl mal die übersetzte PSP-Fassung von Fate/unlimited codes holen, damit auch endlich mal die Storysequenzen dort lesen kann, das war ja bei der PS2-Fassung, die ich besitze, etwas schwieriger. Außerdem unterstütze ich da gerne mal Capcom, dass sie das Spiel zumindest in den PSN-Store geholt haben.