Bevor die Seite hier noch weniger als „Blog“ durchgeht, verfasse ich doch mal wieder einen eher normalen Artikel über ein Thema, dass ich eh schon seit langem mal behandeln wollte. Allerdings habe ich es nun zunächst etwas abgewandelt, denn eigentlich wollte ich mal analysieren, was in den letzten 10 Jahren in Deutschland überhaupt an Anime in die Händlerregale gewandert ist, aber bislang konnte ich mich noch zu der nötigen Recherche hinreißen. Nun zerbreche ich mir erstmal den Kopf über die aktuellen Verhältnisse – in mindestens 2 Teilen.

Wegen den doch scheinbar erschreckend guten Vorbestellungen der beiden Hinako-OVAs habe ich mich dann doch gefragt, wer kauft den Kram eigentlich hierzulande? Ich kann ja nicht so viel mit stumpfen Fanservice anfangen, so dass ich eh in keinster Weise zur Zielgruppe der beiden Folgen gehören kann, aber ehrlich gesagt, frage ich mich, wie niedrig die Erwartungen an etwas sein müssen, damit man Spass an dem Kram haben kann? Zum einen gibt’s keine Handlung, keinen „richtigen“ Humor und der Fanservice ist ja sogar noch vergleichsweise harmlos, bzw. in den meisten aktuellen Fanservice-Serien sieht man den in den ungeschnittenen Fassungen deutlich mehr, so dass ich mich frage, warum man sich mit dem Kram in Hinako dann zufrieden geben soll, wobei es dort eigentlich noch nicht mal etwas anderes als Fanservice gibt?

Man sagt ja, dass solch Kram eher nicht die Leute kaufen, die groß im Internet unterwegs sind, sondern eher die Gelegenheitskäufer, die sich denken, bei den 10-12€ pro Scheibe kann man nicht viel falsch machen. Dann frage ich mich allerdings, wie niedrig ist der Anspruch da mittlerweile? Wenn scheinbar die Nachfrage nach Fanservice so unglaublich groß ist, dann müssten sich doch sogar ein paar mehr Serien hierzulande recht gut verkaufen, die vielleicht sogar noch etwas mehr Handlung bieten. Sekirei und Ikkitousen liefen ja bekanntermaßen ganz gut und auch wenn mich beide Werke nicht interessieren, frage ich mittlerweile, warum nicht mehr von dem Kram hierzulande erscheint? Bis auf vielleicht teilweise rechtlich bedenkliche Szenen, die einen Release bei der einen oder anderen Serie verhindern, sollten sich die meisten Serien hier doch gut hier auf dem Markt verkaufen lassen, mir fallen da z.B. Kämpfer, Samurai Girls, Ladies vs. Butlers oder To LoveRu ein. Ich habe nur To LoveRu selbst gesehen, aber die Serien bieten zumindest etwas mehr Drumherum als Hinako.

Jetzt mag man sich fragen, warum ich hier indirekt nach mehr Fanservice-Serien frage, die mich selbst nicht interessieren, aber ich frage mich einfach, wie man sich nur mit legalen Quellen überhaupt mit Anime in Deutschland versorgen kann? Gut, es gibt Animax und Anime On Demand, aber dort gibt’s ja auch hauptsächlich Kram, der schon etwas älter ist und das Kaufen einer DVD/BD ist doch etwas einfacher als das Abonnieren von PayTV oder das Verwenden von kostenpflichtigen Internetdiensten. Wenn z.B. Fanservice-Serien auch nur in recht großen Abständen hier erscheinen, d.h. monatelang hier Flaute herrscht, dann frage ich mich, wofür die Leute denn ihr Geld ausgeben? Es müsste doch eigentlich hier noch Potential existieren, mehr zu veröffentlichen, wenn scheinbar alles mit dankbarer Hand aufgenommen wird. Irgendwie verwirrt mich die deutsche Animelandschaft in dieser Hinsicht, das gebe ich ganz offen zu.

Auf der anderen Seite ist es natürlich sehr bedauerlich, dass viele großartige Serien hierzulande nicht erschienen sind und wohl auch nicht mehr erscheinen werden. Clannad und Toradora! hätten sich hier wohl auch vernünftig verkauft, denn scheinbar kaufen Fans von den etwas anspruchsvolleren Otaku-Serien ja doch hier DVDs, denn Kara no Kyoukai lief ja hierzulande auch überraschend gut. Manch einer sagt nun, KnK sind Filme und die laufen hier eh immer gut, aber mal im Ernst, die ersten KnK-Filme sind nun wirklich eher kein Mainstream, 7 Teile sind eher eine Serie und ein Gefühl sagt mir, dass hier vielleicht doch ein paar mehr Fansubgucker in die Läden gelaufen sind als normalerweise. Man darf auch nicht vergessen, dass KnK im englischsprachigen Raum nicht erhältlich ist (die recht teure, limitierte Blu-ray-Box zählt da nicht) und man hier vielleicht wirklich mal diese besondere deutsche Veröffentlichung unterstützen wollte. Wenn man sich überlegt, dass hierzulande noch nicht mal der Fate/stay night Anime oder Manga erschienen ist, sind die KnK-Filme wirklich überraschend (wobei die Lizenz vermutlich etwas mit Kazé-Frankreich zu tun haben könnte).

Zumindest zeigt KnK das es sich doch mal lohnt, auch mal andere Genre zu lizenzieren, also sagt mir ein Gefühl, dass Toradora! und Clannad hier auch Käufer gefunden hätten, denn beide Serien haben viele Fans, die auch gerne für diese Serien Mund-zum-Mund-Propaganda betreiben. In der Hinsicht finde ich es z.B. seltsam, dass der The World God Only Knows-Manga hierzulande erscheint, der ja zum besseren Verständnis am besten rudimentäre Kenntnisse von Klischees in Visual Novels erfordert und noch nicht mal deren Anime schaffen es regelmäßig hierher (Kimi ga Nozomu Eien und ToHeart fallen mir als einzige ein). Da hätte ich doch eher den Toradora!-Manga als Lizenz empfohlen, der als Adaption der Light Novels überraschend gelungen ist, aber vielleicht taugt der TWGOK-Manga ja wirklich so viel, dass er es verdient, als einer der wenigen Romantic-Comedy-Manga hier zu erscheinen.

Naja, zurück zu den Anime-Lizenzen, der Mangamarkt ist ja ein ganz eigenes Thema. Immerhin erscheint ja hierzulande endlich Soul Eater (ich habe mich lange gefragt, warum da keiner zugegriffen hatte), wenn auch bislang nur auf Animax, denn ich habe mich schon oft gefragt, warum so viele Leute immer nach One Piece, Naruto und Bleach fragen, aber Shonen-Serien wie die originale FMA-Serie haben sich mies auf DVD verkauft. Man kann nun von den bekannten Shonen Jump-Titeln nun halten, was man will, aber FMA gehört im Prinzip zum gleichen Genre mit dem Unterschied, dass es eine durchgehende Handlung mit richtiger Struktur und mehr Tiefgang bietet. Es gibt natürlich noch mehr Unterschiede, aber eigentlich sollte FMA auch bei Leuten ankommen, die die anderen Shonen-Titel konsumieren, denn die Zutaten sind nun mal recht ähnlich. Aber irgendwie scheint die Jump-Zielgruppe nicht allzu sehr über den Tellerrand zu gucken, sonst hätten wir ja auch das hochgelobte „Brotherhood“ bekommen. In dieser Hinsicht scheint der amerikanische Markt wirklich besser zu funktionieren, aber dort lief FMA auch im TV, was natürlich hilft, aber müsste nicht Mund-zu-Mund-Propaganda schon ausreichen, um zumindest eine DVD-Veröffentlichung profitabel zu machen? Irgendwie scheinen viele der Käufer einfach mit Scheuklappen durch die Läden zu rennen und nur das Bekannte aus dem TV verkauft sich gut, während die Perlen in den Regalen liegen bleiben. Vor allem bei FMA finde ich das sehr traurig.

Ich verstehe auch nicht, warum man hierzulande nicht vermehrt Serien aus den vergangenen Jahren günstig als Boxsets auf den Markt schmeißt, um einige Leute einfach mal daran zu gewöhnen, dass man für Anime Geld ausgeben kann. Nicht ohne Grund sind US-TV-Serien ein wichtiger Teil des DVD-Marktes, denn die Leute wollen bequem für wenig Geld komplette Serien kaufen. Bei aktuellen Anime ist das natürlich nicht machbar, aber warum kann man nicht ein Darker Than Black oder ein Death Note für 20€ in 13 Folgen-Sets einfach mal auf den Markt werfen, damit man als Anime-Einsteiger nicht gleich von den hohen Preisen abgeschreckt wird. In dieser Hinsicht finde ich Beez zumindest mal lobenswert, da man Gurren Lagann und Planetes nun wirklich hinterher geschmissen kriegt. Auf diesem Weg kriegt mal wohl auch mal Gelegenheitskäufer ins Boot, die sonst gar keine Anime kaufen würden, da sie sonst einfach zu teuer sind. Klar, teilweise sind einige Lizenzen bestimmt  zu teuer für so eine Preisgestaltung, aber wenn das für so viele Serien in Großbritannien und den USA funktioniert, dann muss doch hierzulande für einige Serien das auch mal möglich sein. Und wer jetzt sagt, es gibt ja Onlineshops, bei denen man den Kram nachgeworfen kriegt, dann sage ich mal, und wie viele Gelegenheitskäufer landen da? Anime müssen auch mal zwischen den Sonderangeboten in den Kaufhäusern liegen oder öfter bei Amazon in preiswerter Form erhältlich sein.

Immerhin sehe ich im Moment aber einige positive Entwicklungen im deutschen Markt und ich bin vor allem gespannt darauf, wie Highschool of the Dead hier einschlagen wird, denn Fanservice und jede Menge Gewalt sollten doch einige neue Fans ins Boot holen, denn ähnlich wie bei Elfen Lied kann man HOTD auch Anime-Uninteressierten einfach mal ein paar Minuten zeigen und sie bleiben wohl schnell hängen. Persönlich bin ich bestimmt kein Fan von HOTD, aber den potentiellen „Mainstream-Appeal“ kann ich erkennen. Auch ein Erfolg von Angel Beats! und K-ON! ist natürlich sehr wünschenswert, damit wir wieder etwas mehr unterschiedliche Genre geboten kriegen.

Das war nun der erste Teil, denn der Rest des Artikels würde jetzt zu weit führen und da ist ein Aufteilen besser, damit die Textmenge auch noch bewältigt werden kann^^;.